Hong Kong Stopover – Tagebuch

Im Folgenden findest du eine detaillierte Schilderung meiner Erlebnisse in Hong Kong. Viel Spaß beim Lesen! Falls du etwas Bestimmtes suchst, kannst du die einzelnen Kapitel auch über die Schnellauswahl ansteuern:

Tag 1 – Die feuchteste Stadt der Welt
Tag 2 – Zwischen Dschungel und Metropole
Tag 3 – Zu Besuch bei Buddha
Tag 4 – Warum fallen wir, Bruce?
Tag 5 – Deutschland vs. Ghana

Tag 1 – Die feuchteste Stadt der Welt

Am 127. Tag meiner Reise lande ich nach kurzem Zwischenstop in Singapur in Hong Kong. Morgens gegen halb 6 Uhr Ortszeit verlasse ich den kleinen Scoot-Flieger und warte im Ankunftsbereich des Flughafens auf meinen Freund Mason. Wir haben uns etwa zwei Monate lang – zusammen mit zwei Italienern – ein Vierbettzimmer in London geteilt und sind seitdem gute, sehr weit voneinander getrennt lebende Freunde.

Um 7 Uhr treffen wir uns, begrüßen uns herzlich und treten gut gelaunt den Weg Richtung Innenstadt an. Wir verlassen den Zug an der Kwai Fong Station und gehen noch ein paar Minuten bis zur Wohnung von Mason und seiner Familie. In den Gebäuden und im Zug herrschen eisige Temperaturen, draußen begrüßen uns 28 Grad und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Als Konsequenz aus diesen Unterschieden beschlägt mir jedesmal die Brille, wenn eine Tür aufgeht – verrückt. Meine ersten Stunden in Hong Kong verbringe ich in Masons Wohnung. Wir tauschen uns aus und unterhalten uns über Gott und die Welt, schließlich haben wir uns über ein halbes Jahr nicht mehr gesehen.

Gegen Mittag streifen wir ein wenig durch die Straßen und ich bekomme einen ersten Eindruck von Hong Kong. Die Stadt kommt mir unheimlich schwitzig und dreckig vor – aber auf eine seltsam angenehme Art. Ständig tropft mir etwas auf die Schulter, alles ist feucht und verschiedenste Essensgerüche vermischen sich mit dem Gestank von Müll in der Sonne. In diesem Klima dauert es vermutlich nur wenige Minuten bis der Verwesungsprozess einsetzt. Ich tausche meine restlichen NZD in HKD um und kaufe uns von meinen ersten Dollars zwei leckere Fruchtdrinks an einem für Hong Kong typischen Streetfood-Stand.

Anschließend besichtigen wir den Wong Tai Sin Tempel, der einen kleinen Ruhepol innerhalb der Metropole darstellt. Umringt von riesigen Wolkenkratzern treffen wir hier auf betende Buddhisten, interessierte Touristen, bildschöne Koi-Teiche und leise plätschernde Wasserfälle. Wir verbringen ca. 30 Minuten auf dem Gelände, bevor wir Hunger bekommen und uns auf den Weg nach Mong Kok machen.

Eingangsbereich des Wong Tai Sin Tempels

Mong Kok ist einer der am dichtesten besiedelten Flecken auf der Halbinsel Kowloon und vor allem für seine Märkte, Streetfood-Stände und riesige Malls bekannt. Wir betreten das gigantische Shopping Center Langham Place, essen in einem kleinen japanischen Restaurant zu Mittag, bummeln über die vielen Etagen und fahren mit dem Aufzug bis ins zwölfte Stockwerk hinauf.

Von oben hat man einen schönen Ausblick auf die umliegenden Hochhäuser und Straßenschluchten, aber auch die modern gestaltete Mall sieht aus der Vogelperspektive recht beeindruckend aus.

Moderne Architektur in einer Mall in Hong Kong

Nachdem wir den Konsumtempel verlassen und unsere Brillen saubergewischt haben, machen wir uns auf zum Ladies Market in der Nähe. Auf der langen Open-Air Shopping-Straße werden ebenfalls Waren jeder Art angeboten. Es geht jedoch deutlich lauter zu als in der Mall und statt im Schaufenster bekommt man die (erstaunlich günstigen) Klamotten von Ralph Lauren, Gucci und Lacoste hier zwischen Hauswand und Abfluss präsentiert. Außerdem gibt es Souvenirs in allen Formen und Farben, Uhren, Spielzeug und noch vieles vieles mehr.

