Roadtrip Malaysia – Tagebuch

Im Folgenden findest du eine detaillierte Schilderung unserer Erlebnisse in Malaysia, Brunei und Singapur. Viel Spaß beim Lesen! Falls du etwas Bestimmtes suchst, kannst du die einzelnen Kapitel auch über die Schnellauswahl ansteuern:

Tag 1 – Hinflug
Tag 2 – Beginn einer epischen Saga FLX
Tag 3 – Der älteste Dschungel der Welt
Tag 4 – Die hohen Brücken von Ecuador
Tag 5 – Club der toten Jeeps
Tag 6 – Hidden Places
Tag 7 – Fleischfresser, Eulen und Kameras
Tag 8 – Illegal im Nationalpark
Tag 9 – Drive-Thru VIPs
Tag 10 – Cast Away
Tag 11 – Tent Life
Tag 12 – Lebensfreude wird hier kleingeschrieben
Tag 13 – Land below the wind
Tag 14 – Nächtlicher Zauber
Tag 15 – To live and die in Bandar Seri Begawan
Tag 16 – Raupensalat
Tag 17 – Touristisches vs. Untouristisches
Tag 18 – Lion City
Tag 19 – Leben im Luxus
Tag 20 – From Riches to Rags
Tag 21 – Blutige Tinte
Tag 22 – Things to do in KL
Tag 23 – Heimat

Tag 1 – Hinflug

Abflug mit Oman Air früh morgens in Frankfurt. Abends landen wir im Oman für einen kurzen Zwischenstop, bevor es Richtung Malaysia weitergeht.

Tag 2 – Beginn einer epischen Saga FLX

Nach einer wenig erholsamen Economy-Nacht über den Wolken landen wir pünktlich um 8 Uhr in Kuala Lumpur. Genauer gesagt, etwa 50 Kilometer davon entfernt, denn der Flughafen liegt ein gutes Stück außerhalb der malaysischen Hauptstadt.

Im Anschluss an die unproblematische Einreise zaubert die Hocktoilette, die ich im WC des Flughafens antreffe, ein Lächeln auf mein müdes Gesicht – ich hab dich vermisst, Asien. Am Geldautomat wird die gute Laune jedoch strapaziert. Es braucht vier Versuche, bis meine Kreditkarte endlich eingelesen wird und die gewünschten 1.000 Ringgit aus der Maschine rattern. Meine Freundin hat mit ihrer Karte mehr Glück und erhält ihr Geld sofort.

Von einem freundlichen Verkäufer kaufe ich uns anschließend eine SIM-Karte mit 5GB-Datenvolumen für alle Fälle. Eine gute Viertelstunde suchen wir nach dem Hertz-Schalter auf „Rental Cars Deck C, Floor G“, bis wir die kleine Kabine finden. Endlich angekommen wird uns nach dem notwendigen Papierkram der Schlüssel zu einem schneeweißen Proton Saga FLX überreicht. Proton ist ein malaysischer Autohersteller und der Saga FLX in etwa das, was dem Deutschen der Golf ist: Das Auto für jedermann.

Die Touch’n Go Karten, die für das Mautsystem auf dem Highway benötigt werden und nach dem Prepaid-Prinzip aufgeladen werden können, sind dem Personal leider ausgegangen. Auch AVIS kann nicht aushelfen, daher erklärt uns der junge Verkäufer den Weg zu zwei Tankstellen, die beide noch vor der ersten Mautstation liegen. Dort können wir die gesuchten Karten kaufen. So weit so gut.

Nach einem Red Bull gegen die Müdigkeit setze ich mich ans Steuer und wir starten in unsere erste Etappe Richtung Malakka. Ich habe mich bewusst für ein Automatikfahrzeug entschieden, denn so kann ich mich ganz auf das Fahren im Linksverkehr konzentrieren und haue nicht bei jedem zweiten Schaltvorgang in die Seitentür, weil ich dort den Knüppel vermute.

Die erste Tankstelle bemerke ich erst nach der Frage meiner Freundin, ob wir hier nicht rausgemusst hätten, und somit etwa 100 Meter zu spät. Bei der Zweiten erklärt uns der Tankwart, dass sie keine Touch’n Go Karten anbieten und wir es an der Mautstation versuchen sollen.

Etwa fünf Minuten später stehen wir vor einer Schranke an besagter Mautstation und blockieren der immer länger werdenden Schlange hinter uns die Durchfahrt. Leider hat der Tankwart vergessen zu erwähnen, dass es sich um eine weitestgehend unbemannte Mautstation handelt. Nach einer Kombination aus Winken, langsamem Rückwärtsfahren und Entschuldigen gelingt es uns, die Bucht vor der Schranke zu verlassen und den Proton vor dem unbesetzten Mauthäuschen zu parken. Bemerkenswert ist, dass kein einziger Verkehrsteilnehmer hupt oder uns beschimpft – beim Vorbeifahren blicken wir ausschließlich in neugierige oder amüsiert lachende Gesichter.

Auf der anderen Seite des Highways entdecken wir einen Sicherheitsbeauftragten in neongelber Weste, den ich nach einer waghalsigen Straßenüberquerung anspreche. Er verweist mit Händen und Füßen auf die Fahrbahn für LKW, wo wir uns nach einem kurzen Wendemanöver in die Schlange der wartenden Laster einreihen. Tipp: Die Mauthäuschen an der LKW-Spur sind immer besetzt – stelle dich dort an, wenn du eine Touch’n Go Karte benötigst oder die vorhandene kein ausreichendes Guthaben aufweist.

Eine typische malaysische Highway-Passage quer durch den Dschungel

Nach diesem abenteuerlichen Start verläuft der Rest der Fahrt sehr angenehm. Wir passieren große Palmenplantagen und erhaschen erste Blicke auf satt grüne Dschungelwälder. Der Highway ist in tadellosem Zustand und das Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer lange nicht so aggressiv wie befürchtet. Der Proton lässt sich außerdem sehr angenehm fahren, auch wenn der kleine 1,3 Liter Motor schon bei 90 km/h um sein Leben schreit.

Gegen 14 Uhr erreichen wir Malakka und parken unseren Rennwagen etwas außerhalb vor der Klebang Besar Townlodge. Dort haben wir uns noch in Deutschland ein Zimmer für die erste Nacht gebucht. Wir checken für 77 Ringgit ein und gönnen uns erstmal ein kaltes Wasser. Ich kontaktiere anschließend Shuqrie und Zulfadli, die ich im Dezember 2016 während meiner Vietnamreise in Saigon kennengelernt habe. Die Beiden wohnen in Malakka – da bietet sich ein Wiedersehen, verbunden mit einer gemeinsamen Unternehmung natürlich an. Heute findet der wöchentliche Nachtmarkt statt und so verabreden wir ein abendliches Treffen im Zentrum.

Gut eingecremt nehmen wir uns ein Taxi und finden etwa 20 Minuten und 40 Ringgit später heraus, dass mein gewünschtes Fahrziel „Melakka Central“ nicht wie angenommen als Stadtkern, sondern als außerhalb gelegene Shopping-Mall namens „Melakka Sentral“ verstanden wurde. Naja, wo wir schon einmal hier sind essen wir in einem kleinen Restaurant für 25 Ringgit zu Mittag. Anschließend schlendern wir durch die Vorortstraßen Richtung „Melakka Central“.

Dunkle Sturmfront über den Gebäuden von Malakka in Malaysia

Dort angekommen spazieren wir durch die touristische Jonker Street, die mich stark an den Old Town Bereich in Hanoi erinnert. Wir entdecken während eines langen Spaziergangs das Maritime Museum, das die Form eines überdimensionalen Holzschiffes hat, und erklimmen den Hügel der St. Pauls Church, wo wir einem asiatischen Jack Sparrow auf der Jagd nach Kleingeld begegnen. In der Dämmerung bestaunen wir die vielen knallbunten Rikschas, die sich gegenseitig mit laut plärrender Musik übertrumpfen. Wie Shuqrie uns später erklärt, stellen sie eines der Wahrzeichen von Malakka dar und sind in dieser Form nur hier anzutreffen.

Abends essen wir im Pak Putra Restoran, das auf Tripadvisor für sein einmaliges Tandoori Chicken gelobt wird. Wir sind übrigens der gleichen Meinung wie Tripadvisor: Besser haben wir noch nie Indisch gegessen.

Dann steht das große Wiedersehen an und wir verbringen den Rest des Abends mit unseren – jetzt gemeinsamen – Freunden auf dem Jonker Street Night Market. Shuqrie fährt uns gegen kurz nach Mitternacht wieder zurück zu unserem Hostel, wo wir todmüde ins Bett fallen und sofort einschlafen.

Tag 3 – Der älteste Dschungel der Welt

Wir schlafen bis 8:30 Uhr und fühlen uns dank Klimaanlage und ruhiger Lage auch tatsächlich ausgeschlafen. Nach dem Checkout steuern wir einen kleinen 7-Eleven Supermarkt um die Ecke an und versorgen uns mit Eiskaffee, Schokohörnchen und Kaugummis. Es folgt eine längere Fahrt heraus aus Malakka und seinem Einzugsgebiet.

Etwa zwei Stunden später sehen wir einen großen Steinbogen rechts von uns und halten spontan am Straßenrand. Der Si Thian Kong Kuala Pilah Tempel wurde 2016 erbaut und ist zwar hier und da noch nicht ganz fertiggestellt, aber trotzdem ein sehr imposantes Bauwerk. Freundlich werden wir von einigen Männern empfangen, die im Schatten des Tempels ihr Lager aus Plastikstühlchen aufgeschlagen haben. Ein Junge, der ein paar Worte Englisch spricht, führt uns herum und verweist stolz auf eine Urkunde. Sie attestiert dem Steinbogen auf Englisch, der größte seiner Art in ganz Malaysia zu sein.

Nach einigen Minuten verabschieden wir uns und treffen auf dem Rückweg zum Auto auf eine Spinne, die ebenfalls eine Urkunde verdient hätte: Mit geschätzten 25 Zentimetern Spannweite hängt sie mitten in einem der äußeren Tore des Steinbogens.

Riesige Seidenspinne vor einer Tempelanlage im Westen Malaysias

Gegen 13:30 Uhr halten wir in dem kleinen Ort Taman Triang vor dem Restoran Lee Keng Sang um etwas zu Mittag zu essen. Nachdem wir erst nur von einigen Katzen begrüßt werden, kommen wenig später auch eine ältere Frau und ein jüngerer Mann schüchtern auf uns zu. Da sie kein Englisch verstehen, deuten wir mit Gesten an, dass wir auf der Suche nach etwas zu Essen sind. Sofort wechselt die distanzierte Haltung der Beiden zu freundlicher Neugier und wir bekommen einen Tisch in dem leeren Restaurant angeboten.

Nach einer Unterhaltung, die maßgeblich aus Kopfnicken und verschiedenen Gesten besteht – und somit die Bezeichnung Unterhaltung kaum verdient – verabschiedet sich der Mann Richtung Küche. Eine Viertelstunde später bekommen wir einen Teller mit frittiertem Schweinefleisch und Gemüse, einen Teller Nudeln in dicker Sojasauce und eine Servierplatte mit einem großen Fisch darauf vorgesetzt. Unser Gastgeber verfügt offensichtlich über gute Menschenkenntnis, denn das Essen schmeckt uns bestens.

Das Festmahl und zwei Iced Teas kosten uns 60 Ringgit, umgerechnet etwas mehr als 12 Euro. Nach einer freundlichen Verabschiedung fahren wir weiter und durchqueren stundenlang eine Landschaft, die von Palmenplantagen und kleinen Dschungelwäldern durchsetzt ist. Hin und wieder passieren wir kleine Ortschaften, aber die meiste Zeit verbringen wir auf Überlandpassagen.

Malerische Straße durch Palmenplantagen vor dem Taman Negara Nationalpark

Gegen 15:30 Uhr kündigt sich schließlich der Taman Negara Nationalpark an, der den ältesten Regenwald der Welt beheimatet. Dieses Gebiet besteht seit etwa 130 Millionen Jahren und hat während der langen Zeit einer Vielzahl an Eiszeiten, Klimaschwankungen und anderen externen Einflüssen getrotzt.

Die Palmenplantagen werden seltener und dichte Wälder lösen die sanften Hügel ab. Gegen 17 Uhr erreichen wir schließlich unser heutiges Tagesziel: Die kleine Siedlung Kuala Tahan, die direkt an der Grenze zum Nationalpark liegt und eine Art Außenposten der Zivilisation darstellt. Bis auf die Straße, die uns hergeführt hat, gibt es hier in einem Radius von vielen Kilometern nichts anderes als den Dschungel.

Wir parken den Proton vor dem Rainbow Guesthouse und checken dort für 94 Ringgit ein. Im Anschluss erkunden wir das Dorf und buchen uns für 120 Ringgit ein Aktivitätenpaket bestehend aus zwei geführten Wanderungen durch den Urwald.

Das Rainbow Guesthouse am Rande des Taman Negara Nationalparks in Malaysia

Kuala Tahan wird nur durch den Fluss Sungai Tembeling von dem Areal des Nationalparks getrennt. Die meisten Boote, die am Ufer des Flusses vertäut sind, sind sehr klein und dienen als Wassertaxen. Ständig pendeln sie zwischen Nationalpark und dem Dschungeldorf. Es liegen aber auch eine Handvoll größerer Holzflöße vor Anker, die – mit Garküche und Plastikhockern ausgestattet – schwimmende Restaurants darstellen. Auf einem davon essen wir unter einer bunten Glühbirnengirlande zu Abend und genießen den Sonnenuntergang. Schön hier.

Um kurz vor 21 Uhr setzen wir schließlich mit Taschenlampen bewaffnet auf die andere Flussseite über. Von dort aus treten wir, gemeinsam mit einer vierköpfigen Gruppe und einem malaysischen Führer, unsere Nachtwanderung durch den Urwald an. Geckos, Schlangen, Skorpione und Spinnen kreuzen unsere Lichtstrahlen, aber so beängstigend wie die riesige Spinne vom Vormittag kommt uns keiner dieser Dschungelbewohner vor.

Etwa 90 Minuten später ist der Spuk vorbei und wir kehren zurück nach Kuala Tahan. Wieder im Hostel angekommen geht nach einer kurzen Dusche ein sehr ereignisreicher Tag in Malaysia zu Ende.

Tag 4 – Die hohen Brücken von Ecuador

Um 7:15 Uhr stehen wir auf, packen unsere Sachen zusammen und checken zügig bei einem kleinen Jungen aus. Wir frühstücken auf einem der schwimmenden Restaurants, entscheiden uns jedoch für ein anderes als gestern. Während meine Freundin sich für ein Omelette entscheidet, bestelle ich mir ein halbes Hühnchen mit Reis – warum auch nicht.

