Island – Tag 8

Hipster und Pimmel

Island Rundreise | 2017 | Tag 8
Touristisch geprägte Innenstadt von Reykjavik

Wir stehen recht früh auf und gehen im Hotel Keflavík, das gleich gegenüber unserem Gästehaus liegt, frühstücken. Tipp: Obwohl es sich bei dem Guesthouse nur um eine günstige Bleibe mit Hostelcharakter handelt, ist im Übernachtungspreis ein hervorragendes Drei-Sterne-Frühstück inbegriffen. Nach diesem gelungenen Start in den Tag räumen wir das Auto auf und reinigen die Fußmatten so gut es geht. Darauf hat sich während der Reise einiges an Schlamm und Dreck angesammelt.

Bevor wir den Clio zurückbringen lege ich mir Argumentationsketten für alle möglichen Szenarien zurecht, wenn der Vermieter die gerissene Scheibe anspricht. Schließlich geht es um unsere Kaution von 2.000€. Mit angespannten Nerven betrete ich schließlich den Laden und werde von einer älteren Dame empfangen. Sehr gut, ich wittere geringes Aggressionspotenzial. Freundlich nimmt sie den Schlüssel entgegen und geht hinaus, um sich den Wagen anzuschauen. Sie begutachtet das Äußere, den Unterboden und den Innenraum, bescheinigt den einwandfreien Zustand und wünscht uns eine gute Heimreise. Ich lasse mir noch schnell eine Kopie der Bescheinigung geben, bevor wir uns erleichtert ins Airport-Shuttle setzen. Glück gehabt.

Am Flughafen kaufen wir uns zwei Grey Line Return-Tickets nach Reykjavik und zurück für je 3.900 ISK und fahren nach kurzer Wartezeit mit einem der Coach-Busse ins Zentrum des Hauptstädtchens. Gegen 11 Uhr erreichen wir das Guesthouse Pavi, wo wir uns für unsere letzten beiden Nächte einquartiert haben, und finden statt einer Rezeption nur die verschlossene Tür eines Bürogebäudes vor. Auf einem Zettel an der Tür lesen wir, dass Early Check in und Luggage Storage nicht möglich sind. Außerdem solle man bitte, bitte nicht bei der Anwaltskanzlei nebenan klingeln, die würden nur sauer und könnten uns auch nicht helfen.

Also setzen wir uns mit unserem Krempel in das nächstgelegene Café namens Iceland Roasters und fangen an knappe vier Stunden totzuschlagen. Immerhin wird hier ein ausgezeichneter Cappucchino serviert und es gibt selbstverständlich WLAN, so dass wir nach anderen Zeitvertreiben in der Nähe suchen können. In dem Café werden wir von zwei sehr, seeehr alternativ aussehenden jungen Kaffeemachern bedient und meine Laune steigt mit jedem Blick, den ich auf Topfschnitt, Latzhose, Nickelbrille oder Katzenpullover werfe.

Nach einer halben Stunde voller Kaffeegenuss und unterdrücktem Lachen ziehen wir unseren Koffer schließlich ein paar hundert Meter weiter zum Icelandic Phallological Museum, wo wir uns 40 Minuten lang sehr viele Penisse in verschiedenen Formen und Größen anschauen.

Exponate im isländischen Phallological Museum

Die Besitzer versuchen sich hier an einem Spagat zwischen Kuriositätenschau und ernsthaftem wissenschaftlichen Anspruch. Von vulgärem oder pornografischem Material wird sich schon im Eingangsbereich mit einem Hinweisschild distanziert.

Die meisten Exponate gehörten mal großen Meeressäugern, aber auch ein Isländer hat es sich nicht nehmen lassen und sein verschrumpeltes, bestes Stück dem Museum vermacht. Hand aufs Herz: Es ist zwar ganz lustig, aber 1.500 ISK und damit über 10€ pro Person ist das Museum nicht wert. Langeweile und die Nähe zu unserem Hostel waren für uns die ausschlaggebenden Faktoren.

Nach einem thailändischen Mittagessen ist es schließlich 15 Uhr und wir können einchecken. Den Rest des Tages verbringen wir mit einem Bummel durch den touristisch geprägten Innenstadtbereich und einem Kinobesuch. In einer amerikanisch anmutenden Mall läuft Ghost in the Shell in 3D.

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