Am späten Nachmittag kehren wir zu Masons Wohnung zurück, wo er mich seiner Mutter und ihrer Haushälterin vorstellt. Wir essen gemeinsam in einem kleinen Restaurant um die Ecke zu Abend. Den neugierigen Blicken nach zu urteilen ist man offensichtlich nicht an westliche Gäste gewöhnt. Ich probiere ganz zur Freude von Masons Mutter eine Muschel-Sellerie-Suppe und Hühnerlunge, Oktopus und Algen mit Reis. Bis auf die Lunge kann ichs definitiv empfehlen.

Anschließend unterhalten wir uns noch etwas, bis ich gegen kurz vor 22 Uhr sehr müde ins Bett falle und dank der angenehm eingestellten Klimaanlage sofort einschlafe.

Tag 2 – Zwischen Dschungel und Metropole

Ich stehe um 8 Uhr auf, gehe duschen und mit Mason in einer Bäckerei an der Kwai Fong Station frühstücken. Er empfiehlt mir einen bei Locals sehr beliebten Custard-Tart, einen Polo-Bun und eine Schoko-Sojamilch. Anschließend fahren wir mit der U-Bahn ins Zentrum. Tipp: Essen und Trinken ist in der U-Bahn in Hong Kong streng verboten – 2014 hätte es 2.000 HKD Strafe gekostet.

Die Innenstadt besteht aus unzähligen Hochhäusern, wie auch die anderen Teile von Hong Kong. Die Banken und Firmengebäude sind jedoch deutlich moderner und tragen so zu einem fast futuristischen Gesamtbild bei. Ich erkenne das IFC, auf welchem einige Szenen von Christopher Nolans The Dark Knight gedreht wurden. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichen wir die Peak Tram, wo wir uns für 80 HKD ein Return-Ticket kaufen und in einen kleinen Waggon einsteigen. In sehr steilem Winkel bringt uns die kleine Bahn auf den berühmten Victoria Peak – einen bewaldeten Hügel direkt vor der Stadt. Wir kaufen uns zwei Eiskaffee und wandern den 2,7 Kilometer langen Morning Trail entlang, der uns einmal um die Spitze des Hügels herumführt und fantastische Ausblicke auf die Stadt und deren Umgebung ermöglicht.

Rundweg auf dem Victoria Peak

Anschließend legen wir noch einen kurzen Stop auf der Aussichtsplattform des Skyterrace-Gebäudes ein, bevor uns die kleine Tram wieder zurück in die Hochhausschluchten befördert. Wir latschen zum IFC, wo uns allerdings mitgeteilt wird, dass sich die Aussichtsplattform für Touristen nur im 55. von 100 Stockwerken befindet. Außerdem muss man seinen Reisepass vorzeigen, und ich habe meinen nicht dabei. Daher spazieren wir weiter und erreichen am Ufer die Anlegestelle der Star Ferry. Die Star Ferries sind etwas in die Jahre gekommene, grün-weiße Fährschiffe, die zwischen Hong Kong Island und dem Festland pendeln. Ähnlich wie der Victoria Peak stellen die alten Fähren ein Wahrzeichen der Stadt dar. Vom Wasser aus hat man eine tolle Aussicht auf die Skylines beider Ufer und mit einem Ticketpreis von 2,50 HKD ist die Überfahrt sehr günstig.

Wieder auf dem Festland angekommen spazieren wir durch Tsim Sha Tsui und gehen gegen 14 Uhr in einem koreanischen Restaurant namens Pepper-Lunch essen. Dort bekommt man das halbgare Gericht in einer heißen Pfanne überreicht, die die Zutaten am Esstisch fertig zubereitet. Tipp: Unbedingt ausprobieren.

Im Anschluss stolpern wir über die Weltpremiere von Transformers 4: Age of Extinction, die heute in Hong Kong stattfindet. Es hat sich bereits ein kleiner Menschenauflauf gebildet, aber einige Plätze direkt am roten Teppich sind noch frei. Wir warten ca. eine Stunde, sehen diverse (uns unbekannte) Filmstars an uns vorbeischlendern und werden schließlich mit einem gemeinsamen Foto mit Mark Wahlberg belohnt – läuft bei uns.