Schwimmende Restaurants an der Grenze des Taman Negara Nationalparks in Malaysia

Gegen 9 Uhr brechen wir schließlich, gemeinsam mit einem allein reisenden Amerikaner aus Atlanta, zur Wanderung durch den Nationalpark auf. Begleitet werden wir von dem gleichen Führer wie gestern. Er kennt sich gut mit der heimischen Flora aus und seine Informationen stellen eine wirkliche Bereicherung dar. So erklärt er uns verschiedene Pflanzen und wofür sie von den Urwaldvölkern früher – und teilweise heute noch – genutzt wurden. Wir probieren den süßen Nektar einer strahlend roten Ingwerblüte und entdecken riesige Blätter, die so groß wie mein Oberkörper sind.

Nach anfänglichem Smalltalk über Football – ich trage eine Kappe der Atlanta Falcons – entwickelt sich der Ami zu einem recht anstrengenden Gesprächspartner. Er kann alles, weiß alles und ist vor allem ein unheimlich krasser Typ. Mit der Aussage „When you come back, people don’t want to hear how the Eiffeltower looked – they want to hear how you bungee’d off a 300 meter bridge in Ecuador“ setzt er sich selbst ein Denkmal.

Zwei Stunden und einen anstrengenden Aufstieg in der Mittagshitze später erreichen wir den Bukit Terisek Viewpoint. Etwa 20 Minuten verbringen wir damit, den Ausblick über den Nationalpark zu genießen, Fotos zu schießen und uns im Schatten auszuruhen.

Um unseren amerikanischen Abenteurer, der mit langer Hose und ohne einen Tropfen Wasser zu der gut vierstündigen Wanderung aufgebrochen ist, wird es derweil immer ruhiger. Wir bieten ihm unser Wasser an, das er nach einer entschiedenen ersten Ablehnung – „No man, I’m good“ – schließlich annimmt. Ein Wort des Dankes hält er jedoch nicht für notwendig, ebensowenig wie eine Verabschiedung am Ende der Wanderung. Wer will es ihm verdenken, vermutlich ist er in Gedanken längst beim nächsten Bungeesprung von einer hohen Brücke in Ecuador.

Aussicht über den Taman Negara Nationalpark in Malaysia

In den folgenden zwei Stunden passieren wir einen weiteren Viewpoint, entdecken eine riesige Ameisenstraße und wandern ein gutes Stück durch den feuchten, stickigen Dschungel, bis unser Guide uns schließlich zurück an den Bootsanleger führt. Nach dem Übersetzen gönnen wir uns zwei eiskalte Red Bull und starten klatschnass geschwitzt Richtung Cameron Highlands.

Nachdem wir die Straße, die in den Nationalpark hinein- und auch wieder hinausführt, hinter uns gelassen haben, verändert sich die Landschaft merklich. Die Palmenplantagen verschwinden aus unseren Blickfeldern und wir passieren dünn besiedelte Gegenden. Hin und wieder sehen wir Ansammlungen von kleinen, auf Stelzen stehenden Holzhütten am Straßenrand, aber die meiste Zeit fahren wir durch nahezu unberührte Wälder. Die asphaltierte Straße wirkt seltsam unpassend in dieser Umgebung und windet sich wie eine graue Schlange vorbei an riesigen Bäumen und durch sanfte Täler. Hier und da wird sie von einem kleinen Fluss überspült oder durch herabgefallene Äste blockiert, jedoch nie in solchem Maße, dass unser Proton nicht damit fertig wird.

Irgendwo vor Kuala Lipis entdecken wir ein Affenrudel am Straßenrand und halten an, um die Tiere zu beobachten. Da der Verkehr hier im Dschungel nur aus gelegentlich vorbeikommenden Lastwagen besteht, dauert es mehrere Minuten bis ein anderer Verkehrsteilnehmer auftaucht und wir das Feld räumen müssen.

Wenig später entdecken wir eine große Tankstelle mit angeschlossenem Foodcourt, ebenfalls mitten im Urwald. Spontan halten wir an und entscheiden uns dazu, dort zu Mittag zu essen. Mit Händen und Füßen versuchen wir bei einer netten Frau etwas Essbares zu bestellen, was aber in ihrem Unverständnis und beiderseitigem Lachen endet. Ihre kleine Tochter, die ein wenig Englisch spricht, bringt schließlich Licht ins Dunkel. Zwei Portionen Reis mit Hühnchen, Gemüse und eisgekühltem Tee kosten uns nur 16 Ringgit, daher geben wir ein großzügiges Trinkgeld.

Nachdem wir Kuala Lipis und den dichten Dschungel hinter uns lassen, wird die Straße kurviger und die Landschaft zunehmend von Hügeln und kleineren Bergen durchsetzt – das Hochland kündigt sich an. Bald entdecken wir erste Teefelder und seltsam glänzende Gebilde in der Ferne, die sich als Gewächshäuser aus weißen Plaktikbahnen entpuppen.

Teeplantagen und Gewächshäuser in den Cameron Highlands in Malaysia

Dadurch, dass die Cameron Highlands etwa 1.500 Meter über dem Meeresspiegel liegen, herrschen hier angenehm kühle Temperaturen von etwa 20 bis 25 Grad. Neben den charakteristischen Gewächshäusern ist die Gegend rund um die Stadt Tanah Rata vor allem für Landhäuser im britischen Kolonialstil sowie großflächige Tee- und Erdbeerplantagen bekannt.

Eine lange Bergpassage später, die der Motor des Proton mit hohen Drehzahlen und wütendem Jaulen quittiert, parken wir in Tanah Rata direkt vor dem Eingang des Eight Mentigi Guesthouse. Nach dem Einchecken und einer notwendigen Dusche machen wir uns auf zu einem abendlichen Spaziergang durch das Städtchen. Die Temperatur von ungefähr 20 Grad kommt uns nach der Hitze der letzten Tage regelrecht unwirklich vor. Im Mayflower Restaurant essen wir noch eine teure Portion Thai Hühnchen mit Reis, bevor wir gegen 22:30 Uhr in unser Zimmer zurückkehren.

Tag 5 – Club der toten Jeeps

Um 7:45 Uhr klingelt uns der Wecker raus. Gut eingecremt frühstücken wir bei einem Inder um die Ecke, der uns lautstark – und durch seinen Akzent auch sehr lustig – auf sein Frühstücksangebot aufmerksam macht. Er serviert ein gefülltes Naan-Brot mit verschiedenen Dips und dazu den wohl süßesten Kaffee der Welt, der uns fast die Zähne zusammenklebt.

Landhäuser im britischen Kolonialstil in den Cameron Highlands

Nach dem morgendlichen Zuckerschock checken wir aus und starten zu einer Rundfahrt durch die Cameron Highlands. Zuerst steuern wir den Mossy Forrest an, der laut diversen Reiseberichten sehr sehenswert sein soll. Dabei handelt es sich um einen uralten Regenwald, der sich aufgrund der Höhe und der kühlen Temperaturen jedoch stark von den anderen Urwäldern Malaysias unterscheidet.

Leider liest man in diesen Berichten allerdings nichts über die Beschaffenheit der Straßen, die zum Mossy Forrest führen. Als wir von der Hauptstraße der Highlands abbiegen, scheint noch alles gut. Die Wege sind eng und kurvig, aber passierbar. Kurz darauf erreichen wir dann die Felder der Teeplantagen und werden mit Steigungen weit jenseits der 10%-Marke konfrontiert. Außerdem wird die Straße so eng, dass sie niemals von zwei Autos nebeneinander befahren werden könnte.

Wir haben lange Glück, bis uns in einem besonders steilen Stück ein Laster entgegenkommt. Da die Straße nach links durch einen Anstieg und nach rechts durch einen Abhang begrenzt wird, haben wir nicht viel Handlungsspielraum. Langsam rangiere ich den Proton an den Rand des Abhanges und halte dabei häufig Blickkontakt mit dem Fahrer des LKW, der so gut es geht zur anderen Seite ausschert. Die Kommunikation durch Handzeichen verläuft erfolgreich, so dass sich das Heck des LKW etwa fünf Minuten später und mit einem Abstand von wenigen Zentimetern an unserem Proton vorbeischiebt. Mit schweißnassen Händen und angespannten Nerven jage ich das kleine Auto schließlich schneller als man sollte über die Schlaglochpiste, um bloß nicht noch einmal in eine solche Situation zu kommen.

Wenige Minuten später biegen wir auf eine Straße auf, die zwar immer noch schmal, aber in deutlich besserem Zustand ist und auch von anderen Autos befahren wird. Scheinbar kann unser Navi in den Cameron Highlands nicht zwischen Schleichwegen und ebenfalls engen, aber für den normalen Verkehr geeigneten Straßen unterscheiden. Ein weiterer Vorteil neben der geschlossenen Asphaltdecke sind die Wartetaschen vor besonders unübersichtlichen Passagen, die kritische Situationen gar nicht erst entstehen lassen. Tipp: Kündige dich am besten vor jeder uneinsichtigen Kurve durch Hupen an und achte auf Hupsignale von entgegenkommenden Autos.

Die Fahrt durch die Teefelder ist rein optisch ein absoluter Augenschmaus. Wir passieren leuchtend grüne Plantagen und haben einen Ausblick auf die nebelverhangenen Täler, die wir während des Aufstiegs unter uns zurücklassen. Bevor wir ein letztes Mal abbiegen kommt uns ein tiefergelegter BMW E36 mit eingerissener Frontschürze entgegen. Der Proton Saga war also nicht die bescheuerteste Wahl für eine Fahrt durch die Cameron Highlands.

Während der letzten Kilometer, die uns das Navi bis zum Mossy Forrest anzeigt, denke ich einige Male daran umzukehren. Meiner Freundin, die diesen Gedanken mehrmals und zunehmend eindringlicher ausspricht widerspreche ich natürlich. In Schrittgeschwindigkeit bahnen wir uns unseren Weg und versuchen dabei zwei parallele Fahrspuren zu treffen, die uns nicht durch die kraterähnlichen Schlaglöcher führen. Mehrfach setzt das kleine Auto auf, bleibt aber glücklicherweise nicht stecken.

Auf dem Gipfel eines Berges endet die Fahrt schließlich und wir entdecken das ersehnte Schild, das den Wanderweg durch den Urwald ankündigt. Wir parken den Proton neben einer Handvoll anderer Fahrzeuge – allesamt Pickups mit Stollenreifen. Über diese Amateure schmunzelnd erklimmen wir eine kleine Treppe und finden uns auf einem Trail durch den Urwald wieder. Da es früher Vormittag ist, sind noch nicht viele Touristen unterwegs und wir haben den Dschungel fast für uns alleine.

Ausblick über die Cameron Highlands in Malaysia von einer Aussichtsplattform im Mossy Forrest

Die Bäume sind alt und knorrig, außerdem sind viele von einer dicken Schicht Moos überwachsen – daher wohl auch der Name des Waldes. Durch die Wipfel erhascht man immer wieder mal einen Ausblick auf die wolkenverhangene Umgebung und das satte Grün der benachbarten Wälder. Ein Teil des Wanderweges ist abgesperrt – er endet an einem dreistöckigen Holzgerüst, das hier als Aussichtsplattform aufgebaut wurde. Die Rundumsicht ist beeindruckend, und so verbringen wir einige Minuten damit umherzuschauen und die Landschaft unter uns zu genießen.

Wieder am Eingang des Wanderweges angekommen frage ich den Reiseführer einer kleinen Gruppe nach einer alternativen Route zurück nach Tanah Rata. Die gab es bis vor Kurzem, ist aber aktuell gesperrt, wie er mir berichtet. Es bleibt uns also nichts anderes übrig als der Hinweg, der bergab aber deutlich angenehmer zu fahren ist, wie sich kurz darauf herausstellt.

Während uns zwei der Pickups folgen, filmt meine Freundin einen kleinen Teil der Fahrt um die Straßenverhältnisse festzuhalten. Das Ergebnis siehst du in dem folgenden Video.

Einige Schrammen am Unterboden des Proton später gelangen wir wieder auf die Hauptstraße der Cameron Highlands. Auf dem Weg zur Big Red Strawberry Farm, unserem zweiten Tagesziel, kommen wir an einem ausgebrannten und noch rauchenden Gebäude vorbei. Ein angekokeltes Schild kennzeichnet es als den „Time Tunnel“ – eine Art Museum, dessen Besuch wir ebenfalls erwogen hatten. Naja, dann eben weniger Geschichte und mehr Erdbeeren.

Wie Teepflanzen gedeihen auch die kleinen roten Früchte hervorragend im Klima des malaysischen Hochlandes. Der Besitzer der besagten Farm hat scheinbar das touristische Potenzial gerochen und seiner Plantage einige Attraktionen hinzugefügt. So schlendern wir durch verschiedene Gewächshäuser, verzocken ein paar Ringgit an Spielautomaten und machen dämliche Fotos an dämlichen Aufstellern in Erdbeerenform mit Gesichtslöchern.

Zu Mittag essen wir natürlich etwas aus eigener Produktion: Frische Erdbeeren mit Schlagsahne sowie einen Smoothie aus püriertem und gezuckertem Salat, beides sehr empfehlenswert. Bevor wir die Erdbeerfarm verlassen kaufen wir uns noch Shirts sowie ein paar Mitbringsel – was könnte Eltern oder Freunden schließlich besser gefallen als Merchandise von der Big Red Strawberry Farm?

An der Ausfahrt des Geländes entdecken wir mehrere alte, verrostete Land Rover Defender am Straßenrand. Einige Exemplare dieser britischen Geländewagen sind mir schon morgens in Tanah Rata aufgefallen, die meisten sahen aber noch fahrtüchtig aus. Diese Ansammlung hingegen ist ein Friedhof und macht einen erklärten Autonarren wie mich sehr betroffen. Ich frage mich, welche Geschichten die ehemals britischen Fahrzeuge zu erzählen hätten, wenn sie könnten. Wir verbringen einige Minuten zwischen den Wracks und halten die morbide Schönheit der alten Jeeps auf zahlreichen Fotos fest.

Wrack eines alten Land Rover Defender Jeeps in den Cameron Highlands

Wenige Kilometer später erreichen wir das Bharat Tea House und werden dort von einem kräftigen Wolkenbruch empfangen. Die Teeplantage mit integriertem Restaurant stellt neben der BOH Plantage die zweite, große Touristenattraktion in den Cameron Highlands dar, die sich um das aromatische Heißgetränk dreht.

Nach einem Sprint durch den Starkregen wärmen wir uns mit einem Kännchen heißen Schwarztees wieder auf. Tipp: Die Preise sind human und sowohl Tee als auch Kuchen schmecken sehr lecker – nicht die schlechteste Wahl für ein kurzes Teekränzchen. Das Tea House wurde an einem Berghang und darüber hinausragend errichtet, so dass man von dem Restaurantbereich einen tollen Ausblick über die darunter liegende Ebene hat.

