Island – Tag 3

Trolle, Wasserfälle und faule Eier II

Island Rundreise | 2017 | Tag 3
Die Felsformation Dimmuborgir im Norden Islands

Gut ausgeruht stehen wir um 8 Uhr auf und sind dankbar, dass wir die Nacht nicht im Auto verbringen mussten. Das Hlíd Hostel verfügt zwar über eine kleine Küche im Hauptgebäude, aber es wird kein Frühstück zum Kauf angeboten. Daher gibt es für uns wieder Nutellatoasts und Äpfel. Im Anschluss checken wir aus und brechen zu einer kleinen Rundfahrt durch die Region auf, da es rund um Reykjahlíð einiges zu sehen gibt.

Ursprünglich hatten wir eine Wanderung zum Krater des Hverfjall geplant, mussten diese Idee aufgrund anhaltenden Regens allerdings wieder verwerfen. Stattdessen manövriere ich den Clio illegalerweise über eine holprige F-Road durchs Birkiland zur Grjótagjá. Dabei handelt es sich um eine kleine Höhle, die einen unterirdischen Heißwassersee beheimatet. Früher konnte man darin sogar schwimmen gehen, mittlerweile sind die Temperaturen jedoch zu hoch und Baden bei Strafe verboten. Achtung krass: Die Finger halten wir trotzdem mal rein.

Der Krater Hverfjall im Norden Islands

Weil das Wetter besser wird und es nur noch leicht nieselt, entschließen wir uns doch für einen kleinen Spaziergang durch die schwarz-rot-grüne Lavawüste. Nachdem wir eine Zeit lang querfeldein marschiert sind und der Parkplatz an der Grjótagjá außer Sichtweite gerät, wird mir die absolute Stille bewusst. Da Island über keine geräuschvolle Fauna verfügt und besonders der Nordosten sehr dünn besiedelt ist, hört man hier bei Windstille wirklich „nichts“. Auch für jemanden der auf dem Land aufgewachsen ist und eine ruhige Umgebung gewohnt ist eine tolle Erfahrung. Wir machen ein paar Fotos von Felsspalten und der mit Flechten überzogenen Kraterlandschaft, bevor es über den seltsam nachgebenden Boden zurück zum Auto geht.

Das nächste Ziel ist ein Labyrinth aus Lavahügeln und -formationen mit dem Namen Dimmuborgir, nach dem sich die gleichnamige Black Metal Band benannt hat. Die schwarzen Steingebilde erinnern an verwitterte Türme oder Burgen und sind über verschiedene Wanderwege erreichbar. Wir entscheiden uns für eine der kürzeren Routen. Tipp: Bei niedrigen Temperaturen sind einige Wege und Passagen sehr rutschig, nimm die Klassifizierungen der Wanderwege (blau = easy; rot = hard) ernst. Laut isländischer Sagen sollen hier übrigens einige Trolle unterwegs sein, wir haben aber keine gesehen.

Zurück in Reykjahlíð beschließen wir, dass es zu Mittag mal keine Nutellatoasts sein sollen und kaufen uns für 1.400 ISK eine Packung veganen Käseersatz und eine Packung Pizzaschinken sowie je einen Hotdog und Kaffee. Das Mývatn Nature Bath lassen wir anschließend aus, da uns der Eintrittspreis mit 3.800 ISK pro Person zu teuer ist und wir einen Abstecher in die Blue Lagoon bei Kevlafik bereits fest eingeplant haben.

Nach nur fünf Minuten Fahrt erreichen wir schließlich Hverir, eine brodelnde, zischende und übelriechende Gegend kurz hinter Reykjahlíð. Die Landschaft ist von heißen Quellen und gelb-grünlichen Schwefellöchern, aus denen große weiße Dampfschwaden aufsteigen, geprägt. Der Gestank ist teilweise kaum auszuhalten und stellt sogar die Dusche aus dem Hlíd Hostel nochmal in den Schatten. Trotzdem kann man sich kaum von diesem Naturschauspiel loseisen und kommt sich wie auf einem anderen Planeten vor. Nach einer guten halben Stunde machen wir uns schließlich wieder auf und steigen mit interessant riechender Kleidung in unseren Clio.

Die zischende und nach Schwefel stinkende Landschaft Hverir

Das nächste Ziel ist der Dettifoss, ein riesiger Wasserfall hoch oben in den Bergen. Der dazugehörige Aussichtspunkt ist nur zu Fuß zu erreichen, so parken wir das Auto und machen uns dick eingepackt auf den Weg. Nach ca. einem Kilometer Fußmarsch durch eine eisige, weiße Winterlandschaft kündigt sich der Dettifoss durch lautes Dröhnen an. Von der kleinen Aussichtsplattform hat man schließlich freie Sicht auf die fallenden Wassermassen.

Bei der Weiterfahrt machen wir noch eine kurze Pause in den verschneiten Bergen des Nordostens, bevor wir am frühen Abend die größte Stadt Ostislands erreichen: Egilsstaðir mit 2.300 Einwohnern. In der pulsierenden Metropole angekommen essen wir erstmal im Subway zu Abend und buchen uns anschließend für eine Nacht im etwas außerhalb gelegenen Vinland Guesthouse ein. Vom Lärm der Großstadt bekommt man hier hoffentlich nichts mit.

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