Transformers 4 Premiere an der Promenade von Tsim Sha Tsui

Wir schauen uns noch das alte Headquarter der Hong Kong Police in 1881 Heritage direkt um die Ecke an und lassen den Abend schließlich auf dem Temple Street Night Market ausklingen. Die Gegend erinnert sehr an den Ladies Market, ist allerdings etwas dreckiger und es wird mehr „lebendige Ware“ – sowohl zum Essen, als auch zum Beschlafen – angeboten. In einer unterirdischen Arcade-Spielehalle führt Mason mich anschließend übel bei diversen Shootern vor und bestätigt das Asiaten und Videospiele betreffende Klischee.

Auf dem Rückweg zur Kwai Fong Station gönnen wir uns zwei Beef-Rice-Plates mit Mango Slushies zu Abend, bevor wir gegen Mitternacht in Masons Wohnung ankommen und zu Bett gehen.

Tag 3 – Zu Besuch bei Buddha

Morgens gegen kurz nach 8 Uhr stehen wir auf und frühstücken ein paar warme Reisnudelrollen. Gut gelaunt fahren wir anschließend von der Kwai Fong Station bis nach Tung Chung, wo wir uns für jeweils 240 HKD ein Return-Ticket für die Ngong Ping 360 kaufen. Dabei handelt es sich um eine 5,7 Kilometer lange Seilbahn, die die Gäste in 25 Minuten und mit einer Geschwindigkeit von sechs Metern pro Sekunde auf das im Hochland von Lantau Island liegende Ngong Ping Plateau befördert. Tipp: Absolut empfehlenswert – Autofahrt oder Fußmarsch nach Ngong Ping dauern deutlich länger.

Der Ausblick über die Stadt, die Buchten, den Flughafen und den angrenzenden Dschungel ist atemberaubend und stellt sogar den grandiosen Victoria Peak in den Schatten. Nach etwa der Hälfte der Fahrt sind die Hochhäuser der Metropole nicht mehr zu sehen und die Gondel schwingt langsam der Wolkendecke entgegen. Es folgt eine halbe Minute Blindflug. Danach bricht die Wolkendecke wieder auf und gibt den Blick auf den riesigen Tian Tan Buddha in der Ferne frei. Er thront über einer Ansammlung von Häusern und Tempeln, die sich jedoch erst kurz vorm Verlassen der Seilbahn zeigen.

Wir steigen an der Station aus und schlendern durch das sehr touristische Bergdorf. An dessen Ende betreten wir einen Tempel, der mich mit seinen quietschbunten Farben und qualmenden Räucherstäbchen sehr an den Wong Tai Sin Tempel mitten in Hong Kong erinnert. Schließlich liegt der Aufstieg zu der auch „Big Buddha“ genannten, 34 Meter hohen Statue vor uns. Nach 268 Stufen erreichen wir keuchend und schwitzend den Sockel, versuchen die neblige Aussicht zu genießen und machen ein paar Fotos.

Nach erfolgreichem Abstieg fährt uns die Seilbahn wieder hinunter in die Großstadt. Wir genießen den traumhaften Ausblick ein zweites Mal und gehen, unten angekommen, in einer nahegelegenen Shopping Mall zu Mittag essen. Im Anschluss fahren wir mit der U-Bahn nach Kowloon und spazieren zum ICC. Das International Commerce Centre ist mit einer Höhe von 484 Metern der höchste Wolkenkratzer in Hong Kong. Für 160 HKD pro Person werden wir mit einem seeehr schnellen Aufzug bis auf die 100. Etage katapultiert. Oben angekommen zieht ungefähr auf Augenhöhe eine Gewitterfront über die Stadt und zum dritten Mal während meinem Aufenthalt in Hong Kong bekommen wir einen unglaublichen Ausblick geboten.