Das Tal besteht fast ausschließlich aus Teefeldern, die aus der Ferne betrachtet surreale Muster ergeben. Wir warten den Regen ab, nutzen die Gelegenheit um die Aussicht auf Fotos festzuhalten und starten nach etwa 30 Minuten wieder um das Hochland hinter uns zu lassen.

Ausblick auf die Bharat Tee Plantage in den Cameron Highlands

Die ersten Minuten fahren wir im Regen, doch je tiefer wir kommen, desto besser wird das Wetter. Schon kurze Zeit später empfängt uns strahlender Sonnenschein und das Thermometer klettert den 30 Grad entgegen – das „echte“ Malaysia hat uns wieder.

Unser nächstes Ziel ist Georgetown auf der Insel Penang, ganz im Nordwesten des Landes. Da uns die Etappe für den heutigen Resttag aber zu lang ist, entscheiden wir uns für einen Zwischenstopp in der Stadt Ipoh. Sie liegt nur etwa ein Drittel der Strecke entfernt und stellt somit einen guten Kompromiss dar. Auf der Fahrt halten wir kurz an einem Wasserfall, kaufen uns in einem kleinen Dschungeldorf eine Kokosnuss und entdecken dabei eine Ansammlung farbenfroher Schmetterlinge.

Gegen 16 Uhr erreichen wir Ipoh und werden dort von unerwartet hohem Verkehrsaufkommen empfangen. Da das Straßennetz fast ausschließlich aus Einbahnstraßen besteht, ist Konzentration gefragt. Nach kurzer Suche finden wir unsere Bleibe für heute Nacht – das D Eastern Hotel – und dürfen einen hoteleigenen Carport als Stellplatz nutzen. Beim Check-In fragen wir vergeblich nach Attraktionen oder Sehenswürdigkeiten in Ipoh – der Empfangsdame fällt nichts ein. Also spazieren wir einfach mal los und müssen der guten Frau nach wenigen Kilometern zustimmen: Ipoh hat nicht mal eine wirkliche Innenstadt.

Eine kurze Internetrecherche – „Things to do in Ipoh“ – führt uns in die Mural Lane, die einen lokalen Streetart-Hotspot darstellen soll. Einige der Wandmalereien zeugen zwar von handwerklichem Können, aber die Motive sind leider recht langweilig. Lachende Kinder mit ihren Eltern, ein verliebtes Pärchen und ein Mann auf einem Fahrrad erinnern eher an Schulbücher als an sprudelnde Kreativität.

Streetart und Wandmalereien in der Mural Lane in Ipoh

Schließlich stoßen wir, angezogen von greller Neonreklame, auf einen Platz mit mehreren chinesischen Restaurants. In einem davon essen wir für 54 Ringgit zu Abend und bekommen von der netten Kellnerin erklärt, dass China Town der einzige Bereich der Stadt wäre, der einer Innenstadt nahe kommt.

Auf dem Rückweg ins Hotel kaufe ich mir in einem CD- & DVD-Shop spontan noch eine CD mit dem klangvollen Titel „Malaysia EDM-Tuning DJ Mix“. Da das Radio im Proton nicht klappt, ist gegen Musik auch prinzipiell erstmal nichts einzuwenden. Bei der Auswahl könnten die zwei großen Flaschen Bier, die ich beim Abendessen getrunken habe, jedoch eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Tag 6 – Hidden Places

Morgens drücken wir den Wecker ein paarmal weiter und stehen um kurz nach 8 Uhr auf. Wir fragen die Empfangsdame nach einem guten Frühstücksrestaurant und bekommen diesmal eine Antwort: Etwa einen Kilometer entfernt soll eine chinesische Garküche eine leckere Mischung aus Suppen, Back- und Fleischwaren anbieten. Nach etwa 15 Minuten erreichen wir das Sin Yoon Loong und stehen vor verschlossenen Türen, daher setzen wir uns in das Sun Yuang Foong direkt daneben. Zum Frühstück gibt es ein paar Toasts mit Eiern und Würstchen sowie gefüllte Teigtaschen und Eiskaffee.

Danach checken wir aus und verlassen Ipoh, wieder über sehr volle Straßen. Kurz hinter der Stadt halten wir schließlich an einem abseits gelegenen Tempel, auf den wir bei unserer gestrigen Recherche aufmerksam geworden sind. Wir werden schwanzwedelnd von einigen Hunden begrüßt, ansonsten wirkt das Gelände verlassen.

Eingangsbereich einer verlassenen Tempelanlage am Stadtrand von Ipoh

Der Außenbereich beheimatet hunderte goldene Buddha-Statuen in verschiedenen Formen und Größen. Eine Höhle, die zum Innenraum des Tempels umfunktioniert wurde, erreichen wir über einen ebenfalls von Statuen gesäumten Fußweg. Dort treffen wir auf zwei Frauen, die gerade den Boden wischen. Wir grüßen freundlich, ziehen die Schuhe aus und sehen uns in den Räumen um, die ebenfalls von hunderten goldenen, aber kleineren Buddha-Statuen bevölkert werden. Ein Aushang klärt uns auf, dass es sich bei dem Tempel um eine lange verschüttete und erst kürzlich renovierte Anlage aus dem späten 19. Jahrhundert handelt und nicht um den Sam Poh Tong Tempel, den wir eigentlich besuchen wollten.

Nur wenige hundert Meter weiter finden wir einen zweiten Tempel, der ebenfalls in einer Felshöhle errichtet wurde. Dieser wirkt etwas angestaubt und ist deutlich größer als der Erste, aber auch hier sind wir die einzigen Besucher weit und breit. Wir werfen ein bisschen Kleingeld in ein Becken, dessen Boden bereits von vielen Münzen bedeckt ist, und kehren anschließend zum Auto zurück, um den ursprünglich gesuchten Tempel ausfindig zu machen.

Er befindet sich in unmittelbarer Nähe und ist Teil eines größeren Tempelkomplexes. Wir erkunden eine kleine Höhle, deren rabenschwarze Decke auf einen Brand hindeutet und betreten im Anschluss den Sam Poh Tong Tempel durch einen großen Steinbogen. Vereinzelt begegnen uns Gruppen chinesisch aussehender Besucher, die sich aber ausschließlich im Außenbereich der Anlage aufhalten.

Im festlich dekorierten Innenraum der großen Höhle entdecken wir die bereits bekannten Buddha-Statuen in hundertfacher Ausführung sowie ein Schild mit einem Pfeil und der Bezeichnung „Tortoise Pond“. Dem Pfeil folgend gelangen wir durch einen kleinen Tunnel in eine weitere, noch größere Höhle mit offener Decke. Staunend finden wir darin einen zweiten Tempel, diesmal in Form einer Pagode, vor. Dank der offenen Decke herrscht eine rege Vegetation in der Höhle, die die einfallenden Sonnenstrahlen in Form von sonderbar grünlichem Licht reflektiert.

Ein im Innern einer Höhle gelegener Tempel am Stadtrand von Ipoh in Malaysia

Rechts vom Eingang befindet sich zudem ein eingezäunter Tümpel, in dem sich dutzende Landschildkröten tummeln. Die Größe des Geheges ist ein Wermutstropfen – es hätte für die darin befindliche Anzahl an Tieren etwas größer sein dürfen. Auch diesen geheimnisvollen Ort, an dem man sich ein wenig wie in einem alten Indiana Jones Streifen vorkommt, haben wir komplett für uns alleine.

Wieder draußen angekommen kaufen wir uns für zwei Ringgit eine Packung Fischfutter und werfen es den Kois zu, die in einem mit Blumen dekorierten Teich ihre Bahnen ziehen. Angrenzend an das Gelände finden wir einen weiteren Eingang zu einer Höhle, der uns zu dem mittlerweile fünften Tempel führt, den wir uns heute anschauen.

Es handelt sich jedoch nicht nur um eine Höhle, sondern um ein ganzes Höhlensystem, das nach einer steilen Treppe an einer Stahltür nach draußen endet. Die Tür ist nicht verschlossen und steht ein Stück auf. Hinter ihr erwartet uns eine noch steilere Treppe, die hoch hinauf in die Kalksteinfelsen führt. Oben angekommen entdecken wir weitere Treppen und eine große Höhle, die nicht als Gebetsstätte umfunktioniert wurde. Gekreische und Geflatter über unseren Köpfen deutet auf die Anwesenheit von Fledermäusen hin, ansonsten sind wir auch hier allein. Über federnde Holzböden und nicht enden wollende Treppen steigen wir weiter empor, bis wir aus einer kleinen Öffnung heraus die naheliegende Stadt überblicken können.

Als wir an eine Stelle gelangen, an der der Holzboden aufgeweicht ist und beim Betreten knarrend nachgibt, beschließen wir umzukehren. Wer weiß, ob dieser Bereich wirklich für die Öffentlichkeit zugänglich ist oder nur durch eine versehentlich nicht abgeschlossene Tür zugänglich wurde.

Verlassenes Höhlensystem oberhalb einer Tempelanlage am Rande der Stadt Ipoh

Verschwitzt und von den langen Auf- und Abstiegen erschöpft erreichen wir wenig später wieder das kühle Höhlensystem am Boden und beschließen einstimmig, dass dies die letzte Tempelbesichtigung für heute sein sollte. Wir starten Motor und Klimaanlage unseres kleinen weißen Autos, biegen auf den Highway auf und lassen Ipoh und seine faszinierenden, menschenleeren Tempelhöhlen damit hinter uns.

Etwa zwei Stunden und viele malaysische EDM-Tuning-Dance Hits später erreichen wir die beeindruckende, über 13 Kilometer lange Penang Bridge. Sie führt vom Festland auf eine vorgelagerte Insel und somit zu unserem heutigen Tagesziel: Georgetown.

Auch hier herrscht dichter Verkehr. Zum ersten Mal in Malaysia fällt uns eine hohe Dichte von Motobikes auf, die in weiten Teilen Südostasiens das häufigste Verkehrsmittel darstellen. Nach zwei verpassten Ausfahrten erreichen wir schließlich das Hotel Sentral Georgetown und finden einen freien Parkplatz direkt vor dem Eingang. Wir checken für zwei Übernachtungen ein und essen in einem indischen Restaurant direkt um die Ecke sehr leckeres Chicken Tandoori zu Mittag.

Es folgt ein langer Spaziergang durch die Stadt bis an die Promenade von Georgetown. Dort befinden sich mehrere Holzstege, die über dem Wasser erbaut wurden und einer Vielzahl kleiner Läden Platz bieten. Wir gehen die Jettys – so der Name der Holzstege – einmal ab und machen uns anschließend wieder auf in die Innenstadt. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer Autowerkstatt vorbei, in dessen Einfahrt drei alte VW Käfer und ein Golf 1 parken – ein wahrlich seltener Anblick in Malaysia.

Nach einer knappen Woche voller Urwälder, Wanderungen und Plantagen ist uns heute Abend nach etwas westlichem Unterhaltungsprogramm zumute, daher verbringen wir den Abend in der zentral gelegenen Komtar Mall. Erst in einer Spielhalle voller Greifautomaten, dann in einem kleinen Café und anschließend in einem eiskalten Kinosaal mit der Tragikomödie Pacific Rim Uprising. Auf dem Weg zurück ins Hotel schlendern wir noch kurz über einen Nachtmarkt, bis wir gegen kurz nach Mitternacht in unserem Zimmer ankommen.

Tag 7 – Fleischfresser, Eulen und Kameras

Gegen 8 Uhr werden wir wach und frühstücken in der Lobby des Hotels. Im Anschluss machen wir uns wieder auf Richtung Innenstadt, denn den Vormittag wollen wir in dem Penang Techdome verbringen. Dabei handelt es sich um einen wissenschaftlich angehauchten Indoor-Freizeitpark in der Kuppel einer großen Shopping Mall. Allerhand Informationen rund um neue Technologien, den Wirtschaftsstandort Malaysia und verschiedene MINT-Themen werden hier interessant und zum großen Teil auch für Kinder verständlich aufbereitet.

Obwohl wir nicht mehr ganz zur Zielgruppe gehören, verbringen wir etwa zwei Stunden auf dem Gelände. Wir steuern Roboterarme, meistern Laser-Labyrinthe, messen unsere Hirnleistung und testen verschiedene Computerspiele.

Gegen Mittag steuern wir den Busbahnhof an den Jettys an und besteigen kurze Zeit später den Bus #204. Er setzt uns gute 40 Minuten später am Fuße des Penang Hills ab. Dort geht es mit der Penang-Hill-Tram weiter. Ähnlich der Peak-Tram in Hong Kong handelt es sich auch hier um eine modernisierte Elektrobahn, die die Besucher einen steilen Berg hinauf und wieder hinab transportiert. Für das Return-Ticket zahlen wir jeweils 30 Ringgit.

Aussicht vom Penang Hill über Georgetown, Penang Island und die Küste des malaysischen Festlands

Oben angekommen essen wir zu Mittag, bevor wir gut gestärkt eine kleine Wanderung entlang der Summit Road beginnen. Die schmale Straße führt uns entlang des Gipfels und gibt den Blick auf ein herrliches Panorama frei. Georgetown, die Penang Bridge und sogar die Küstenlinie des malaysischen Festlands ist in der Ferne zu sehen. Wer in einem der Wohnhäuser lebt, die durch die Summit Road verbunden werden, genießt hier vermutlich jeden Tag eine der schönsten Aussichten der Welt.

Wenig später erreichen wir den Monkeycup Garden und kaufen uns für jeweils 12 Ringgit Eintrittskarten in den winzigen Park. Hunderte kleiner, fleischfressender Pflanzen befinden sich darin – ebenso wie ein paar Frösche und ein mickriger Tümpel. Am Ende unseres Besuches fahren wir auf der Ladefläche eines Pickups zurück zur Station der Penang-Hill-Tram – der Rücktransport ist im Ticket für den Monkeycup Garden inbegriffen.

Da wir heute nichts mehr vorhaben und es erst 17 Uhr ist, besuchen wir noch das einzige Eulen- & Kameramuseum der Welt. Der Eintrittspreis ist mit 15 Ringgit pro Person erschwinglich und eine weltweit einzigartige Attraktion sollte man sich natürlich nie entgehen lassen. Eine sehr nette, 18-jährige Malaysierin führt uns herum und erklärt uns verschiedene Kameras sowie verschiedene Eulenfiguren. Auf die Frage, was jemanden dazu bewegt ein Eulen- & Kameramuseum zu eröffnen, erzählt sie uns die Geschichte der Gründer, die ich dir an dieser Stelle – falls du ebenfalls einen Besuch des Museums planst – aber vorenthalten möchte.

