Malaysia – Tag 14

Nächtlicher Zauber

Roadtrip durch Malaysia | 2018 | Tag 14
Sonnenuntergang an der Küste von Borneo

Unsere knapp zwei Quadratmeter große Wahlheimat stellt sich als beengt, aber äußerst bequem heraus. Gegen 8 Uhr stehen wir auf und frühstücken in der Hostelküche Toasts mit Marmelade und gekochte Eier. Hier erlerne ich den Life-Hack, Eier statt in einem Topf oder einem Eierkocher direkt in einem Wasserkocher zu erhitzen. Was für eine Erkenntnis.

Beim folgenden Spaziergang durch die Stadt probieren wir versehentlich Eiskaffee mit Minzgeschmack aus und finden darin eine erfrischende Alternative zum klassischen Nescafé. Wir schlendern durch verschiedene Malls und durch einen kleinen Stadtpark, bevor wir gegen 12 Uhr im Borenos Fried Chicken einen Burger im pechschwarzen Brötchen zu Mittag essen. Für mich als kulinarisch schlecht informierte Person die zweite Unglaublichkeit des Tages.

Kurz vor 14:30 Uhr werden wir schließlich von einem grünen Minivan zu unserer Halbtagestour nach Kota Belud abgeholt. Nach wenigen Minuten Fahrtzeit halten wir an der Masjid Bandaraya Moschee und haben hier die Möglichkeit ein paar Fotos zu schießen, während Guide Charly in schlechtem Englisch Informationen zu dem Gotteshaus runterleiert. Die folgenden anderthalb Stunden verbringen wir damit aus dem Fenster zu schauen und auf unseren Sitzen zu dösen. Die Fahrt führt uns vorbei an ländlichen Gegenden, über schlechte Straßen und schließlich auf den Parkplatz vor einem Bootsanleger.

Motorboot bei der Fahrt durch Mangrovenwälder auf Borneo

Mit einem überdachten Motorboot fahren wir kurz darauf durch ein sumpfiges Mangrovengebiet und halten dabei Ausschau nach seinen tierischen Bewohnern. Tatsächlich entdecken wir schon nach wenigen Minuten ein paar weiße Äffchen und zwei Otter am Ufer. Aber auch die Pflanzenwelt ist schön anzusehen: Riesige Farne, ineinander verschlungene Mangroven und gebogene Palmen säumen unseren Weg.

Eine Dreiviertelstunde später kehren wir wieder zu dem Anleger zurück und fahren etwa zehn Minuten bis zum nahegelegenen Strand. Da wir die Abendstunden gestern in diversen Malls verbracht haben, erleben wir heute den ersten bildschönen Sonnenuntergang auf Borneo.

Wir spazieren am Wasser entlang, machen Fotos von der in leuchtend oranges Licht getauchten Landschaft und beobachten kleine Krebse beim Graben ihrer Tunnel. Dabei produzieren sie Sandkugeln, die aus der Ferne betrachtet detaillierte Muster ergeben. Allerdings gehen sie einer Sisyphusarbeit nach, denn  etwa alle fünf Minuten macht eine größere Welle die entstandenen Gebilde wieder dem Erdboden gleich.

Als die Sonne über dem Horizont nur noch schemenhaft zu erahnen ist, ruft uns unser Guide zurück zum Minivan und wir steuern erneut den Bootsanleger von vorhin an. In den folgenden Minuten ist die Landschaft in ein seltsam violettes Licht getaucht, das wir in dieser Intensität noch nie nach einem Sonnenuntergang beobachtet haben. Auf einigen Fotos gelingt es meiner Freundin glücklicherweise, die surreale Atmosphäre zu konservieren.

Leuchtend pinker Himmel über Borneo

Bevor wir erneut das überdachte Motorboot besteigen, bedienen wir uns an einem dürftigen Buffet: Es gibt kalten Reis mit Kürbis, Hühnchen, eine dünne Suppe und künstlich schmeckenden Multivitaminsaft. Der folgende Ausflug ist glücklicherweise deutlich eindrucksvoller als das Abendessen.

Es ist bereits stockfinster als der Außenbordmotor das Sirren der Grillen um uns herum abrupt verstummen lässt. Langsamer als am Nachmittag setzen wir uns in Bewegung und werden mehrfach darum gebeten, uns nicht über die Reling zu lehnen und Lichtquellen ausgeschaltet zu lassen. Nach mehreren Ermahnungen verstehen dann auch unsere asiatischen Sitznachbarn, dass Handydisplays Licht erzeugen.

Als wir schließlich in vollkommener Dunkelheit übers Wasser gleiten, beginnt unser Guide mit einer speziellen Taschenlampe pulsierende Lichtsignale abzugeben. Er hält abwechselnd die Hand vor die Birne und gibt sie frei, bis das orange Leuchten in den umliegenden Wäldern tausendfach erwidert wird. Unmengen von blau und grün glimmenden Glühwürmchen sitzen in den Bäumen und beginnen zögernd auf uns zu zu schweben.

Die folgende Viertelstunde ist an Schönheit kaum zu überbieten. Mit jedem Uferabschnitt, der in unser Blickfeld gerät, scheint die Anzahl der Glühwürmchen größer zu werden. Den Höhepunkt erleben wir wenig später an einem großen Baum, den unser Kapitän als „Christmas Tree“ bezeichnet. Dessen Äste und Zweige sind fast vollständig von kleinen Lichtpunkten bedeckt und verbreiten so tatsächlich ein wenig weihnachtliche Stimmung. Leider glimmen die kleinen Insekten mehr, als dass sie leuchten. Daher scheitern all unsere Versuche, das unglaubliche Naturschauspiel auf Fotos oder Videos festzuhalten. Das Display der Kamera decken wir bei diesen Versuchen natürlich ab.

Während der Heimfahrt fallen uns fast die Augen zu, und so packen wir im Hostel nur noch schnell unsere kleineren Rucksäcke für den morgigen Ausflug nach Brunei, bevor wir gegen 23 Uhr in unserer Kapsel ins Bett fallen.

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