Being weird in Vietnam

Südostasien ist ein Paradies für junge Backpacker. Die Leute sind freundlich, Wetter und Klima sorgen meist für gute Laune und – das Wichtigste überhaupt für jeden Abiturienten oder Studenten – alles ist unheimlich günstig. Entsprechend viele Rucksacktouristen zwischen 18 und 30 sind auch in Vietnam unterwegs. Die meisten jungen Reisenden, die ich getroffen habe, waren in kleinen Gruppen oder mit Freund/Partner unterwegs, aber auch Alleinreisende trifft man zuhauf.

Während sich viele über den regen Austausch (Informationen, Erfahrungen, Körperflüssigkeiten usw.) mit anderen Europäern gleichen Alters freuen, keine Party auslassen und von einem Backpacker-Pubcrawl zum nächsten hechten, versuche ich diese Kultur möglichst zu meiden, da ich sie nicht mag. Solltest du aus welchen Gründen auch immer ebenso gepolt sein wie ich, möchte ich dir an dieser Stelle einige Hinweise für das Reisen in Vietnam mitgeben:

Meide Unterkünfte, die sich auf den Hotelportalen explizit als „Party-Hostel“ ausgeben.

Beste Lage, günstigster Preis, gute Bewertungen – viele Party-Hostels klingen verlockend. Wenn du allerdings nicht an neuen Kontakten, einem Reisepartner oder Gesellschaft generell interessiert bist, bist du hier falsch. Zudem gibt es irgendwo direkt neben dir immer dieses eine Zimmer, wo bis 4 Uhr nachts Musik aus den Boxen pumpt und mit steigendem Alkoholpegel der Bewohner auch der Geräuschpegel zunimmt. Gehe lieber einen kleinen Kompromiss bei der Lage ein, du findest mit Sicherheit ruhigere Hostels in der gleichen Preisklasse. Ein Blick in die Rezensionen lohnt sich ebenfalls!

Sag ab, wenn du keine Lust auf etwas hast.

„Kommst du noch mit in die Bar um die Ecke?“. Die vier Augenpaare deiner Dorm-Mitbewohner ruhen auf dir und man erwartet in den nächsten Sekunden eine Antwort. Bevor du Gedanken wie „Was mögen die von mir halten, wenn ich um 21 Uhr pennen gehe“ zulässt, solltest du dir vor Augen führen, dass du deine jetzigen Mitbewohner ab dem morgigen Tag wahrscheinlich nie wieder sehen wirst. Für viele ist dieses Verhalten selbstverständlich, für mich war es das nicht.

Und zu guter Letzt: Gib anderen (deutschen) Backpackern eine Chance.

Gerade unter deutschen Backpackern scheint die Abneigung gegenüber anderen Landsleuten sehr ausgeprägt zu sein. „Where are you from?“ – „Germany“ – „Ah klar, woher auch sonst..“ habe ich in verschiedenen Variationen öfter gehört. Ich kann mich selbst nicht von dieser anfänglichen Abneigung freisprechen – auch ich würde das Gespräch mit Neuseeländern, Brasilianern oder Taiwanesen einem Smalltalk mit Typen aus Hamburg, München oder Kölle vorziehen. Leider hat sich mein erster Eindruck oft bestätigt, aber es gab auch Ausnahmen. In Vietnam gilt das besonders für Didi, einen Deutschen aus Konstanz, mit dem ich mich mehrfach gut unterhalten und verhältnismäßig viel Zeit verbracht habe. Daher mein Ratschlag: Ein kurzes Gespräch bringt dich nicht um und hilft dir dein Gegenüber richtig einzuschätzen – solltest du nach wenigen Minuten genug haben, siehe #2.

Honda Win Motobike auf einer Überlandpassage vor Mui Ne in Vietnam

Was den Kontakt zu den Einwohnern angeht, so solltest du als freundlicher, höflicher, und eher zurückhaltender Europäer nirgendwo anecken. Ganz im Gegenteil: Ich vermute, dass eine ruhige Art dort als deutlich angenehmer wahrgenommen wird, als eine laute. Die Vietnamesen, die ich während meiner Reise kennenlernen durfte, würde ich fast ausschließlich als sehr freundlich und hilfsbereit, jedoch reserviert bezeichnen. Im Vergleich zum extrovertierten, schrillen und offenherzigen Thailand wirst du Vietnam erst auf den zweiten Blick als „Land des Lächelns“ kennenlernen. Tipp: Recherchiere vor deiner Reise in jedem Fall, welche No-Go’s in Vietnam gelten, damit du nicht versehentlich jemanden beleidigst oder beschämst.

In Sachen Freizeitgestaltung bieten vor allem Saigon und Hanoi alles, was eine normale Großstadt so zu bieten hat: Kinos, Einkaufszentren, Parks, CBD, Guided Walking Tours und vieles mehr. Dass sich Wanderungen und ausladende Spaziergänge in Vietnam eigentlich immer lohnen, versteht sich wohl von selbst.

In Hanoi und Saigon wurde ich während meiner Spaziergänge in Parks oder auf öffentlichen Plätzen mehrmals von einzelnen Schülern, Studenten oder ganzen Lerngruppen angesprochen, die ihr Englisch durch Gespräche mit Ausländern verbessern wollen. Die jungen Vietnamesen sind unglaublich freundlich und freuen sich wahnsinnig, wenn du dir ein paar Minuten Zeit nimmst um ihnen zu sagen wer du bist, was du machst und wie toll du ihr Land findest. Mit einigen Studenten stehe ich heute noch über Facebook in Kontakt und bekomme immer mal wieder Updates über den Fortschritt des Studiums, neue Reisepläne oder sonstige Ereignisse.

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