Island – Tag 1

Unbequeme Nacht unter Polarlichtern

Island Rundreise | 2017 | Tag 1
Renault Clio Station auf einem Parkplatz nahe der isländischen Küste

Hinflug mit WOW Air von Frankfurt nach Kevlavik. Gegen 14:30 Uhr kommen wir in Island an und steigen in ein kostenloses Airport-Shuttle, das uns zu Green Motion Car Rental bringt, wo wir unseren Mietwagen in Empfang nehmen wollen. Nach ca. 10 Minuten erreichen wir das etwas abseits liegende Gelände, erledigen den Papierkram und laden unser Gepäck schließlich in einen weißen Renault Clio Station. Der Wagen scheint noch recht neu zu sein, trotzdem hat er bereits einige Steinschläge, Kratzer und Dellen. Ein großer Aufkleber am Armaturenbrett ermahnt uns, dass das Fahren auf den unasphaltierten F-Roads mit diesem Fahrzeug streng verboten ist. Tipp: Island verlangt einem Auto eine ganze Menge ab – untersuche deinen Mietwagen daher möglichst genau, um später keine bösen Überraschungen zu erleben. Uns ist z.B. zu spät aufgefallen, dass ein Licht nicht funktionierte und die Kofferraumklappe nur mit Mühe zuging.

Wir heben ein paar isländische Kronen am ATM ab und steuern danach den nächsten Bonús an, um uns mit einem Basisvorrat für unseren Roadtrip einzudecken. Island ist generell nicht billig, daher treiben uns auch einige Preise in dem vermeintlichen Discounter Tränen in die Augen. So werden für 200g Salami beispielsweise 900 ISK aufgerufen, etwa 7,20 Euro. Wir entscheiden uns für Wasser, Toastbrot, Nutella, Müsliriegel, Orangensaft und ein paar Dosen Bier und zahlen rund 4.000 ISK. Anschließend fahren wir, wegen dem im Clio permanent aufleuchtenden Reifendruck-Symbol, nochmal kurz zurück zu Green Motion. Doch alles ist in bester Ordnung, die Reifen haben genug Luft und es handelt sich um eine Fehlermeldung, die in der Montage von nicht serienmäßigen Winterreifen mit Metallspikes begründet ist.

Nach einer kurzen Fahrt kommen wir in Reykjavik an und parken erstaunlich günstig und zentral in einem Parkhaus auf der Hverfisgata. Ein paar hundert Meter weiter mieten wir uns im Gangleri Outfitters zwei stabile, selbstaufblasende Matrazen für die nächsten sieben Tage und gehen im Anschluss in dem indischen Hipster-Takeaway Thali zu Abend essen. Der Preis von 2.900 ISK für zwei lächerlich kleine Portionen Tiefkühl-Gemüse und Tiefkühl-Teigtaschen mit Reis ist leider nicht wirklich gerechtfertigt. Naja, wenigstens gibts Wasser umsonst. Mit knurrenden Mägen treten wir die Fahrt an, und werden kurz hinter Reykjavik mit einem tollen Sonnenuntergang an der Küste belohnt.

Sonnenuntergang im Süden Islands bei Reykjavik

Das Autofahren gestaltet sich sehr angenehm. Während ich das Verkehrsaufkommen im Zentrum mit dem einer deutschen Kleinstadt vergleichen würde, wird es schon wenige Kilometer außerhalb sehr überschaubar. Wir halten an, essen ein paar Nutellatoasts, genießen den Ausblick und nutzen die Pause um den Clio schonmal zum mobilen Schlafzimmer umzubauen. Dabei fällt auf, dass die umgeklappte Rückbank und der Kofferraumboden des Clios keine gemeinsame Ebene ergeben – das verspricht erholsame Nächte. Tipp: Tu dir selbst einen Gefallen und recherchiere genau. Ich habe mich auf die Angaben zum Vorgängermodell verlassen und bin damit auf die Nase gefallen.

Wir fahren noch ein gutes Stück weiter, bis schließlich die Nacht hereinbricht und wir an einem Schotterplatz mit der Beschilderung Kattarhryggur halten. Trotz Wollsocken, dickem Schlafsack und warmer Kleidung verbringen wir hier eine sehr kalte und unbequeme Nacht. Der Wind pfeift und rüttelt permanent an unserer französischen Wahlheimat und draußen herrschen unbequeme null Grad. Als Entschädigung tauchen gegen 23 Uhr genau über uns grünlich-weiße Polarlichter auf. Wir beobachten das beeindruckende Schauspiel gebannt und verlassen schließlich sogar noch einmal unsere Schlafsäcke, um bessere Sicht unter freiem Himmel zu haben. Ungefähr zehn Minuten dauert der Tanz an, dann verschwinden die Lichter so schnell, wie sie aufgetaucht sind.

Add a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *