Malaysia – Tag 15

To live and die in Bandar Seri Begawan

Roadtrip durch Malaysia | 2018 | Tag 15
Kampong Ayer bei Bandar Seri Begawan in Brunei

Um 5:45 Uhr stehen wir auf, cremen uns ein und gehen nach draußen vor den Eingang, um auf unser Flughafenshuttle zu warten. Leider kommt das Taxi, das wir gestern beim Hostelpersonal bestellt haben, jedoch nicht. Einige Gehminuten entfernt finden wir eine Ansammlung von Taxen und einen schläfrigen Fahrer, der bereit ist, uns zu einem humanen Preis an den International Airport zu fahren.

Das Frühstück am Flughafen fällt so überteuert wie dürftig aus: Für 36 Ringgit erstehen wir drei labbrige Toasts mit Thunfisch und zwei Tassen Kaffee. Check-In, Wartezeit und Boarding vergehen schnell und so heben wir um 8:30 Uhr ab. Die Maschine von Royal Brunei verbringt etwa 5 Minuten auf normaler Flughöhe, denn unmittelbar auf den Start folgt die Landung. In Summe sind wir knappe 40 Minuten in der Luft. Tipp: Da man auf dem Landweg von Kota Kinabalu nach Bandar Seri Begawan mehrmals von Malaysia nach Brunei und umgekehrt einreisen muss sowie längere Überfahrten mit einer Fähre nötig sind, würde ich dir zum Flug raten.

Bei der Abfertigung läuft alles glatt, und so stehen wir kurz darauf vor dem Flughafengebäude, wo uns eine akkurat gestutzte Hecke und ein Parkplatz mit hoher Porschedichte begrüßt. An einem ATM heben wir 150 Brunei-Dollar ab, die etwa 95 Euro entsprechen, und warten auf den blauen Bus #34 oder den blauen Bus #36. Beide Linien führen laut einer desinteressierten Dame am Infoschalter ins Stadtzentrum.

Da in den folgenden 30 Minuten kein einziger blauer Bus die ausgeschilderte Haltestelle ansteuert, fragen wir beim grünen Bus #23 nach und werden gewahr, dass auch dieser ins Stadtzentrum fährt. Das Ticket kostet uns einen Dollar pro Person – der Preis für jedes Busticket in Brunei.

Straße ins Zentrum von Bandar Seri Begawan

Unser erster Eindruck von dem Sultanat mit nur 430.000 Bewohnern, das aufgrund seiner Ölvorkommen zu einem der reichsten Länder der Welt wurde, ist, dass es für südostasiatische Verhältnisse hier unheimlich sauber zugeht. Es findet sich kein Abfall auf den breiten Bürgersteigen, alle Rasenflächen sind perfekt getrimmt und das Verkehrsbild ist von Fahrzeugen der Marken Lexus, Mercedes und Volkswagen geprägt.

Wir verlassen den Bus an der Haltestelle des Radisson Hotels und machen uns von dort aus auf ins Stadtzentrum. Außer uns ist kaum jemand zu Fuß unterwegs, sehr seltsam. An der zentral gelegenen Straße Jalan McArthur angekommen, finden wir nur einige Cafés, Fastfood-Restaurants und ein Tourist Information Center vor. Das quirrlige Treiben einer malaysischen Innenstadt sucht man in der sterilen Umgebung vergeblich.

Kurz darauf spricht uns ein kleiner Mann mit schlechten Zähnen an und fragt, ob wir nicht Interesse an einer Bootstour nach Kampong Ayer hätten. Weil wir den Besuch der historischen, schwimmenden Stadt fest eingeplant haben, bejahen wir seine Frage. Nach kurzem Gefeilsche einigen wir uns auf 40 Dollar für eine zweistündige Fahrt durch die engen Wasserstraßen und einen anschließenden Ausflug in den brunesischen Dschungel.

Am Ufer steigen wir zusammen mit dem kleinen Mann in ein Holzboot mit Außenbordmotor und setzen nach Kampong Ayer über. In den Gebäuden, die allesamt von Stelzen aus Holz oder Beton getragen werden leben heute schätzungsweise 13.000 Menschen. Sie bilden den ältesten Teil der brunesischen Hauptstadt und wurden in den letzten Jahrhunderten immer wieder an- und umgebaut. Mittlerweile gibt es dort sogar eine schwimmende Moschee und eine Tankstelle. Erste Aufzeichnungen über die Siedlungen gehen übrigens bis ins 8. Jahrhundert zurück.

Wir werden an einem ranzig aussehenden Steg abgesetzt und haben eine Viertelstunde zur freien Verfügung, während der unser Guide ein Wassertaxi mitsamt Steuermann für uns organisiert. Das Venedig des Ostens, wie der historische Stadtteil auch genannt wird, empfängt uns mit wackligen Holzwegen und einem penetranten Fischgeruch. Eine alte Frau nimmt direkt neben unserem Anlegeplatz den Fang des Tages aus. Nachdem wir einige baufällig wirkende Hütten hinter uns lassen, erreichen wir einen längeren Steg, der uns weiter in die schwimmende Stadt hineinführt.

Müllberge in den Flüssen von Kampong Ayer

Aus wackligen Holzwegen werden schnell baufällige und damit gefährliche Holzwege. Die einzelnen Planken sind teilweise so dünn oder in so breiten Abständen in die tragenden Balken genagelt, dass wir uns nur sehr vorsichtig vorwagen. Außerdem stoßen wir auf Berge von Müll, die den Unrat auf den Perhentians weit in den Schatten stellen. Als ich das Thema später anspreche, erklärt uns unser Führer, dass die Strömung den Großteil des Mülls aus Malaysia hierher transportiert. Ob dem wirklich so ist, können wir nicht beurteilen. Jedenfalls lassen die Plastikmassen und der damit einhergehende Gestank kaum Gedanken an die antiken Wurzeln und das Kulturgut zu, auf dem wir uns befinden.

Nachdem wir uns langsam wieder zurückgetastet haben, werden wir zur Cultural & Tourism Gallerygeleitet. Hier verbringen wir etwa 20 Minuten um einen Wolkenbruch abzuwarten. Es wird über die Stadt, den Sultan, das Land und dessen historische Wurzeln berichtet, allerdings sehr nüchtern und nicht wirklich schön aufbereitet.

Wieder unter freiem Himmel werden wir von der Sonne begrüßt und nutzen das gute Wetter, um den Ausflug in den Dschungel vorzuziehen. Obwohl es bereits nach kurzer Zeit wieder anfängt heftig zu regnen, lohnt sich der Abstecher. Etwa 20 Minuten von den Ufern der Hauptstadt entfernt beobachten wir einige der seltsamen Nasenaffen und ein Rudel kleinerer Gibbons. Nebenbei überqueren wir übrigens kurzzeitig die Grenze nach Malaysia. Ob das so legal ist? Man weiß es nicht.
Verregneter Flussarm im brunesischen Dschungel

Auf der Rückfahrt haben wir freien Blick auf die Kuppeln des königlichen Palastes und einer Moschee, die beide mit Echtgold beschichtet sind und deren Wert laut dem kleinen Mann weit im zweistelligen Millionenbereich liegt, wolle man ihn mit US-Dollar aufwiegen. Den Kommentar, dass das Geld in neuen Holzstegen für Kampong Ayer deutlich besser angelegt gewesen wäre, verkneife ich mir. Zurück in der Wasserstadt drehen wir einige Runden durch die Kanäle und werden auf allerlei historische Gebäude hingewiesen. Den krönenden Abschluss stellt das Haus unseres Reiseführers dar, an dessen Wand ein großes Manchester United Wappen prangt. Seine schwarzen Zähne werden beim Lächeln entblößt, als wir ihm die Coolness seiner Behausung bestätigen.

Unser Mittagessen wird für mich zu einem kleinen Highlight, denn wir nehmen es in einem Schnellrestaurant ein, dessen Innenbereich so sehr an eine Cluckin‘ Bell Filiale aus GTA IV erinnert, dass es schon gruselig ist. Nach je einem Chickenburger mit Reis und Spiegelei machen wir uns auf zu einem langen Spaziergang durch die Stadt.

Das erste Ziel ist die Omar Ali Saifuddien Moschee, die nur etwa fünf Gehminuten vom Cluckin‘ Bell entfernt liegt. Wir ziehen brav unsere Schuhe vor den Eingangstreppen aus, verhüllen unsere Körper mit schwarzen Gewändern und werfen einen kurzen Blick in das Gotteshaus. Dabei stehen wir permanent unter der Beobachtung eines streng wirkenden Aufsehers. Wir sind neben einem betenden Gläubigen die einzigen Menschen in dem weitläufigen Gebäude. Wieder am Eingang angekommen, fordert er meine Freundin mit einer unwirschen Geste auf, ein Foto vom Innenraum zu machen. Sie macht das Foto, wir bedanken uns und machen uns auf den Weg nach draußen. Seltsamer Kerl, seltsame Erfahrung.

Bei gefühlten 60 Grad Außentemperatur spazieren wir durch die gepflegten Gärten der Moschee und die angrenzenden Straßen Richtung Tasek Lama Recreational Park. Der knapp zwei Kilometer vom Zentrum entfernt liegende Stadtpark beheimatet neben Spielplätzen und Wanderwegen auch einen kleinen Wasserfall, den wir uns anschauen wollen. Es sind überraschend viele Jogger unterwegs, denen das extreme Klima scheinbar nichts ausmacht. Wir hingegen kommen bei jeder Treppe aus der Puste und schleppen uns von Parkbank zu Parkbank. Auch am Wasserfall befindet sich ein einladend aussehendes Exemplar und so genießen wir eine Weile die Aussicht, bevor wir uns wieder Richtung Innenstadt aufmachen.

Dort angekommen gönnen wir uns zwei Eiskaffees und besuchen anschließend das Royal Regalia Building. Die darin befindliche Ausstellung präsentiert historische Artefakte des Landes und gibt einen Einblick in das pompöse Leben des Sultan Haji Hassanal Bolkiah Mu’izzaddin Waddaulah. Mit einem Vermögen von über 20 Milliarden US-Dollar kann man sich freilich den einen oder anderen Bugatti leisten. Besonders unterhaltsam finden wir diese Zurschaustellung von Macht und Reichtum jedoch nicht, daher machen wir uns gegen 16 Uhr abermals auf in die Suburbs von Bandar Seri Begawan.

Abendliche Kreuzung in den Suburbs von Bandar Seri Begawan

Mitten im Dschungel liegt der Mabohai Shopping Complex, der neben einer Spielhalle diverse andere Läden und Supermärkte beheimatet. Rund dreieinhalb Stunden dauern Hinweg, Aufenthalt und der Rückweg während der Abenddämmerung. Zurück im Zentrum essen wir im Kaizen Sushi Restaurant zu Abend und genießen die Aussicht über die Promenade. Die freundliche Kellnerin ruft uns anschließend ein Taxi und so befinden wir uns rund zwölf Stunden nach der Ankunft wieder am Brunei International Airport.

Bis kurz nach Mitternacht verbringen wir unsere Zeit mit Dösen und Dehydrieren, denn im Wartebereich der Gates befinden sich nur geschlossene Läden und keine Getränkeautomaten. Als wir gegen 1 Uhr in Kota Kinabalu landen, führt der erste Gang an den Kühlschrank eines Kiosks und der zweite zur Reihe der wartenden Taxen. Zurück im Space Cap Hostel folgt eine eilige Dusche, bevor endlich ein sehr sehr langer Tag zu Ende geht.

Rückblickend kann ich dir leider keine Empfehlung für Brunei aussprechen. Obwohl im Internet haufenweise negative Erfahrungsberichte zu finden sind, haben wir uns trotzdem bewusst für die Reise in das Sultanat entschieden. So lahm kann der Besuch eines so kleinen, so exotischen Landes doch eigentlich gar nicht sein, dachten wir. Klein ist Brunei tatsächlich, aber statt exotisch leider so langweilig, wie wir es uns nicht hätten vorstellen können. Daran ändern auch goldene Kuppeln und ein paar Affen nichts.

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