Wieder an der frischen Luft genießen wir noch einmal den abendlichen Ausblick über Georgetown, bevor uns die Tram zurück an den Fuß des Berges und der Bus #204 zurück zur Komtar-Mall führt. Dort angekommen spazieren wir nochmals zu den Jettys und essen in einer kleinen chinesischen Garküche zu Abend. Den heutigen Tag lassen wir in entspannter Atmosphäre im Georgetown Reggae Club ausklingen. Dabei handelt es sich um eine Shisha-Bar im Backpacker-District mit sehr internationalem Publikum. Nach ein paar Bierchen treten wir den Heimweg an und erreichen unser Hotel gegen Mitternacht.

Tag 8 – Illegal im Nationalpark

Am nächsten Morgen bereue ich das Gelage vom Vorabend, denn ich habe einen amtlichen Schädel. Begleitet vom unterdrückten Lachen meiner Freundin – es waren nur drei Bier – trete ich mürrisch den Weg zum Frühstücksbuffet an. Um 9 Uhr checken wir aus, packen unsere Sachen und rollen kurz darauf mit unserer weißen Disco vom Hotelparkplatz.

Georgetown und Penang Island verlassen wir über die bereits bekannte Penang Bridge. Wieder auf dem Festland angekommen fahren wir auf den Highway 4 auf und halten uns gen Osten, immer Richtung Kota Bharu. Die Fahrt verläuft lange ohne besondere Vorkommnisse – wir passieren einige Regenwälder und später auch eine Menge abgeholzter Regenwälder, die nur noch aus hunderten oder tausenden Baumstümpfen und brauner Erde dazwischen bestehen. Ein deprimierender Anblick, zu dem wir alle unseren Teil beitragen.

Knappe drei Stunden nach unserem Start in Georgetown kündigen große weiße Buchstaben im Stil des Hollywood-Schriftzuges den Royal Belum Nationalpark an. Verwundert halten wir an einem Besucherzentrum an – diesen Nationalpark müssen wir bei unserer Reiseplanung wohl irgendwie übersehen haben. Für 17 Ringgit essen wir gebratenen Reis zu Mittag und kommen mit einem lokalen Tourguide ins Gespräch. Wir unterhalten uns über verschiedene Ausflüge in den Nationalpark und entscheiden uns schließlich für eines der Angebote.

Auf die Frage nach unseren Visa haben wir leider keine Antwort. Wir erklären ihm, dass wir den Besuch nicht geplant haben, maximal eine Nacht in der Gegend verbringen und bereits morgen Mittag in Kota Bharu sein müssen. Er versteht und erklärt uns seinerseits, dass man für einen Ausflug in den Belum Nationalpark in der Regel ein Besuchervisum beantragen muss. Die Bearbeitungszeit beträgt etwa zwei Arbeitstage.

Er bittet uns kurz zu warten und verschwindet mit seinem Handy am Ohr. Ich überprüfe seine Aussage und finde im Netz tatsächlich die Angabe, dass das sogenannte „Nationalpark Permit“ mindestens 24 Stunden vor Reiseantritt beantragt werden muss. Wenig später kehrt unser Gesprächspartner zurück und bietet uns eine abgespeckte Form des Ausfluges zu einem teureren Preis an. Die Neugier siegt über die Sparsamkeit, also sagen wir zu. Tipp: Solltest du einen Ausflug in den Nationalpark planen, zu dem ich dir nur raten kann, solltest du das benötigte Visum natürlich im besten Fall rechtzeitig beantragen.

Ausblick über den Royal Belum Nationalpark von Bord eines kleinen Motorbootes

Wir legen Rettungswesten an und betreten ein kleines, weißes Holzboot mit Außenbordmotor. Anschließend gleiten wir etwa eine Dreiviertelstunde lang über verzweigte Flüsse und durch grüne Lagunen. Fischschwärme, große Vögel und viele Quadratkilometer unberührter Natur sind dabei unsere ständigen Begleiter. An einer engen Flussschleife schaltet unser Führer den Motor aus und steuert langsam das Ufer an.

Durch das Verstummen des knatternden Auspuffes nehmen wir zum ersten Mal die Geräuschkulisse rund um das Boot wahr. Von überall gleichzeitig scheint das Zirpen, Krähen und Quaken der heimischen Fauna zu kommen. Ein paar schwimmende Plastikfässern dienen als semi-professioneller Anleger und so haben wir kurze Zeit später wieder festen Boden unter den Füßen.

Ohne Zeit zu verlieren beginnen wir mit dem Aufstieg eines kleinen Hangs. Wurzeln, gespannte Seile und Lianen erleichtern die Kletterpartie – die Flipflops meiner Freundin erschweren sie allerdings. Außer Atem erreichen wir nach wenigen hundert Metern unsere Objekte der Begierde: Mehrere Rafflesien haben sich auf den Wurzeln zweier Bäume angesiedelt. Bei der Rafflesia handelt es sich um eine Pflanzengattung, die die größten Blüten der Welt bildet. Rafflesien sind keine normalen Blumen, sondern Schmarotzer. Sie ziehen die benötigten Nährstoffe aus den Wurzeln der Bäume, auf denen sie sich ansiedeln. Ihre Blüten können je nach Art einen Durchmesser von bis zu einem Meter und ein Gewicht von bis zu elf Kilogramm erreichen.

Ganz so monströs sind die Exemplare, die wir hier vorfinden zwar nicht, aber dennoch beeindruckend und seltsam schön. Den Durchmesser der größten Blüte würde ich auf etwa 30 Zentimeter schätzen. Nachdem wir die Pflanzen betrachtet und ein paar Fotos davon gemacht haben, steigen wir langsam und vorsichtig wieder herab zu der kleinen Anlegestelle.

Blüte einer Rafflesia im Royal Belum Nationalpark in Malaysia

Es folgt eine weitere Dreiviertelstunde Bootsfahrt entlang der vielen Flussarme, die sich durch den Nationalpark ranken. Anschließend zahlen wir 280 Ringgit, die umgerechnet knapp 60 Euro entsprechen, und damit etwa 30% mehr als den üblichen Preis – sofern man denn über gültige Zugangsberechtigungen verfügt.

Für die Nacht quartieren wir uns im Belum Rainforrest Resort ein – einer Hotelanlage, die direkt in den Regenwald integriert wurde und sogar über einen kleinen Infinity-Pool mit schöner Aussicht verfügt. Unser Schwimmvergnügen wird allerdings jäh von einem Wolkenbruch beendet und dauert daher nur recht kurz. Im Anschluss essen wir im zum Hotel gehörenden Hornbill Restaurant ein überteuertes und verwestlichtes Thai Curry zu Abend, bevor wir früh schlafen gehen.

Tag 9 – Drive-Thru VIPs

Trotz Ohropax und bequemer Matratze schlafen wir sehr schlecht, da die Frösche im Dschungel eine ohrenbetäubende Geräuschkulisse produzieren, die sich ihren Weg durch Wände, Kissen und Gehörschutz bahnt. Diverse Wachphasen später stehen wir um 7:30 Uhr auf und fühlen uns wie gerädert. Beim Checkout ziehen wir uns je zwei kalte Dosen Nescafé gegen die Müdigkeit und starten in die letzte Etappe mit unserem kleinen Auto, das wir mittags am Flughafen von Kota Bharu abgeben müssen.

Nach langen Bergpassagen vorbei an intakten und abgeholzten Regenwäldern nimmt die Vegetation schließlich ab und wir erreichen wieder dichter besiedelte Gebiete. Die steinalten Mercedes-Holzlaster, die in den letzten zwei Tagen einen großen Teil des uns entgegenkommenden Verkehrs ausgemacht haben, werde ich vermissen.

In den Suburbs von Kota Bharu entschließen wir uns für ein spätes, amerikanisches Frühstück und parken den Proton unter der allseits bekannten gelben Möwe. Während der vielen Stunden Fahrtzeit durch Malaysia sind uns immer wieder Aufkleber mit dem McDonalds-Logo an der Windschutzscheibe vieler Autos aufgefallen – also frage ich danach. Lächelnd überreicht mir der Mann hinter der Theke drei dieser Vignetten. Auf rotem Grund prangt der gelbe Buchstabe und darunter steht in kleinerer Schrift „Drive-Thru VIP 24h„. Andächtig stecken wir die Sticker ein, die sich mit Sicherheit auch hervorragend an den Fenstern deutscher Autos machen werden.

Auf eine Portion Synthetikrührei folgt schließlich die Fahrt zum Flughafen, der nur noch wenige Kilometer entfernt ist. Ich tanke den Wagen ein letztes Mal voll, mache ein Selfie mit einem Tankwart und schon zehn Minuten später erreichen wir das Hertz-Terminal am Sultan Ismail Petra Airport. Der zuständige Mitarbeiter hat nichts zu bemängeln und so verschwindet er schnell mit unserem bisherigen Weggefährten um die nächste Ecke. Machs gut, kleiner Proton.

Unseres Stauraumes beraubt schultern wir zum ersten Mal seit neun Tagen die Backpacks und ordern uns im Flughafengebäude ein Taxi. Für insgesamt 218 Ringgit erwerben wir ein Kombi-Ticket, das die einstündige Taxifahrt nach Kuala Besut sowie die Fahrt mit dem Schnellboot auf die Perhentian Islands einschließt. Da auch die Rückreise nach Kota Bharu inbegriffen ist, empfinden wir den Preis als sehr fair. In dem kleinen Küstenstädtchen Kuala Besut angekommen haben wir noch etwa eine halbe Stunde Zeit bis unsere Fähre ablegt. Wir nutzen sie für ein schnelles Mittagessen und spazieren anschließend zum Anleger.

Das Schnellboot macht seinem Namen alle Ehre und rast mit einer irren Geschwindigkeit übers Wasser. Durch den Wellengang klatscht es immer wieder heftig auf die Oberfläche und schüttelt uns zusammen mit einer Handvoll anderer Passagiere ordentlich durch. Einer Asiatin ist die Übelkeit nach wenigen Minuten deutlich anzusehen und auch wir bereuen unser hastig heruntergeschlungenes Mittagessen. Zum Glück rebellieren jedoch weder asiatische, noch deutsche Mägen an Bord. Tipp: Setz dich so weit es geht nach hinten, dort sind die Aufschläge verhältnismäßig sanft – und zieh vor der Fahrt deine Kappe und deine Sonnenbrille aus. RIP Sonnenbrille.

Nach einer gefühlten Ewigkeit bilden sich aus den Schemen am Horizont zwei leuchtend grüne Inseln. Kurz darauf mindert das Motorboot seine Geschwindigkeit und wir können die Perhentians erstmals richtig in Augenschein nehmen. Die Perhentian Islands liegen etwa 19 Kilometer vor der Küste und bestehen aus fünf Inseln, von denen zwei bewohnt sind. Die gesamte Landfläche beläuft sich auf etwas mehr als 15 Quadratkilometer – die Inseln sind also sehr klein. Wir haben uns eine Unterkunft auf Perhentian Kecil gebucht, der kleineren der beiden Bewohnten.

Nachdem die Perhentians im Vietnamkrieg als Zufluchtsort für vietnamesische Flüchtlinge dienten, erlangten sie in den vergangenen Jahrzehnten Bekanntheit durch ihre unberührte Natur, das kristallklare Wasser und die paradiesischen Strände. Im Laufe der Zeit wurde Raubbau am touristischen Potenzial der kleinen Inselgruppe betrieben. So intensiv, dass Hotels und der entstehende Müll das Paradies nahezu vollkommen verdrängten. Zumindest gewinnt man diesen Eindruck, wenn man sich aktuelle Reiseberichte durchliest. Entgegen dieser Meinungen haben wir uns dennoch für einen Besuch entschieden und diesen keineswegs bereut.

Etwa einen Meter vom Strand entfernt springen wir mit unseren Backpacks auf dem Rücken ins Wasser und spazieren einen bildschönen Sandstrand entlang bis zur Rezeption des Rainforrest Campings. In das Rauschen der Wellen mischen sich Geräusche von Hämmern und Bohrmaschinen, denn etwa fünfzig Meter entfernt entsteht eines der angesprochenen, neuen Hotels.

An einer überdachten, hölzernen Bar werden wir von Yi empfangen – er betreibt den kleinen Campingplatz zusammen mit seiner Familie. Wir unterhalten uns kurz mit ihm, stellen uns vor und checken für drei Nächte und 180 Ringgit ein. Frederik, der aus Dänemark stammt und hier für seine Unterkunft etwa vier Stunden am Tag arbeitet, führt uns daraufhin zu unserer Bleibe für die nächsten Tage. Tent #4 steht auf einer kleinen hölzernen Plattform, etwa anderthalb Meter über dem Boden und mitten im Dschungel.

Zelte im Rainforrest Camp auf Perhentian Kecil vor der Küste von Malaysia

Nachdem wir uns sporadisch eingerichtet haben, legen wir uns am Strand in den Schatten und genießen erstmal das Nichtstun, was uns allerdings schnell langweilig wird. Nachmittags folgt daher eine Wanderung über den klitzekleinen Dschungelpfad entlang der Küste. Etwa eine Dreiviertelstunde benötigen wir um das einzige Dorf auf Perhentian Kecil zu erreichen.

Dort werden wir von dem bereits erwähnten Müll empfangen – Teile der Siedlung sind unheimlich dreckig und strotzen nur so vor Bergen von schmutzigem Plastik. Wieder an der Küste entdecken wir die kleine Schule der Insel und einen Foodcourt, der aus vier Garküchen besteht. Wir bestellen uns gebratenen Reis mit Meeresfrüchten als Abendessen, dazu zwei frisch zubereitete Ananas-Smoothies. Zufrieden setzen wir uns an einen der Tische direkt am Meer und genießen den malerischen Sonnenuntergang.

Bei fast vollständiger Finsternis haben wir wenig Lust auf den schlecht ausgebauten und unbeleuchteten Rückweg, daher sprechen wir einen jungen Mann auf einem Motorboot an. Für 20 Ringgit fährt er uns kurz darauf zurück zu unserem Zeltplatz. Dunkelheit und Sternenhimmel, die Silhouette der Inseln im Mondschein, die salzige Brise und das ruhige Knattern des Motors formen sich dabei zu einem dieser seltenen Momente, in denen einfach alles passt.

Motorboote vor der Küste der Perhentian Islands

Die kleine Bar des Campingplatzes wird noch von Fackeln und Lampions erhellt, und so lassen wir den Tag bei einer Wasserpfeife und einem kalten Bier ausklingen. Die Dosen entnehmen wir einer Kühlbox – denn Strom gibt es hier nur von 19 bis 22 Uhr.

