Island – Tag 2

Trolle, Wasserfälle und faule Eier

Island Rundreise | 2017 | Tag 2
Bauernhof in der isländischen Einöde

Um 6:40 Uhr klingelt der Wecker. Wir stehen auf, räumen das Auto um und machen erstmal Motor und Heizung an – scheiße ist das kalt hier. Als wir eine gute Stunde später in Staður ankommen, sind die Eiszapfen an unseren Nasen fast geschmolzen. Wir essen Nutellabrote, trinken zwei heiße Kaffee und bleiben ca. eine Stunde in einem Tankstellen-Bistro sitzen um vollends aufzutauen. Satt, wach und zufrieden setzen wir unsere Reise auf der Ringstraße fort und starten mit dem Hörbuch Teufelsgold von Andreas Eschbach.

Nach einiger Zeit biegen wir von der asphaltierten Ringstraße auf die unbefestigte Straße 711 ab. Der holprige Schotterweg führt uns durch eine neblige Hügellandschaft bis wir schließlich 30 Minuten später am Hvítserkur, einem seltsam geformten Basaltfelsen direkt von der Küste, ankommen. Isländischen Sagen zufolge handelt es sich bei dem Felsen um einen versteinerten Troll, der beim Angriff auf ein Kloster von der Sonne überrascht wurde.

Der Hverir Felsen vor der Küste Islands

Weit interessanter als die vermeintliche Entstehungsgeschichte ist die Tatsache, dass der ehemalige Troll inzwischen zur Heimat vieler Robben und Seevögel geworden ist. Wir verbringen noch ein paar Minuten damit, das Treiben durchs Fernglas zu beobachten, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Unterwegs versuchen wir vergeblich ein paar Islandponys zu füttern und entdecken ein altes Autowrack mitten in der Einöde, bis wir schließlich wieder auf die komfortablere Ringstraße aufbiegen.

Ein rostiges Autowrack auf einer Weide in Nordisland

Die weitere Fahrt zum heutigen Etappenziel führt uns durch vielseitige und atemberaubende Landschaften. Felsige Täler wechseln sich mit zugefrorenen Seen und verschneiten Bergpassagen ab, unterwegs begegnen uns einige Herden von Islandponys sowie kleine Siedlungen und verlassene Farmen irgendwo im Nirgendwo. Alle fünf Minuten hat man das Gefühl, sich in einem anderen Land bzw. Film zu befinden. Szenen aus Herr der Ringe, Moon und Braveheart laufen vor meinem inneren Auge ab.

So abwechslungsreich wie die Umgebung ist auch das Wetter. Von Nebel über Nieselregen bis Schnee ist alles dabei, nur die Sonne zeigt sich leider nicht. Einen Tankstop in Varmahlíð nutzen wir für ein typisch isländisches Mittagessen: Nutellabrote, Tuc-Kräcker und einen Apfel. Gut gestärkt erreichen wir schließlich den Goðafoss und verbringen einige Zeit damit den herabstürzeden Wassermassen zuzuschauen – hat was Beruhigendes.

Der Wasserfall Godafoss im Nordwesten Islands

Nach einem letzten Stop kurz vor Skútustaðahreppur erreichen wir gegen Abend schließlich das ELDA Guesthouse in Reykjahlíð, wo wir uns für heute Nacht einquartiert haben. Weil das Gasthaus ausgebucht ist, werden wir allerdings ins abseits gelegene Hlíd Hostel ausgelagert.

Dort angekommen beziehen wir mitten in einer beeindruckenden rot-schwarzen Felslandschaft die Hälfte eines kleinen Wohncontainers, der aussieht, als bestände er aus Pappe. Abgerundet wird das Ganze von einem allgegenwärtigen Geruch nach faulen Eiern, der nur von dem noch penetranteren Schwefelgeruch des Duschwassers übertroffen wird. Danke für diese seltsame Erfahrung, Island.

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