Aussicht über den Hafen von Hong Kong bei Gewitter

Abends lädt Mason mich zum Essen ins Intercontinental Hotel ein. Nach einem leckeren Buffet verbringen wir den Abend an der Promenade von Tsim Sha Tsui, wo es eine Bruce Lee Statue und die nächtliche Lasershow „Symphony of Lights“ der Hochhäuser auf der gegenüberliegenden Uferseite zu bestaunen gibt. Tipp: Die Lasershow wird täglich um 20 Uhr aufgeführt, dauert 14 Minuten und wird im Guinessbuch der Rekorde als „größte dauerhafte Licht- und Soundshow der Welt“ gelistet – sehr sehenswert und kostenlos. Spätestens an diesem Abend verliebe ich mich in diese einzigartige Stadt.

Tag 4 – Warum fallen wir, Bruce?

Es gewittert in Hong Kong – um 8 Uhr werde ich unsanft von einem lauten Donner geweckt. Den Vormittag verbringen Mason und ich mit einem gemächlichen Frühstück, Gesprächen über die Zukunft und dem Anschauen diverser Youtube-Videos. Gegen 12 Uhr machen wir uns schließlich auf und fahren mit der U-Bahn nochmals nach Mong Kok, um ein zweites Mal über den Ladies Market zu schlendern.

Nach einem längeren Spaziergang nehmen wir erneut die U-Bahn und fahren bis zur Haltestelle Causeway Bay im Stadteil Central. Von dort aus sind es nur wenige Minuten bis zum Hong Kong Times Square, wo wir zufällig auf die Batman 75th Anniversary Exhibiton stoßen. Für einen Filmfreund und großen Fan der Trilogie von Christopher Nolan natürlich ein absoluter Glückstreffer. Das Herzstück der Ausstellung bilden drei Fahrzeugrepliken in Originalgröße: Tumbler und Batpod aus Nolans Dark-Knight-Trilogie sowie das Batmobil aus dem Kinofilm von 1989. Aber auch eine Posterausstellung, nachgestellte Filmszenen und eine lebensgroße, über den Times Square wachende Batman-Figur lassen das Herz jedes Nerds höher schlagen.

Batman Exhibition am Times Square in Hong Kong

Nachdem wir uns alles angeschaut und ein paar Fotos gemacht haben, essen wir in einem japanischen Restaurant zu Mittag. Den restlichen Nachmittag verbringen wir in Central und latschen hin und her bis uns die Füße weh tun. Fußball und die aktuelle WM 2014 sind hier allgegenwärtig – überlebensgroße Neymar-Statuen, Fußballgirlanden in Restaurants oder Live-Übertragungen in Shopping Malls zeigen ein großes Interesse an der Weltmeisterschaft auf. Wie schon in den vorherigen Tagen fallen mir unheimlich viele Asiaten in Trikots der deutschen Nationalmannschaft auf. Spontan entscheide ich mich dazu, mir ebenfalls eins zu kaufen.

Gegen 21:30 Uhr essen wir in einem kleinen, sehr untouristischen Restaurant in Kwai Fong eine große Portion Wan Tan zu Abend und kehren schließlich zurück zur Wohnung. Dort packe ich meine Sachen zusammen und stelle den Wecker für 3 Uhr, um mit Mason das Spiel Deutschland vs. Ghana zu schauen.

Tag 5 – Deutschland vs. Ghana

Nach zwei erholsamen Stunden Schlaf stehe ich auf und versuche gemeinsam mit Mason einen Livestream für das Spiel zu finden. Pünktlich zur zweiten Halbzeit können wir die Zitterpartie bis zum Abpfiff beim Stand von 2:2 verfolgen. Anschließend frühstücken wir ein letztes Mal zusammen und machen uns dann gegen kurz nach 7 Uhr per Bus auf zum Flughafen.

Dort angekommen danke ich Mason für die unvergesslichen Tage in seiner Heimat und lade ihn ein, mich wann immer es ihm passt in Deutschland besuchen zu kommen. Wir verabschieden uns voneinander, da wir uns nun wahrscheinlich für eine lange Zeit nicht sehen werden.

Um kurz nach 10 Uhr hebt der Aeroflot-Flieger ab und ich verlasse Hong Kong, um nach insgesamt 131 Tagen im Ausland wieder nach Deutschland zurückzukehren.

Danke, dass du bis hierhin gelesen hast – ich hoffe es hat dir gefallen.

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