Tag 10 – Cast Away

Trotz fehlender Klimaanlage und der nächtlichen Geräuschkulisse wachen wir am nächsten Morgen einigermaßen ausgeschlafen auf. Gegen 7:45 Uhr gehen wir in einem behelfsmäßigen Schuppen duschen und frühstücken am Strand jeweils zwei Pfannkuchen mit Erdbeergelee und einen Becher wässrigen, schwarzen Kaffee.

Um 10 Uhr werden wir von einem Motorboot zu dem Schnorchelausflug abgeholt, den wir am Vortag bei Yi gebucht haben. Der erste Spot liegt vor der Küste von Perhentian Besar, der größeren der beiden bewohnten Inseln. Etwa eine halbe Stunde verbringen wir zwischen Unmengen von kleinen bunten Fischen und bewundern einen etwa 50 Zentimeter langen, silbrig glänzenden Raubfisch mit spitzen scharfen Zähnchen, der zwischen den Schwärmen hin und her schnellt. Außer uns nehmen zwei Inder an dem Ausflug teil, insgesamt schnorcheln etwa 20 weitere Personen in unmittelbarer Nähe. Im Anschluss steuert unser Boot den so genannten Shark Point an, an dem wir aber leider keine Haie entdecken. Laut unserem Steuermann werden die respekteinflößenden Jäger hier bis zu einem Meter lang, sind für Menschen aber ungefährlich.

Der dritte Halt erfolgt ziemlich genau zwischen den beiden Hauptinseln. Nach der gähnenden Leere am Shark Point machen wir uns auch am Turtle Point, den unsere Gruppe ganz für sich alleine hat, wenig Hoffnung. Doch bereits nach wenigen Minuten entdecken wir eine riesige Wasserschildkröte am Meeresboden und können unser Glück kaum fassen. Gespannt beobachten wir das etwa einen Meter lange, langsam schwimmende Reptil und können es abermals nicht fassen, als die Schildkröte langsam aufsteigt und dabei genau auf uns zukommt. Ich schwimme eine Zeit lang neben ihr her, bis sie Luft schnappt und sich anschließend wieder nach unten verabschiedet.

Überwältigt klettern wir in das kleine Boot und bereuen es, nicht in eine Unterwasserkamera investiert zu haben. Kurz darauf legen wir in dem, uns bereits bekannten, Dörfchen auf Perhentian Kecil an und haben eine Stunde Mittagspause. In einem Café entscheiden wir uns wieder mal für gebratenen Reis und frisch gepresste Fruchtsäfte.

Die letzte Gelegenheit zum Schnorcheln ergibt sich schließlich ein gutes Stück vor der Küste der Insel. Der Lighthouse Point wird durch einen unbemannten Leuchtturm mitten im Wasser gekennzeichnet. Das Wasser ist hier tiefer als an den vorherigen Stellen, so versinken die Pfeiler der Stahlkonstruktion unter uns im tiefen Blau. Wir entdecken zahlreiche bunte Fische und Korallen sowie unendlich viele schwarze Muscheln, die den unter Wasser liegenden Teil des Bauwerkes komplett bedecken.

Nachdem sich wieder alle an Bord befinden, steuern wir den letzten Halt der Tour an – den malerischen Romantic Beach. In einer kleinen Bucht, die aus azurblauem Wasser, weißem Sand und einer Handvoll Motorboote besteht, liegen wir eine gute Stunde vor Anker. Wir machen einen kleinen Spaziergang und ziehen dann nochmals unsere Schnorcheln auf. Die verbleibende Zeit lassen wir uns durch das seichte Wasser treiben, wo wir unter anderem zwei gut getarnte Stachelrochen entdecken.

Der Romantic Beach getaufte Strandabschnitt auf Perhentian Kecil

Gegen 16 Uhr werden wir wieder an unserem Camp abgesetzt. Dort angekommen gehen wir duschen, geben einen Teil unserer Klamotten bei Yi’s Bruder Lan in die Wäsche und setzen uns anschließend am Strand in den Schatten. Den restlichen Nachmittag verbringen wir mit Brettspielen und unseren Büchern. Abends essen wir mangels Auswahl wieder gebratenen Reis, diesmal mit Thunfisch. Es folgen die obligatorischen Bierdosen aus der Kühlbox, bevor wir müde den Rückweg in den Dschungel antreten.

Tag 11 – Tent Life

Die heutige Nacht fiel nicht so angenehm aus, wie die vorige – durchgelegene Matratze und harter Holzboden fordern ihren Tribut. Trotz teilweise geöffnetem Zelt erhitzt die morgendliche Sonne den Innenraum bis ins Unermessliche, und so wachen wir gegen 10 Uhr in einer ungemütlichen Panade aus Schweiß und Sandkörnern auf.

Nach der erfrischenden Dusche frühstücken wir am Strand, es gibt wieder Pfannkuchen und Kaffee. Tipp: Wir haben die Moskitos auf den Perhentians als sehr aggressiv kennengelernt – Insektenspray nicht vergessen. Heute wollen wir ausspannen, daher verbringen wir den ganzen Tag auf dem Gelände des Rainforrest Camps. Den Großteil des Tages wechseln wir zwischen Hängematten am Strand und einem Holztisch im Schatten hin und her. Über Skyscanner buche ich uns den Hin- und Rückflug von Kota Kinabalu nach Bandar Seri Begawan, die Hauptstadt von Brunei. Pro Person kosten uns die Flüge mit Royal Brunei knapp 100 Euro.

Die Rezeption des Rainforrest Camps auf Perhentian Kecil vor der Küste Malaysias

Mittags essen wir an der hölzernen Bar von Yi eine Portion Thai-Nudeln mit Gemüse und seltsam glibberiger Soße. Anschließend wenden wir uns wieder unseren Büchern zu und spielen ein paar Brettspiele. Bevor es uns gegen 22 Uhr zurück in unser kleines ranziges Zelt zieht, verbringen wir auch den letzten Abend unter den Lampions am Strand. Bei Wasserpfeife, kaltem Bier und Meeresrauschen nehmen wir langsam Abschied von der kleinen Inselgruppe, die uns kein bisschen enttäuscht hat. Unsere Erwartungen wurden eher noch übertroffen, da wir nach der Internetrecherche vom Schlimmsten ausgegangen sind.

Ja, der Einfluss der vielen Menschen auf das Ökosystem ist spürbar und ja, es wäre ohne den Müll natürlich schöner dort. Trotzdem sind die Perhentians nach wie vor ein beeindruckendes Fleckchen Erde, in dem man mit etwas Vorstellungskraft noch das einstige, unangetastete Paradies erkennen kann. Bist du daran interessiert, solltest du die all-inclusive Lifestyle-Resorts mit Pool-DJ natürlich meiden und lieber ein kleines Zelt im Regenwald beziehen.

Tag 12 – Lebensfreude wird hier kleingeschrieben

Auch die letzte Nacht auf der Insel ist nicht besonders bequem. Gegen 7:30 Uhr stehen wir auf, duschen und packen unsere Sachen zusammen. Anschließend parken wir unsere Rucksäcke an der Rezeption des Rainbow Camps und frühstücken zum dritten Mal in Folge Pfannkuchen, heute jedoch mit Honig statt Erdbeergelee. Unsere restliche Zeit auf den Perhentians vertreiben wir uns erneut mit Brettspielen – genauer gesagt mit einem Brettspiel, das „Heckmeck am Bratwurmeck“ heißt und so süchtig macht wie es dämlich klingt.

Um 12 Uhr hält ein Schnellboot am Strand und holt uns ab. Wir verabschieden uns von Yi und seinem Personal und danken ihm für die Gastfreundschaft, bevor wir an Bord klettern und unsere Rettungswesten anlegen. Die Motoren heulen auf, und schon verschwimmen die Inseln wieder zu grünlichen Schleiern am Horizont. Die Rückfahrt verläuft deutlich angenehmer als die holprige Hinfahrt – scheinbar herrscht weniger Seegang.

Auch die Rückfahrt im Taxibus von Kuala Besut nach Kota Bharu verläuft problemlos und zügig. Gierig atmen wir die kalte Luft der Klimaanlage ein und wickeln uns vorsichtshalber in eine Decke, um einer Erkältung zu entgehen. Etwa 90 Minuten später erreichen wir die Stadt im Nordosten des malaysischen Festlandes und werden von dem Fahrer direkt am Parkview Guesthouse abgesetzt. Wir checken für 55 Ringgit ein und bekommen ein Zimmer mit einer Aussicht, die unserem Zelt im Dschungel in Nichts nachsteht.

Zweifelhafte Aussicht aus einem Hostelzimmer in Kota Bharu

Während eines Spaziergangs durch die Innenstadt essen wir in einem Thai-Restaurant ein unheimlich leckeres Nasi Goreng Pattaya und trinken zwei leuchtend orange Thai-Eistees. Wir bedanken uns mit einem großzügigen Trinkgeld und unterhalten uns kurz mit dem Koch über unsere Reisepläne, Thailand und Kota Bharu. Ein Taxifahrer, der uns aufgeregt nach unserer Herkunft befragt und während der Fahrt mehrere Selfies mit mir und meiner Freundin schießt, fährt uns anschließend nach Chinatown. Nach etwa zehn Minuten Standzeit im Stau bezahlen wir den Mann, verabschieden uns herzlich und legen den Rest der Strecke zu Fuß zurück.

Die Stadt kommt uns ungewohnt schmutzig und hässlich für malaysische Verhältnisse vor. Auf dem Gelände des bekannten Siti Khadija Central Market huschen Ratten durch die dunklen Ecken und Kakerlaken sind auf den Bürgersteigen omnipräsent. Auch der Großteil der Menschen wirkt verschlossener und weniger freundlich, als in den bisher von uns besuchten Regionen. Ich erinnere mich an meinen Freund Zulfadli, der uns an unserem ersten Abend in Malakka verwundert anschaute und fragte, was wir denn in Kota Bharu wollen. Eine offensichtlich berechtigte Frage.

Meine Freundin trägt eine kurze Hose, die bis kurz über die Knie geht und erntet dafür mehrfach Blicke, die ich als missbilligend oder abwertend deute. Kota Bharu ist die Hauptstadt des Staates Kelantan, der als der konservativste Bezirk Malaysias gilt. Hier ist es Frauen beispielsweise gesetzlich verboten „zu grelles Makeup“ zu tragen oder mit den Absätzen ihrer Schuhe zu klackern. Obwohl wir uns dieser Tatsachen bewusst waren, überrascht uns das ablehnende Verhalten der sonst so offenen und freundlichen Malaysier doch sehr.

Chinesisch geprägter Stadteil von Kota Bharu in Malaysia

Auf dem Rückweg laufen wir einen kleinen Nachtmarkt ab und folgen anschließend einer Restaurantempfehlung des Hostelpersonals. An einer viel befahrenen Kreuzung befindet sich das PK Corner, in dem wir auf kleinen Plastikhockern sehr gut malaiisch essen. Zurück im Hostel stellen wir fest, dass das Betttuch etwas zu fleckig für unseren Geschmack ist und machen zum ersten Mal in Malaysia Gebrauch von meinem Hygieneschlafsack. Anschließend schlafen wir dank der Klimaanlage schnell ein.

Tag 13 – Land below the wind

Wir stehen um kurz vor 8 Uhr auf und machen uns hungrig auf die Suche nach einem Frühstücksrestaurant. Bereits nach wenigen Minuten wird die Kellnerin einer chinesischen Garküche auf uns aufmerksam und bedeutet uns Platz zu nehmen. Wir lächeln ihr freundlich zu und nehmen zwei Karten entgegen, die zwar kein Wort Englisch, aber dafür Unmengen an Fotos von eklig aussehenden Suppen enthalten.

Mit eklig meine ich übrigens wirklich ekelhaft, nicht bloß unappetitlich. Knochen, grünlich-gräuliche Eier und andere undefinierbare Gebilde sind gerade die letzten Zutaten, die wir uns in unserem Frühstück wünschen. Als wir der Dame entschuldigend lächelnd ihre Karten zurückgeben und den Tisch verlassen, blickt sie uns dermaßen entsetzt an, dass es uns schwerfällt nicht zu lachen.

Um ähnlichen Erfahrungen vorzubeugen, recherchieren wir kurz auf Tripadvisor und werden auf das Kopitiam Kita aufmerksam. Das Frühstücksrestaurant ist eine lokale Berühmtheit und soll das beste Roti Titab weit und breit anbieten. Dabei handelt es sich auf den ersten Blick um eine Art dickes French Toast mit Eiern. Das klingt zwar nicht unbedingt beeindruckend, aber um Welten besser als die chinesischen Alternativen.

So unspektakulär es scheint – das Roti Titab Special schmeckt hervorragend. Das Brot ist lecker, die Eier perfekt und vier Kleckse süßer Kokosnusscreme, die das Gericht komplettieren, passen hervorragend dazu. Falls du an Kota Bharu vorbeikommen solltest, kann ich dir einen Besuch also sehr empfehlen. An der Kasse wird übrigens auf Vertrauensbasis gezahlt: Man sagt was man hatte und bekommt die entsprechende Summe berechnet. Als wir gehen, bittet uns unser Kellner noch um ein Selfie. Die Tatsache, dass wir hier bereits drei Mal um Fotos gebeten wurden, zeigt wie selten sich westliche Touristen scheinbar in diese Region verirren.

Um kurz nach 10 Uhr räumen wir unser Zimmer mit der traumhaften Aussicht und machen uns per Taxi auf den Weg zum Flughafen. Nach der Gepäckaufgabe vertreiben wir uns die Zeit mit Massagesitzen und dem Beobachten von landenden und abhebenden Flugzeugen. Da der Flughafen sehr klein ist, gibt es leider nicht viel mehr zu sehen. Gegen Mittag boarden wir dann unseren Air Asia Jet und heben ab Richtung Kota Kinabalu. Die Küstenstadt liegt im malaysischen Bundesstaat Sabah und damit auf der Insel Borneo.

Borneo stellt mit einer Landfläche von 751.936 Quadratkilometern nach Grönland und Neuguinea die drittgrößte Insel der Welt dar. Sie ist aufgeteilt zwischen den Ländern Indonesien und Malaysia sowie dem kleinen Staat Brunei, der einen Zipfel im Norden für sich beansprucht. Sabah, das unmittelbar unter dem pazifischen Taifungürtel liegt, wird aufgrund dessen von seinen Bewohnern auch „negeri di bawah bayu“, was soviel wie „Land unter dem Wind“ heißt, genannt.

Dank des kostenlosen Internets an Bord der Air Asia Maschine vergeht der Flug wie im Flug und wir erreichen Kota Kinabalu gegen 16 Uhr. Für 5 Ringgit fährt uns ein komfortabler Reisebus in das nahegelegene Zentrum und setzt uns an einer Mall ab.

