Being weird in Malaysia

Malaysia ist, wie jedes andere südostasiatische Land, das ich bisher bereist habe, ein Paradies für Alleinreisende. Das liegt zum einen an der freundlichen und hilfsbereiten Mentalität seiner Einwohner, zum anderen an den günstigen Preisen und der gut ausgebauten Infrastruktur. Mit einem mittelmäßigen Schulenglisch wirst du dich, zumindest im städtischen Raum, überall gut verständigen können. Nur in ländlichen Regionen wirst du nicht viel davon merken, dass das Land einst unter britischer Kolonialherrschaft stand. Hier musst du wahrscheinlich hin und wieder wild gestikulieren.

Seit mehreren Jahren schon boomt der Tourismus in Südostasien. Im Gegensatz zu Thailand bleibt mir Malaysia jedoch als angenehm „unüberlaufen“ in Erinnerung. Der westliche Einfluss manifestiert sich hier statt in Touristenmassen eher in einer hohen Dichte von Starbucks- und McDonalds-Filialen. Ein angenehmer Kompromiss, wie ich finde.

Bunt beleuchtete Rikschas auf den nächtlichen Straßen von Malakka in Malaysia

Wenn du Malaysia auf eigene Faust als Alleinreisender oder gemeinsam mit einem Reisepartner entdecken möchtest, habe ich dir im Folgenden ein paar nützliche Hinweise zusammengestellt.

Der Islam ist nicht omnipräsent, aber spürbar.

Ich bin kein gläubiger Mensch, habe aber auch keinerlei Probleme mit gläubigen Menschen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich der in Malaysia vorherrschenden Religion anfangs eher skeptisch begegnete. Nachdem ich unheimlich positive Erfahrungen mit lebensfrohen Thais und zurückhaltenden, aber umso freundlicheren Vietnamesen sammeln durfte, wusste ich nicht so recht, wie der Islam und Südostasien zusammenpassen sollten.

Meine Bedenken stellten sich als unbegründet heraus, denn die Menschen in Malaysia sind so freundlich und hilfsbereit wie man es sich nur wünschen kann. Die Religion macht sich in Form von vielen Moscheen und den Kopftüchern der Frauen bemerkbar, ist ansonsten aber kaum der Rede wert. Bedenke trotzdem, dass übermäßiger Alkoholkonsum oder offensichtliche Liebesbekundungen vor allem in ländlichen Regionen nicht gerne gesehen sind. Tipp: Wenn es statt zwei mal zwanzig Bier werden sollen, tobe dich am besten in einem Backpacker-District, z.B. in Kuala Lumpur oder Georgetown, aus.

Laut meiner malaysischen Freunde befindet sich die Bevölkerung in einem Prozess des Umdenkens, der je nach Region unterschiedlich weit fortgeschritten ist. Während in Kuala Lumpur und Malakka bereits homosexuelle Paare Hand in Hand durch die Innenstadt spazieren, werden in Kota Bharu noch Frauen verhaftet, weil sie zu kurze Röcke tragen. Merke: Im Zweifelsfall ist Vorsicht besser als Nachsicht um heikle Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen.

Passe dich vor allem im Norden des Landes an die streng konservativen Konventionen an.

Im Staat Kelantan und seiner Hauptstadt Kota Bharu herrschen die strengsten islamischen Gesetze des Landes. Beispielsweise ist es dort wohl Vorschrift, im Supermarkt in nach Geschlechtern getrennten Schlangen anzustehen. Zu auffälliges Make-Up oder hohe Schuhe sind Frauen verboten und auch bei Touristen nicht gerne gesehen.

Verlassene Straße nahe dem Zentrum von Ipoh in Malaysia

Wo solche, für uns unverständliche Regeln gelten, sollte man immer Vorsicht walten lassen um sich nicht angreifbar zu machen. Küsse, Händchenhalten oder zu kurze Hosen werden in dieser Region schnell problematisch. Bereite dich entsprechend vor, passe dich an und entgegne jedem abwertenden Blick mit einem freundlichen Lächeln.

Genieße den nicht vorhandenen Partytourismus.

Wie schon eingangs erwähnt, ist Malaysia zwar ein beliebtes Reiseziel, aber längst nicht so überlaufen wie Thailand. Strände voller Cocktailbars oder Stadtviertel, in denen 24 Stunden am Tag lärmend gefeiert wird, wirst du in Malaysia nicht finden. Durch die konservative Nationalreligion ist die Gefahr, dass sich das Land zukünftig zu einer Hochburg des Partytourismus entwickelt, verschwindend gering. Eine angenehme Nebenwirkung für introvertierte Reisende, wie ich finde.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.