Island – Tag 4

Clio auf Abwegen

Island Rundreise | 2017 | Tag 4
Baufällige Brücke über einen kleinen Fluss in der isländischen Natur

Um 8 Uhr stehen wir auf, trinken Kaffee und frühstücken. Da Dauerregen gemeldet ist, lassen wir Egilsstaðir schnell hinter uns und erreichen bald Djúpivogur. Dort fahren wir die Hafenstraße ab und schauen uns aus dem Auto heraus eine recht spezielle Sehenswürdigkeit namens Eggin í Gleðivík (auf Deutsch: Eier in der Gledivik-Bucht) an. Hier hat ein Einwohner und großer Vogelfreund im Jahr 2009 die Eier von 34 in der Umgebung nistenden Vogelarten verewigt – im Maßstab 100:1, aus geschliffenem Naturstein und auf großen Betonfundamenten. Die Isländer haben einen sehr sympathischen Sinn für Humor.

Vogeleiskulptur in der isländischen Gledivik-Bucht

Nach dem spannenden Ausflug in die Ornithologie fahren wir weiter bis nach Höfn. Auf diversen Flyern wird die kleine Küstenstadt als „niedliches Fischerdorf“ beschrieben, uns kommt sie jedoch eher industriell geprägt und recht ungemütlich vor. Daher halten wir nur kurz an einer N1-Tankstelle und gönnen uns das günstigste verfügbare Mahl: ein Cheeseburgermenü mit Kaffee für bittere 3.200 ISK.

Anschließend führt uns die Ringstraße an der südöstlichen Flanke des Vatnajökulsþjóðgarður Nationalparks entlang. Zu unserer Linken sehen wir Küste und Meer, rechts dominieren verschneite Gebirge und weite Ebenen das Blickfeld. Eine tolle Aussicht. Ich fahre zweimal von der asphaltierten Straße auf holprige F-Roads ab, muss aber bei beiden nach wenigen hundert Metern anhalten und umdrehen. Mal kreuzt ein zu tiefer Fluss den Weg, mal wird der Schotter zu Geröll und damit unbezwingbar für unseren kleinen Kombi.

Beim dritten Versuch bin ich schließlich erfolgreich und wir holpern eine gute Dreiviertelstunde in den Nationalpark hinein. Unterwegs entwickelt der Clio ungeahnte Offroad-Qualitäten: Er bezwingt einen steilen Abhang, passiert sogar einen kleinen Fluss (eher Rinnsal) und kommt trotz geringer Bodenfreiheit hervorragend mit Schotterpiste, Schlaglöchern und Spurrillen zurecht. Tipp: Ja, das war unvernünftig. Wenn du dich für einen ähnlichen Ausflug entscheiden solltest, ist vor allem gesunder Menschenverstand und Erfahrung im Gelände von Vorteil. Die vernünftigste Alternative ist es natürlich, sich ein geländetaugliches und deutlich teureres Fahrzeug zu mieten.

Gletscher im Vatnajökulspjodgardur Nationalpark

Nachdem wir eine kleine Brücke passieren und der Weg zunehmend schlechter wird, halte ich an. Mehr will ich dem Clio nicht zumuten. Unsere Unvernunft wird mit dem Ausblick auf ein unglaubliches Panorama belohnt: Vor uns liegen die drei leuchtend weißen Gletscher Heinabergsjökull, Skálafelsjökull und Fláajökull.

Zurück auf der Ringstraße fahren wir weiter bis zu dem See Jökulsárlón, auch bekannt als Glacier Lagoon. Hier tummeln sich haufenweise weiße Eisschollen und leuchtend blaue Gletscherteile im Wasser, die sich langsam aber sicher auf den Weg ins offene Meer machen. Da es inzwischen aufgehört hat zu regnen, spazieren wir lange am Ufer entlang und machen Fotos von dem herrlichen Naturschauspiel.

Eisschollen in der isländischen Glacier Lagoon

Gegen kurz vor 20 Uhr fahren wir schließlich ca. sechs Kilometer zurück und parken das Heck unter dem Vordach einer Toilettenhäuschen-Ruine direkt an an der Ringstraße. Da es inzwischen wieder regnet, werden wir so beim Umbauen wenigstens nicht nass und sind sogar etwas windgeschützt. Weil wir nicht dumm sind und aus der ersten Nacht im Auto gelernt haben, packen wir uns noch dicker ein und legen uns schließlich schlafen.

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