Bevor wir uns der Stadt widmen, checken wir im Space Cap Hostel ein, wo wir uns für drei Nächte eingebucht haben. Das Hotel greift einen Trend aus Japan auf, wo aufgrund des Platzmangels in Großstädten oft keine ganzen Räume an Reisende oder Studenten vermietet werden, sondern nur kleine Kapseln. Eine solche Kapsel, in der außer uns selbst nur einer unserer Rucksäcke Platz hat, werden wir für die nächsten Tage unser Zuhause nennen – verrückt.

Innenansicht einer Schlafkapsel im Space Cap Hostel in Kota Kinabalu auf Borneo

Den späten Nachmittag verbringen wir an der malerischen Promenade der Küstenstadt. Neben überteuerten Restaurants und Bars finden sich hier eine Filiale des Hardrock Cafés, ein Starbucks und ein toller Ausblick auf das offene Meer.

In einer Mall im Stadtinnern schauen wir uns verschiedene Angebote für geführte Ausflüge an und buchen schließlich eine Halbtagestour nach Kota Belud. Den Rest des Abends verbringen wir in weiteren Malls und im Kino, wo wir uns Ready Player One auf einer verhältnismäßig mickrigen Leinwand anschauen. Kurz vor Mitternacht kehren wir in unsere Kapsel zurück und gehen schlafen.

Tag 14 – Nächtlicher Zauber

Unsere knapp zwei Quadratmeter große Wahlheimat stellt sich als beengt, aber äußerst bequem heraus. Gegen 8 Uhr stehen wir auf und frühstücken in der Hostelküche Toasts mit Marmelade und gekochte Eier. Hier erlerne ich den Life-Hack, Eier statt in einem Topf oder einem Eierkocher direkt in einem Wasserkocher zu erhitzen – was für eine Erkenntnis.

Beim folgenden Spaziergang durch die Stadt probieren wir versehentlich Eiskaffee mit Minzgeschmack aus und finden darin eine erfrischende Alternative zum klassischen Nescafé. Wir schlendern durch verschiedene Malls und durch einen kleinen Stadtpark, bevor wir gegen 12 Uhr im Borenos Fried Chicken einen Burger im pechschwarzen Brötchen zu Mittag essen – für mich als kulinarisch schlecht informierte Person die zweite Unglaublichkeit des Tages.

Kurz vor 14:30 Uhr werden wir schließlich von einem grünen Minivan zu unserer Halbtagestour nach Kota Belud abgeholt. Nach wenigen Minuten Fahrtzeit halten wir an der Masjid Bandaraya Moschee und haben hier die Möglichkeit ein paar Fotos zu schießen, während Guide Charly in schlechtem Englisch Informationen zu dem Gotteshaus runterleiert. Die folgenden anderthalb Stunden verbringen wir damit aus dem Fenster zu schauen und auf unseren Sitzen zu dösen. Die Fahrt führt uns vorbei an ländlichen Gegenden, über schlechte Straßen und schließlich auf den Parkplatz vor einem Bootsanleger.

Flussarm und angrenzende Mangrovenwälder bei Kota Belud auf Borneo

Mit einem überdachten Motorboot fahren wir kurz darauf durch ein sumpfiges Mangrovengebiet und halten dabei Ausschau nach seinen tierischen Bewohnern. Tatsächlich entdecken wir schon nach wenigen Minuten ein paar weiße Äffchen und zwei Otter am Ufer. Aber auch die Pflanzenwelt ist schön anzusehen: Riesige Farne, ineinander verschlungene Mangroven und gebogene Palmen säumen unseren Weg.

Eine Dreiviertelstunde später kehren wir wieder zu dem Anleger zurück und fahren etwa zehn Minuten bis zum nahegelegenen Strand. Da wir die Abendstunden gestern in diversen Malls verbracht haben, erleben wir heute den ersten bildschönen Sonnenuntergang auf Borneo.

Wir spazieren am Wasser entlang, machen Fotos von der in leuchtend oranges Licht getauchten Landschaft und beobachten kleine Krebse beim Graben ihrer Tunnel. Dabei produzieren sie Sandkugeln, die aus der Ferne betrachtet detaillierte Muster ergeben. Allerdings gehen sie einer Sisyphusarbeit nach, denn  etwa alle fünf Minuten macht eine größere Welle die entstandenen Gebilde wieder dem Erdboden gleich.

Als die Sonne über dem Horizont nur noch schemenhaft zu erahnen ist, ruft uns unser Guide zurück zum Minivan und wir steuern erneut den Bootsanleger von vorhin an. In den folgenden Minuten ist die Landschaft in ein seltsam violettes Licht getaucht, das wir in dieser Intensität noch nie nach einem Sonnenuntergang beobachtet haben. Auf einigen Fotos gelingt es meiner Freundin glücklicherweise, die surreale Atmosphäre zu konservieren.

Farbenprächtiger Sonnenuntergang bei Kota Belud auf Borneo

Bevor wir erneut das überdachte Motorboot besteigen, bedienen wir uns an einem dürftigen Buffet: Es gibt kalten Reis mit Kürbis, Hühnchen, eine dünne Suppe und künstlich schmeckenden Multivitaminsaft. Der folgende Ausflug ist glücklicherweise deutlich eindrucksvoller als das Abendessen.

Es ist bereits stockfinster als der Außenbordmotor das Sirren der Grillen um uns herum abrupt verstummen lässt. Langsamer als am Nachmittag setzen wir uns in Bewegung und werden mehrfach darum gebeten, uns nicht über die Reling zu lehnen und Lichtquellen ausgeschaltet zu lassen. Nach mehreren Ermahnungen verstehen dann auch unsere asiatischen Sitznachbarn, dass Handydisplays Licht erzeugen.

Als wir schließlich in vollkommener Dunkelheit übers Wasser gleiten, beginnt unser Guide mit einer speziellen Taschenlampe pulsierende Lichtsignale abzugeben. Er hält abwechselnd die Hand vor die Birne und gibt sie frei, bis das orange Leuchten in den umliegenden Wäldern tausendfach erwidert wird. Unmengen von blau und grün glimmenden Glühwürmchen sitzen in den Bäumen und beginnen zögernd auf uns zuzuschweben.

Die folgende Viertelstunde ist an Schönheit kaum zu überbieten. Mit jedem Uferabschnitt, der in unser Blickfeld gerät, scheint die Anzahl der Glühwürmchen größer zu werden. Den Höhepunkt erleben wir wenig später an einem großen Baum, den unser Kapitän als „Christmas Tree“ bezeichnet. Dessen Äste und Zweige sind fast vollständig von kleinen Lichtpunkten bedeckt und verbreiten so tatsächlich ein wenig weihnachtliche Stimmung. Leider glimmen die kleinen Insekten mehr, als dass sie leuchten. Daher scheitern all unsere Versuche, das unglaubliche Naturschauspiel auf Fotos oder Videos festzuhalten. Das Display der Kamera decken wir bei diesen Versuchen natürlich ab.

Während der Heimfahrt fallen uns fast die Augen zu, und so packen wir im Hostel nur noch schnell unsere kleineren Rucksäcke für den morgigen Ausflug nach Brunei, bevor wir gegen 23 Uhr in unserer Kapsel ins Bett fallen.

Tag 15 – To live and die in Bandar Seri Begawan

Um 5:45 Uhr stehen wir auf, cremen uns ein und gehen nach draußen vor den Eingang, um auf unser Flughafenshuttle zu warten. Leider kommt das Taxi, das wir gestern beim Hostelpersonal bestellt haben, jedoch nicht. Einige Gehminuten entfernt finden wir eine Ansammlung von Taxen und einen schläfrigen Fahrer, der bereit ist, uns zu einem humanen Preis an den International Airport zu fahren.

Das Frühstück am Flughafen fällt so überteuert wie dürftig aus: Für 36 Ringgit erstehen wir drei labbrige Toasts mit Thunfisch und zwei Tassen Kaffee. Check-In, Wartezeit und Boarding vergehen schnell und so heben wir um 8:30 Uhr ab. Die Maschine von Royal Brunei verbringt etwa 5 Minuten auf normaler Flughöhe, denn unmittelbar auf den Start folgt die Landung. In Summe sind wir knappe 40 Minuten in der Luft. Tipp: Da man auf dem Landweg von Kota Kinabalu nach Bandar Seri Begawan mehrmals von Malaysia nach Brunei und umgekehrt einreisen muss sowie längere Überfahrten mit einer Fähre nötig sind, würde ich dir zum Flug raten.

Bei der Abfertigung läuft alles glatt, und so stehen wir kurz darauf vor dem Flughafengebäude, wo uns eine akkurat gestutzte Hecke und ein Parkplatz mit hoher Porschedichte begrüßt. An einem ATM heben wir 150 Brunei-Dollar ab, die etwa 95 Euro entsprechen, und warten auf den blauen Bus #34 oder den blauen Bus #36. Beide Linien führen laut einer desinteressierten Dame am Infoschalter ins Stadtzentrum.

Da in den folgenden 30 Minuten kein einziger blauer Bus die ausgeschilderte Haltestelle ansteuert, fragen wir beim grünen Bus #23 nach und werden gewahr, dass auch dieser ins Stadtzentrum fährt. Das Ticket kostet uns einen Dollar pro Person – der Preis für jedes Busticket in Brunei.

Leere Straße im Zentrum von Bandar Seri Begawan

Unser erster Eindruck von dem Sultanat mit nur 430.000 Bewohnern, das aufgrund seiner Ölvorkommen zu einem der reichsten Länder der Welt wurde, ist, dass es für südostasiatische Verhältnisse hier unheimlich sauber zugeht. Es findet sich kein Abfall auf den breiten Bürgersteigen, alle Rasenflächen sind perfekt getrimmt und das Verkehrsbild ist von Fahrzeugen der Marken Lexus, Mercedes und Volkswagen geprägt.

Wir verlassen den Bus an der Haltestelle des Radisson Hotels und machen uns von dort aus auf ins Stadtzentrum. Außer uns ist kaum jemand zu Fuß unterwegs – sehr seltsam. An der zentral gelegenen Straße Jalan McArthur angekommen, finden wir nur einige Cafés, Fastfood-Restaurants und ein Tourist Information Center vor. Das quirrlige Treiben einer malaysischen Innenstadt sucht man in der sterilen Umgebung vergeblich.

Kurz darauf spricht uns ein kleiner Mann mit schlechten Zähnen an und fragt, ob wir nicht Interesse an einer Bootstour nach Kampong Ayer hätten. Weil wir den Besuch der historischen, schwimmenden Stadt fest eingeplant haben, bejahen wir seine Frage. Nach kurzem Gefeilsche einigen wir uns auf 40 Dollar für eine zweistündige Fahrt durch die engen Wasserstraßen und einen anschließenden Ausflug in den brunesischen Dschungel.

Am Ufer steigen wir zusammen mit dem kleinen Mann in ein Holzboot mit Außenbordmotor und setzen nach Kampong Ayer über. In den Gebäuden, die allesamt von Stelzen aus Holz oder Beton getragen werden leben heute schätzungsweise 13.000 Menschen. Sie bilden den ältesten Teil der brunesischen Hauptstadt und wurden in den letzten Jahrhunderten immer wieder an- und umgebaut. Mittlerweile gibt es dort sogar eine schwimmende Moschee und eine Tankstelle. Erste Aufzeichnungen über die Siedlungen gehen übrigens bis ins 8. Jahrhundert zurück.

Wir werden an einem ranzig aussehenden Steg abgesetzt und haben eine Viertelstunde zur freien Verfügung, während der unser Guide ein Wassertaxi mitsamt Steuermann für uns organisiert. Das Venedig des Ostens, wie der historische Stadtteil auch genannt wird, empfängt uns mit wackligen Holzwegen und einem penetranten Fischgeruch – eine alte Frau nimmt direkt neben unserem Anlegeplatz den Fang des Tages aus. Nachdem wir einige baufällig wirkende Hütten hinter uns lassen, erreichen wir einen längeren Steg, der uns weiter in die schwimmende Stadt hineinführt.

Verdrecktes Ufer am Stadtrand von Kampong Ayer in Brunei

Aus wackligen Holzwegen werden schnell baufällige und damit gefährliche Holzwege. Die einzelnen Planken sind teilweise so dünn oder in so breiten Abständen in die tragenden Balken genagelt, dass wir uns nur sehr vorsichtig vorwagen. Außerdem stoßen wir auf Berge von Müll, die den Unrat auf den Perhentians weit in den Schatten stellen. Als ich das Thema später anspreche, erklärt uns unser Führer, dass die Strömung den Großteil des Mülls aus Malaysia hierher transportiert. Ob dem wirklich so ist, können wir nicht beurteilen. Jedenfalls lassen die Plastikmassen und der damit einhergehende Gestank kaum Gedanken an die antiken Wurzeln und das Kulturgut zu, auf dem wir uns befinden.

Nachdem wir uns langsam wieder zurückgetastet haben, werden wir zur Cultural & Tourism Gallery geleitet. Hier verbringen wir etwa 20 Minuten um einen Wolkenbruch abzuwarten. Es wird über die Stadt, den Sultan, das Land und dessen historische Wurzeln berichtet – allerdings sehr nüchtern und nicht wirklich schön aufbereitet.

Wieder unter freiem Himmel werden wir von der Sonne begrüßt und nutzen das gute Wetter, um den Ausflug in den Dschungel vorzuziehen. Obwohl es bereits nach kurzer Zeit wieder anfängt heftig zu regnen, lohnt sich der Abstecher. Etwa 20 Minuten von den Ufern der Hauptstadt entfernt beobachten wir einige der seltsamen Nasenaffen und ein Rudel kleinerer Gibbons. Nebenbei überqueren wir übrigens kurzzeitig die Grenze nach Malaysia. Ob das so legal ist? Man weiß es nicht.

Regenschauer auf einem Flussarm vor Bandar Seri Begawan in Brunei

Auf der Rückfahrt haben wir freien Blick auf die Kuppeln des königlichen Palastes und einer Moschee, die beide mit Echtgold beschichtet sind und deren Wert laut dem kleinen Mann weit im zweistelligen Millionenbereich liegt, wolle man ihn mit US-Dollar aufwiegen. Den Kommentar, dass das Geld in neuen Holzstegen für Kampong Ayer deutlich besser angelegt gewesen wäre, verkneife ich mir. Zurück in der Wasserstadt drehen wir einige Runden durch die Kanäle und werden auf allerlei historische Gebäude hingewiesen. Den krönenden Abschluss stellt das Haus unseres Reiseführers dar, an dessen Wand ein großes Manchester United Wappen prangt. Seine schwarzen Zähne werden beim Lächeln entblößt, als wir ihm die Coolness seiner Behausung bestätigen.

Unser Mittagessen wird für mich zu einem kleinen Highlight, denn wir nehmen es in einem Schnellrestaurant ein, dessen Innenbereich so sehr an eine Cluckin‘ Bell Filiale aus GTA IV erinnert, dass es schon gruselig ist. Nach je einem Chickenburger mit Reis und Spiegelei machen wir uns auf zu einem langen Spaziergang durch die Stadt.

