Malaysia – Tag 12

Lebensfreude wird hier kleingeschrieben

Roadtrip durch Malaysia | 2018 | Tag 12
Bogen nahe des Chinatown-Distrikts in Kota Bharu

Auch die letzte Nacht auf der Insel ist nicht besonders bequem. Gegen 7:30 Uhr stehen wir auf, duschen und packen unsere Sachen zusammen. Anschließend parken wir unsere Rucksäcke an der Rezeption des Rainbow Camps und frühstücken zum dritten Mal in Folge Pfannkuchen, heute jedoch mit Honig statt Erdbeergelee. Unsere restliche Zeit auf den Perhentians vertreiben wir uns erneut mit Brettspielen. Genauer gesagt mit einem Brettspiel, das „Heckmeck am Bratwurmeck“ heißt und so süchtig macht wie es dämlich klingt.

Um 12 Uhr hält ein Schnellboot am Strand und holt uns ab. Wir verabschieden uns von Yi und seinem Personal und danken ihm für die Gastfreundschaft, bevor wir an Bord klettern und unsere Rettungswesten anlegen. Die Motoren heulen auf, und schon verschwimmen die Inseln wieder zu grünlichen Schleiern am Horizont. Die Rückfahrt verläuft deutlich angenehmer als die holprige Hinfahrt. Scheinbar herrscht weniger Seegang.

Auch die Rückfahrt im Taxibus von Kuala Besut nach Kota Bharu verläuft problemlos und zügig. Gierig atmen wir die kalte Luft der Klimaanlage ein und wickeln uns vorsichtshalber in eine Decke, um einer Erkältung zu entgehen. Etwa 90 Minuten später erreichen wir die Stadt im Nordosten des malaysischen Festlandes und werden von dem Fahrer direkt am Parkview Guesthouse abgesetzt. Wir checken für 55 Ringgit ein und bekommen ein Zimmer mit einer Aussicht, die unserem Zelt im Dschungel in Nichts nachsteht.

Ranziges Hotelzimmer mit Fototapete in Kota Bharu

Während eines Spaziergangs durch die Innenstadt essen wir in einem Thai-Restaurant ein unheimlich leckeres Nasi Goreng Pattaya und trinken zwei leuchtend orange Thai-Eistees. Wir bedanken uns mit einem großzügigen Trinkgeld und unterhalten uns kurz mit dem Koch über unsere Reisepläne, Thailand und Kota Bharu. Ein Taxifahrer, der uns aufgeregt nach unserer Herkunft befragt und während der Fahrt mehrere Selfies mit mir und meiner Freundin schießt, fährt uns anschließend nach Chinatown. Nach etwa zehn Minuten Standzeit im Stau bezahlen wir den Mann, verabschieden uns herzlich und legen den Rest der Strecke zu Fuß zurück.

Die Stadt kommt uns ungewohnt schmutzig und hässlich für malaysische Verhältnisse vor. Auf dem Gelände des bekannten Siti Khadija Central Market huschen Ratten durch die dunklen Ecken und Kakerlaken sind auf den Bürgersteigen omnipräsent. Der Großteil der Menschen wirkt verschlossener und weniger freundlich, als in den bisher von uns besuchten Regionen. Ich erinnere mich an meinen Freund Zulfadli, der uns an unserem ersten Abend in Malakka verwundert anschaute und fragte, was wir denn in Kota Bharu wollen. Eine offensichtlich berechtigte Frage.

Meine Freundin trägt eine kurze Hose, die bis kurz über die Knie geht und erntet dafür mehrfach Blicke, die ich als missbilligend oder abwertend deute. Kota Bharu ist die Hauptstadt des Staates Kelantan, der als der konservativste Bezirk Malaysias gilt. Hier ist es Frauen beispielsweise gesetzlich verboten „zu grelles Makeup“ zu tragen oder mit den Absätzen ihrer Schuhe zu klackern. Obwohl wir uns dieser Tatsachen bewusst waren, überrascht uns das ablehnende Verhalten der sonst so offenen und freundlichen Malaysier doch sehr.

Auf dem Rückweg laufen wir einen kleinen Nachtmarkt ab und folgen anschließend einer Restaurantempfehlung des Hostelpersonals. An einer viel befahrenen Kreuzung befindet sich das PK Corner, in dem wir auf kleinen Plastikhockern sehr gut malaiisch essen. Zurück im Hostel stellen wir fest, dass das Betttuch etwas zu fleckig für unseren Geschmack ist und machen zum ersten Mal in Malaysia Gebrauch von meinem Hygieneschlafsack. Anschließend schlafen wir dank der Klimaanlage schnell ein.

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