Das erste Ziel ist die Omar Ali Saifuddien Moschee, die nur etwa fünf Gehminuten vom Cluckin‘ Bell entfernt liegt. Wir ziehen brav unsere Schuhe vor den Eingangstreppen aus, verhüllen unsere Körper mit schwarzen Gewändern und werfen einen kurzen Blick in das Gotteshaus. Dabei stehen wir permanent unter der Beobachtung eines streng wirkenden Aufsehers – wir sind neben einem betenden Gläubigen die einzigen Menschen in dem weitläufigen Gebäude. Wieder am Eingang angekommen, fordert er meine Freundin mit einer unwirschen Geste auf, ein Foto vom Innenraum zu machen. Sie macht das Foto, wir bedanken uns und machen uns auf den Weg nach draußen. Seltsamer Kerl, seltsame Erfahrung.

Bei gefühlten 60 Grad Außentemperatur spazieren wir durch die gepflegten Gärten der Moschee und die angrenzenden Straßen Richtung Tasek Lama Recreational Park. Der knapp zwei Kilometer vom Zentrum entfernt liegende Stadtpark beheimatet neben Spielplätzen und Wanderwegen auch einen kleinen Wasserfall, den wir uns anschauen wollen. Es sind überraschend viele Jogger unterwegs, denen das extreme Klima scheinbar nichts ausmacht. Wir hingegen kommen bei jeder Treppe aus der Puste und schleppen uns von Parkbank zu Parkbank. Auch am Wasserfall befindet sich ein einladend aussehendes Exemplar und so genießen wir eine Weile die Aussicht, bevor wir uns wieder Richtung Innenstadt aufmachen.

Dort angekommen gönnen wir uns zwei Eiskaffees und besuchen anschließend das Royal Regalia Building. Die darin befindliche Ausstellung präsentiert historische Artefakte des Landes und gibt einen Einblick in das pompöse Leben des Sultan Haji Hassanal Bolkiah Mu’izzaddin Waddaulah. Mit einem Vermögen von über 20 Milliarden US-Dollar kann man sich freilich den einen oder anderen Bugatti leisten. Besonders unterhaltsam finden wir diese Zurschaustellung von Macht und Reichtum jedoch nicht, daher machen wir uns gegen 16 Uhr abermals auf in die Suburbs von Bandar Seri Begawan.

Leere Straße in Bandar Seri Begawan in der Abenddämmerung

Mitten im Dschungel liegt der Mabohai Shopping Complex, der neben einer Spielhalle diverse andere Läden und Supermärkte beheimatet. Rund dreieinhalb Stunden dauern Hinweg, Aufenthalt und der Rückweg während der Abenddämmerung. Zurück im Zentrum essen wir im Kaizen Sushi Restaurant zu Abend und genießen die Aussicht über die Promenade. Die freundliche Kellnerin ruft uns anschließend ein Taxi und so befinden wir uns rund zwölf Stunden nach der Ankunft wieder am Brunei International Airport.

Bis kurz nach Mitternacht verbringen wir unsere Zeit mit Dösen und Dehydrieren, denn im Wartebereich der Gates befinden sich nur geschlossene Läden und keine Getränkeautomaten. Als wir gegen 1 Uhr in Kota Kinabalu landen, führt der erste Gang an den Kühlschrank eines Kiosks und der zweite zur Reihe der wartenden Taxen. Zurück im Space Cap Hostel folgt eine eilige Dusche, bevor endlich ein sehr sehr langer Tag zu Ende geht.

Rückblickend kann ich dir leider keine Empfehlung für Brunei aussprechen. Obwohl im Internet haufenweise negative Erfahrungsberichte zu finden sind, haben wir uns trotzdem bewusst für die Reise in das Sultanat entschieden. So lahm kann der Besuch eines so kleinen, so exotischen Landes doch eigentlich garnicht sein, dachten wir. Klein ist Brunei tatsächlich, aber statt exotisch leider so langweilig, wie wir es uns nicht hätten vorstellen können. Daran ändern auch goldene Kuppeln und ein paar Affen nichts.

Tag 16 – Raupensalat

Wir stehen um 10 Uhr auf und sind uns schnell einig, dass wir es heute etwas langsamer angehen lassen. Nach dem Frühstück checken wir aus und fahren mit einem Taxi zum High Street Inn, wo wir uns für unsere letzten beiden Nächte in Kota Kinabalu einquartiert haben. Den Vormittag verbringen wir mit einem Spaziergang durch den Teil der Stadt, der nicht direkt an der Küste liegt und den wir bisher noch nicht gesehen haben. Außerdem gönnen wir uns eine Massage – Rücken, Schultern und Füße haben es nach gestern dringend nötig.

Zu Mittag essen wir in einer sehr modern wirkenden Mall im nördlichen Teil der Stadt. Im Restaurant Seoul Garden werden koreanische Bentos, Hot Pots und Thai-Eistee serviert. Das Highlight stellt allerdings eine neongrüne Raupe im Salat meiner Freundin dar. Wir sind uns anfangs nicht sicher, ob das Insekt nicht eine reguläre Zutat der Beilage ist, entschließen uns dann aber doch nachzufragen. Die richtige Entscheidung, wie der pikierte Gesichtsausdruck der Kellnerin zeigt. Begleitet von einem langgezogenen „Sorryyy“ verschwindet sie mit dem Salat in der Küche und taucht kurz darauf mit einer raupenlosen Version auf.

Nachmittags fahren wir mit dem Taxi zum etwa sechs Kilometer entfernten Tanjung Aru Beach. Dort gehen wir erst etwas spazieren und legen uns schließlich in den Schatten um ein wenig zu lesen. Am frühen Abend erleben wir einen weiteren, spektakulären Sonnenuntergang, bevor wir uns auf den Rückweg ins Stadtzentrum machen. Der Taxifahrer verlangt dafür fünf Ringgit mehr als sein Kollege, der uns vor wenigen Stunden hergebracht hat. Als ich ihn mit dieser Tatsache konfrontiere schweigt er kurz und antwortet dann: „It’s more complicated now.“ Wir lachen und steigen ein.

Traumhafter Sonnenuntergang am Strand von Kota Kinabalu in Malaysia

Im „Pasta Pasta“ Restaurant nehmen wir ein für Malaysia sehr exotisches Abendessen ein – Fusili mit Pesto – und lassen den Abend im Kino einer großen Mall ausklingen. The Quiet Place stellt sich dabei als annehmbarer, recht spannender Thriller heraus.

Tag 17 – Touristisches vs. Untouristisches

Wir schlafen wieder bis 10 Uhr und sind uns wieder schnell einig, dass wir es auch an unserem letzten Tag in Kota Kinabalu ruhig angehen lassen wollen. Nach einem entspannten Frühstück, das fast nahtlos in ein entspanntes Mittagessen übergeht, werden wir um 13:30 Uhr von einem kleinen blauen Bus abgeholt. Mit ihm besuchen wir das etwa eine Dreiviertelstunde Fahrtzeit entfernt liegende Mari Mari Cultural Village.

Der Ausflug ist verhältnismäßig günstig und die geführte Tour würde ich mit den Worten „ganz nett“ beschreiben. Wir werden durch verschiedene Hütten geführt, die den Behausungen der indigenen Völker von Borneo nachempfunden sind. Verschiedene Statisten zeigen uns, mit welchen Mitteln früher Brot, Honig oder Wein hergestellt wurde. Nach dem theoretischen Teil dürfen wir probieren und trotten gemeinsam mit unserer – zu 95% aus älteren Chinesen bestehenden – Gruppe zur nächsten Station.

Leider werden die eigentlich interessanten Inhalte durch die starke Kommerzialisierung für meinen Geschmack etwas zu sehr verwässert. Die Chinesen sind allerdings hellauf begeistert und bescheinigen dem Betreiber der Attraktion somit ein Händchen für zielgruppengerechte Ansprache. Jeder verkleidete Krieger, jede geschminkte Tänzerin und jede übertrieben geschmückte Hütte wird lautstark und freudig erregt kommentiert. Dass unverhältnismäßig viele Fotos geschossen werden, versteht sich von selbst.

Als wir schließlich alle Stämme sowie deren Besonderheiten kennengelernt haben, folgt die finale Tanzeinlage und die Rückfahrt in unserem kleinen blauen Bus. Zurück in Kota Kinabalu genießen wir unseren letzten Bilderbuch-Sonnenuntergang auf der Promenade und spazieren anschließend lange und ziellos durch die abendlichen Straßen.

Irgendwo, etwas abseits der Innenstadt stoßen wir zufällig auf einen interessanten Straßenabschnitt: Garküchen, mobile Stände sowie die für Südostasien typischen, kleinen Plastikstühlchen wurden über die gesamte Fläche verteilt. Dazwischen tummeln sich Pärchen, Gruppen junger Leute und rauchende alte Männer. Das Getummel wird von einem wilden Durcheinander aus Geräuschen begleitet, das aus verschiedenen Lautstärkern und Boxen schallt. Vereinzelt wurden Beamer aufgestellt, die Peter Parker, die Avengers oder Russel Crowe an die umliegenden Häuserwände werfen und die Straße so in eine Ansammlung von Open-Air-Kinos verwandeln.

Obwohl der Film schon weit fortgeschritten ist, entscheiden wir uns für Spiderman 2 und setzen uns an einen kleinen, runden Tisch. An einem der mobilen Stände ordere ich zwei Bier und eine Wasserpfeife mit Eiscreme-Geschmack – alle anderen Sorten sind aus. Knappe zwei Stunden verbringen wir auf unseren Plastikstühlchen, trinken Bier und genießen das unerwartete Abendprogramm. Um uns herum verbringen die Menschen vermutlich einen Abend wie jeden anderen – streiten, tratschen oder spannen aus – und haben keine Ahnung, dass wir sie dabei fasziniert beobachten.

Während ich mich in ein paar Jahren wohl kaum noch an die touristengerecht aufbereiteten Inhalte des Dschungeldorfs erinnern kann, wird mir die einmalige Atmosphäre dieser Straße hoffentlich noch lange vor Augen bleiben.

Tag 18 – Lion City

Um 8 Uhr klingelt uns der Wecker raus und wir frühstücken erneut ausgiebig in dem gemütlichen Restaurant, das wir auch gestern Morgen schon besucht haben. Es folgen ein Spaziergang, der Checkout und die Suche nach einem Taxi zum Flughafen. Es ist Zeit Abschied zu nehmen von Kota Kinabalu, Borneo und vorerst auch Malaysia.

Im Verlauf der Fahrt taut unser anfangs miesepetriger Chauffeur zunehmend auf und unterhält sich mit mir über deutsche Autobahnen, malaysische Geschwindigkeitslimits und seinen übermäßigen Bierkonsum. Am Terminal angekommen zahlen wir ihm 30 Ringgit plus Trinkgeld, was seine Laune nochmals bessert. Zum vierten und letzten Mal betreten wir den Kota Kinabalu Airport, durchlaufen die Sicherheitsschleuse und warten anschließend auf unseren Abflug um 15 Uhr. Der Air Asia Flieger hebt pünktlich ab und nimmt Kurs auf Singapur.

Über den Wolken unterhalte ich mich mit unserem Sitznachbar – einem Einheimischen, der in der Finanzbranche tätig ist, schon oft in Frankfurt war und vor einigen Jahren sein MBA-Studium abgeschlossen hat. Da uns sowohl die Branche als auch das Studium verbindet, ergeben sich auf Anhieb einige Themen für kurzweiligen Smalltalk. Abschließend gibt er uns noch einige Empfehlungen mit auf den Weg, bevor wir nach etwa zweieinhalb Stunden Flugzeit landen.

Singapur Changi, einer der modernsten und beliebtesten Flughäfen der Welt, empfängt uns mit einem Mix aus moderner Architektur, Palmen und Wasserfällen. Da wir in einem kürzlich eröffneten Terminal ankommen, fährt uns ein Shuttlebus zum Hauptgebäude, wo wir unkompliziert in das kleine Land einreisen. An der MRT-Station besorgen wir uns zwei Two-Day Tourist-Passes für je 16 SGD plus 10 SGD Pfand, den wir bei der Abgabe der Karten zurückerhalten. Unsere erste Fahrt mit einem der klinisch reinen Züge führt uns nach Chinatown, wo wir nach fünf Gehminuten unsere Bleibe namens Adler Hostel finden.

In einem geräumigen Loft unter dem Dach des Hauses beziehen wir eine enge Doppelkabine, die durch einen Vorhang vor neugierigen Blicken der anderen Bewohner schützt. So wird zumindest etwas mehr Privatsphäre gewährleistet als in einem klassischen Mehrbett-Dorm. Nachdem wir unsere Backpacks weggeschlossen haben, finden wir inmitten eines großen Foodcourts im Herzen von Chinatown ein gemütliches Restaurant und essen dort zu Abend.

Anschließend fahren wir mit der MRT bis nach Downtown und sehen beim Verlassen der Station zum ersten Mal unsere morgige Bleibe – das Marina Bay Sands. Die drei separaten Türme ragen 191 Meter in die Höhe und werden von einer gigantischen, farbenfroh beleuchteten Dachplattform gekrönt. Durch die Hochhausschluchten spazieren wir an die Hafenpromenade und betreten schließlich die riesige, öffentlich zugängliche Lobby des Luxushotels. Unvorstellbar, dass wir hier morgen einkehren.

Singapurs Waterfront mit Marina Bay Sands Hotel bei Nacht

Unsere nächste Fahrt führt uns von der MRT-Station Bayside nach Fort Canning, wo wir – einer Empfehlung meines Sitznachbars aus dem Flugzeug folgend – den Clarke Quay besuchen. Er stellt sich als eine recht laute, touristische Gegend direkt am Flussufer heraus, die viele Bars und Clubs beheimatet. In einer davon trinken wir zwei teure Flaschen Chang-Bier. Dabei werden wir bestens von einem jungen Kellner unterhalten, der einen Stapel Teller fallen und es so Scherben über den Bürgersteig regnen lässt.

Bevor wir zum Adler Hostel zurückkehren machen wir noch einen Abstecher nach Little India und spazieren von der gleichnamigen Haltestelle bis zur MRT-Station Rochor. Da uns die Gegend zumindest an diesem Abend recht unspektakulär erscheint, treten wir den Rückweg an und gehen gegen Mitternacht ins Bett.

Tag 19 – Leben im Luxus

Gegen 8 Uhr stehen wir auf und fragen am Empfang nach einer Empfehlung für ein gutes, preiswertes Frühstücksrestaurant. Die Antwort darauf, der Maxwell Foodcourt, liegt einige Gehminuten vom Hostel entfernt und entpuppt sich als echter Geheimtipp. Auf dem überdachten Platz findet sich eine Vielzahl gut besuchter Imbissbuden.

Wir schieben uns zwischen Geschäftsleuten und schwätzenden alten Damen hindurch an einen der kleinen Container und bestellen zwei günstige Portionen gebratene Nudeln mit Gemüse und Ei. Gut gestärkt fahren wir anschließend von Chinatown aus bis zur MRT-Station Harbourfront und spazieren bei strahlendem Sonnenschein über den Sentosa Broadwalk. Dieser Gehweg verbindet das Festland mit der Insel Sentosa, die vor allem für ihre Vergnügungsparks und Touristenattraktionen bekannt ist.

Bunt beleuchtete Quallen im S.E.A. Aquarium in Singapur

Dort angekommen lösen wir unsere Tickets für das S.E.A. ein, die wir gestern für je 25 SGD online gekauft haben. Die Eintrittskarten führen uns in das zweitgrößte Aquarium der Welt, das mit einer Gesamtwassermenge von 45 Millionen Litern das Zuhause von über 100.000 Lebewesen darstellt. Wir bewundern große Haie, farbenfrohe Korallen, blaue Hummer und Unmengen verschiedener Fische. Das Highlight stellen drei riesige Mantarochen dar, die das Becken im Zentrum des S.E.A. bewohnen.

Nachdem wir das Aquarium kurz nach Mittag wieder verlassen, holen wir unsere Rucksäcke im Adler Hostel ab. Freundlicherweise durften sie nach dem Checkout am Morgen noch in einer Abstellkammer lagern, so dass wir den Ausflug am Vormittag mit leichtem Gepäck antreten konnten. Tipp: Viele Hostels bieten diesen Service an, auch wenn er nirgendwo explizit erwähnt wird – wer lagern will muss freundlich sein!

Gegen 15 Uhr ist es schließlich so weit und wir checken in eines der exklusivsten Hotels der Stadt ein. Unserem Aufenthalt habe ich einen eigenen Blogbeitrag gewidmet: Unter Marina Bay Sands – Lohnt es sich? findest du alles über das Zimmer, den Infinity Pool und die Preise, daher verzichte ich an dieser Stelle auf weitere Details.

Blick über Sidney vom Infinity Pool des Marina Bay Sands Hotels aus

Bis zum Sonnenuntergang halten wir uns in und an dem surrealen Infinity-Pool auf der Dachterrasse des Hotels auf. Wir verlassen unsere Residenz noch einmal kurz, um in Chinatown günstig zu Abend zu essen, und kehren anschließend mit zwei Dosen Bier aus einem 7-Eleven Supermarkt auf unseren zimmereigenen Balkon zurück. Dort verbringen wir den Rest des Tages und genießen den herrlichen Ausblick auf die bunt beleuchteten Gardens by the Bay.

Tag 20 – From Riches to Rags

Morgens um 7:45 Uhr stehen wir auf, packen unsere Sachen und checken schweren Herzens aus unserem luxuriösen Zimmer aus. Die Rucksäcke dürfen wir so lange wie nötig beim Concierge einlagern, daher machen wir uns ohne Gepäck auf in die nahen Gärten. Wir betrachten die formschönen Supertrees erstmals aus der Nähe und lösen für 14 SGD pro Person zwei Eintrittskarten für den Cloud Forrest.

Der Cloud Forrest ist eine riesige gläserne Kuppel, die verschiedene Tropenpflanzen beherbergt, die im Normalfall in Höhenlagen zwischen 1.000 und 3.000 Metern wachsen. Zusammen mit dem 1,28 Hektar großen Flower Dome, dem flächenmäßig größten Glasgewächshaus der Welt, bildet er das architektonische Highlight der Gardens by the Bay.

Als wir die Kuppel betreten, werden wir von der ungewohnt kühlen Luft im Inneren überrascht. Ein großer Wasserfall besprenkelt den Gehweg vor uns und scheint aus dem Nichts zu entspringen, denn die Spitze des 35 Meter hohen Berges, der das zentrale Element des Cloud Forrests darstellt, verschwindet im Nebel. Über mehrere Etagen wandern wir bis ganz nach oben und können dabei farbenfrohe Blumen, fleischfressende Pflanzen und Fragmente von Tropfsteinen bewundern. Da der Flower Dome an diesem 10. April 2018 wegen Wartungsarbeiten geschlossen bleibt, geben wir uns mit dem Spaziergang durch ein Gewächshaus zufrieden.

Das Innere des Cloud Forrest Gartens in den Gardens by the Bay in Singapur

Gegen 10:30 Uhr holen wir unsere Rucksäcke im Marina Bay Sands ab und setzen so einen endgültigen Schlussstrich unter unseren Ausflug in die Welt der Schönen und Reichen. An der Lavender Station bekommen wir den Pfand für unsere Tourist-Passes zurück und fahren anschließend mit dem Taxi zum Golden Mile Bus Terminal. Von dort startet um 12 Uhr unser Bus nach Kuala Lumpur, für den wir uns gestern zwei Online-Tickets gebucht haben.

Nach einer kurzen aber hektischen Suche finden wir unseren Bus, checken ein und zockeln kurz darauf durch die Straßen Singapurs. An der Grenze reisen wir nach Malaysia ein und vertreten uns nochmal die Beine, bevor wir unsere knapp sieben Stunden dauernde Reise in die Hauptstadt antreten. Wir nutzen die Zeit um ein wenig zu schlafen, Fotos zu sichten und Tagebuch zu schreiben. Glücklicherweise sind die Sitze bequem.

Um 19 Uhr erreichen wir Kuala Lumpur und fahren mit der Straßenbahn bis zur Station Chow Kit. Dort beziehen wir im T-Hotel Jalan Tar ein kleines, miefiges Stinkezimmer ohne Fenster. Und als ob der Kontrast zu unserer gestrigen Bleibe damit noch nicht groß genug wäre, überrascht es uns zusätzlich mit einer defekten Badezimmertür. Geschichten, die das Leben schreibt.

Wir essen in einem indischen Restaurant zu Abend und spazieren anschließend bis zu den Petronas Towers und einmal um sie herum. Weil hier bereits alle Geschäfte geschlossen haben, fragen wir einen Taxifahrer nach einem belebteren Stadtviertel, wo man abends noch etwas unternehmen kann – durch den Mittagsschlaf im Bus sind wir noch nicht müde. Er empfiehlt uns Bukit Bintang und setzt uns an dem Eingang zu einem belebten Foodcourt ab. Seine Aussage „This part of the city never sleeps“ scheint sich zu bewahrheiten: Straßenkünstler, Bettler, Karaokesänger und viele viele Menschen tummeln sich auf den Straßen. Wir trinken zwei Bier in einem dem Foodcourt angeschlossenen Restaurant und spazieren anschließend durch das nächtliche Kuala Lumpur.

Gegen Mitternacht rufen wir uns ein Taxi und fahren zurück ins T-Hotel Jalan Tar. Dort angekommen wedle ich einige Minuten hektisch mit der Zimmertür, muss aber leider feststellen, dass sich die Luftqualität nicht merklich verbessert. Nach einer Dusche gehen wir daher ins Bett und hoffen, uns im Laufe der Nacht an den Geruch zu gewöhnen.

Tag 21 – Blutige Tinte

An unserem vorletzten Tag in Malaysia verschlafen wir und brechen daher nicht wie geplant zu den Batu Caves auf. Stattdessen verlassen wir unser miefiges Zimmer gegen kurz vor 9 Uhr und fahren mit der Straßenbahn bis zur Station KLCC. Dort frühstücken wir und erkundigen uns nach einem Skybridge-Ticket für die Petronas Towers. Da diese jedoch zeitgebunden sind und wir frühestens am späten Nachmittag die Aussichtsplattform zwischen den Türmen besteigen könnten, verzichten wir.

Mit dem Menara Tower finden wir schnell eine ansprechende Alternative. Wir besorgen uns dort für 52 Ringgit pro Person Eintrittskarten für die untere Aussichtsplattform. Neben der unteren gibt es auch noch eine obere Aussichtsplattform unter freiem Himmel. Die Tickets sind aber doppelt so teuer, und die paar Meter Unterschied sind uns den Aufpreis nicht wert. Oben angekommen genießen wir den Ausblick auf die Hauptstadt und stellen verwundert fest, dass die montierten Ferngläser kostenfrei benutzt werden können.

Aussicht auf die Hochhäuser der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur

Die folgende Viertelstunde verbringen wir damit, Leute in Hotelpools und auf verschiedenen Balkonen zu beobachten. Leider entdecken wir währenddessen nichts Bemerkenswertes und geben es schließlich auf. Wieder unten angekommen spazieren wir zur Station Bukit Nanas und fahren von dort bis zur Haltestelle Bukit Bintang. Dort befindet sich das Sungei Wang Einkaufszentrum, das eine ganze Etage voller Piercing- und Tattoostudios enthält. Vor gut anderthalb Monaten haben wir uns beide einen Termin bei der Künstlerin @miiauu in dem Studio Bloody Ink reserviert. Den restlichen Nachmittag hocken wir daher abwechselnd auf Kunstledersessel und -liege.

Auf dem Nachhauseweg kommen wir zufällig an einer Mall vorbei, durch die eine Indoor-Achterbahn mit Looping (!) verläuft. Während ich passe kann meine Freundin nicht widerstehen und gehört ab sofort zu dem elitären Kreis der Leute, die in einem malaysischen Einkaufszentrum Achterbahn gefahren sind. Nach diesem Nervenkitzel und einem malaysischen Abendessen beziehen wir schließlich unser Stinkezimmer und fallen müde in unsere Betten.

Tag 22 – Things to do in KL

Um 6:30 Uhr stehen wir auf und packen unsere Sachen. Wegen dem frischen Tattoo am Bein musste ich in unnatürlicher Haltung schlafen und hatte daher keine besonders erholsame Nacht. Noch recht müde erreichen wir die nahegelegene Haltestelle Banderaya und fahren mit der Straßenbahn bis nach KL Sentral. Dort steigen wir aufgrund von Schienenersatzverkehr in einen Bus um, der uns zur Sentul Station transportiert. Mit der malaysischen Eisenbahn geht es anschließend zu unserem ersten Tagesziel für heute – den etwa 15 Kilometer entfernten Batu Caves.

Bei dem beliebten Touristenziel handelt es sich um eine Ansammlung von hinduistischen Tempeln, die an und in große Kalksteinhöhlen vor den Toren von Kuala Lumpur errichtet wurden. Da wir so früh dran sind, herrscht kaum Betrieb und wir begegnen nur einigen Gläubigen beim Morgengebet.

Die eigentlichen Höhlen erreicht man über eine steile Treppe, die vom Boden bis weit hinauf in die Felsen führt. Markiert wird der Eingang von einer unübersehbaren, goldenen Statue des Gottes Murugan. Tipp: Am Fuß der Treppe wird kontrolliert, ob Besucher angemessen gekleidet sind – pack dir also am besten ein Tuch oder eine Decke ein, wenn du dort keine kaufen möchtest. Unsere Tattoos umwickeln wir vorsichtig mit Wundauflagen und Mullbinden, um sie vor Sonne, Schweiß und Tieren zu schützen.

Während des Aufstiegs der über 250 Treppenstufen werden wir von kleinen Affen begleitet, für die die Batu Caves ebenso berühmt sind wie für ihre hinduistischen Schreine. Tipp: Die Tiere sind Besucher gewöhnt und entsprechend frech – Vorsicht ist geboten. Oben angekommen machen wir ein paar Fotos und spazieren durch die weitläufigen Höhlen. Da wir die Kombination aus Tempeln und Kalkstein schon aus Ipoh kennen, haut uns der Anblick nicht wirklich vom Hocker. Die Batu Caves sind sicherlich einen Besuch wert – im direkten Vergleich mit den Anlagen von Ipoh ziehen sie unserer Meinung nach jedoch den Kürzeren.

Der Eingangsbereich zu den Batu Caves vor Kuala Lumpur in Malaysia

Wieder am Fuß der Treppe angekommen wird das Besucheraufkommen deutlich stärker und es bildet sich ein Stau vor dem Einlass – das Frühaufstehen hat sich gelohnt. Wir fotografieren noch ein paar Affen, die auf Mülltonnen und Autos ihr Unwesen treiben, bevor wir uns auf den Rückweg machen.

Zurück in Kuala Lumpur checken wir aus dem miesen Zimmer aus und bekommen die Erlaubnis, unsere Rucksäcke bis nachmittags an der Rezeption zu lagern. Wir nehmen die Straßenbahn bis nach Pasar Seni und hüpfen draußen von Schatten zu Schatten, denn das Thermometer zeigt heute bestialische 37 Grad an. Ein alter Mann beobachtet uns von dem Sitz seines Mopeds aus und spricht uns an, als wir näher kommen. „You country fresh, eh?“, kommentiert er unsere roten Gesichter und bricht in wildes Gelächter aus. Wir stimmen ihm kopfnickend zu.

Den Nachmittag verbringen wir im KL Bird Park, der größten begehbaren Vogelvoliere der Welt, und dem kleineren KL Butterfly Park, der sich in dessen direkter Nachbarschaft befindet. Aufgrund der brutalen Hitze können wir die Präsenz der exotischen Vögel und Schmetterlinge um uns herum aber nicht wirklich genießen, daher begnügen wir uns mit einem kurzen Spaziergang über das Gelände.

Als sich der Bund meiner Hose vom Schweiß dunkel zu verfärben beginnt, rufen wir uns ein Taxi und kehren ein letztes Mal zum T-Hotel Jalan Tar zurück. Dort halten wir ein weiteres Taxi an, das uns und unsere Backpacks zu dem über 50 Kilometer entfernten Flughafen transportiert. Tipp: Bei weiten Strecken immer vergleichen – wir sind erst in das dritte Taxi eingestiegen, da die vorherigen Fahrer nicht nach Taxameter, sondern für einen teuren Festpreis fahren wollten.

Am frühen Abend heißt es schließlich Abschied nehmen von Malaysia. Nach 21 abenteuerlichen Tagen verlassen wir das facettenreiche Land und heben mit einer Oman Air Maschine ab Richtung Heimat.

Tag 23 – Heimat

Die nächtliche Zwischenlandung in Maskat verläuft ohne weitere Vorkommnisse, sodass wir am Morgen des 13. Aprils wohlbehalten in Frankfurt landen. Deutschland hat uns wieder.

Danke, dass du bis hierhin gelesen hast – ich hoffe es hat dir gefallen.

PS: Ehre wem Ehre gebührt. Verschiedene Fotos in diesem Bericht (die, die professionell aussehen) wurden von meiner sehr talentierten Freundin geschossen. Schau doch mal auf ihrer Webseite nn-fotografie.com vorbei, wenn sie dir gefallen.

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