Roadtrip Florida – Tagebuch

Im Folgenden findest du eine detaillierte Schilderung unserer Erlebnisse in Florida. Viel Spaß beim Lesen! Falls du etwas Bestimmtes suchst, kannst du die einzelnen Kapitel auch über die Schnellauswahl ansteuern:

Tag 1 – Dicke Autos und dicke Frauen
Tag 2 – Destination Shrimp Road
Tag 3 – Sonne, Seafood und Schlangen
Tag 4 – Meet the Zwiebels
Tag 5 – Tampa Bay Besucheers
Tag 6 – Das größte Motorradtreffen der Welt
Tag 7 – Raketenwissenschaft
Tag 8 – Auf den Spuren von Shepard Fairey

Tag 1 – Dicke Autos und dicke Frauen

Abflug mit Eurowings in Köln, abends Ankunft in Miami. Nach der Abfertigung durch einen grummeligen Beamten nehmen wir die Magnetschwebebahn um vom Flughafen zum Mietwagenterminal zu gelangen. Dort angekommen stehen wir eine Ewigkeit bei Hertz an, bis wir schließlich auch dort abgefertigt werden und den Schlüssel zu unserem weißen Mustang Cabrio überreicht bekommen. Nach mehrfachem Koffer-Tetris geht dann auch die Klappe des winzigen Kofferraums zu und wir starten Richtung Miami Beach.

Ich klappe das Verdeck runter, fahre den Mustang aus dem Parkhaus und trete neugierig das Gaspedal auf den Boden. Schon  nach wenigen Metern stellen wir fest, dass wir mit dem Motor – obwohl es sich nur um den 3.7 Liter V6 handelt – in den nächsten Tagen viel Spaß haben werden. Das Verkehrsaufkommen in Miami ist an diesem späten Donnerstagabend erfrischend niedrig und so genießen wir den kühlen Fahrtwind, bis wir in Miami Beach ankommen. Dort wird es schnell hektisch. Blinkende Verkehrsschilder weisen auf den gerade stattfindenden Spring Break und gesperrte Straßen hin.

Nach einem kurzen Stau erreichen wir den total überfüllten Ocean Drive und bereuen es sofort, uns kein Hostel etwas weiter außerhalb gebucht zu haben. Im Schritttempo fahren wir an diversen Ferraris, Rolls Royces und Bentleys vorbei und lassen hinter einem BMW M3, der mehrere Meter lange schwarze Streifen auf die Straße radiert, auch mal den Motor aufheulen – mit über 300 PS unter der Haube muss sich der Mustang hier nicht verstecken.

Entgegen der Angabe auf Booking.com verfügt das Ocean Blue Hostel über keinen eigenen Parkplatz. Da wir uns nicht über Parkplätze in der Gegend informiert haben, machen wir uns entnervt auf die Suche nach einem Stellplatz für unser Cabrio. Wie du dir denken kannst, sind die Parkgebühren in der Nähe des Ocean Drive erfrischend günstig – und so stellen wir den Mustang schließlich für schmerzhafte 40 USD pro Nacht ein paar Häuserblocks weiter ab.

Ziemlich fertig checken wir gegen 23 Uhr ein und gönnen uns erstmal ein paar Bier und eine Shisha in der Hostelbar, direkt am Bürgersteig des Ocean Drive. Den Rest des Abends verbringen wir damit, die überwiegend fettleibigen, leicht bekleideten Damen und Herren unseres Alters zu beobachten, die hier so unterwegs sind. Nachdem wir noch eine halbe Stunde über den Strip flanieren, haben wir genug von all den Supersize-Barbies und gehen um kurz nach 1 Uhr in unserem Dorm pennen.

Tag 2 – Destination Shrimp Road

Wir stehen um 7 Uhr auf, packen unsere Sachen und machen uns auf zum Parkhaus. Dort checken wir den Mustang aus und fahren zu einem Autoteile-Händler in der Nähe des Flughafens von Miami. Die zehn Meilen ziehen sich ewig hin, da wir neben dem normalen Berufsverkehr an einem Freitagmorgen auch noch mit einem Unfall an einer Kreuzung vor uns konfrontiert werden.

Schließlich erreichen wir das 4×4-Cartell und lernen den Besitzer Bayo und die Sekretärin Brittany, deren Mann aus Heidelberg stammt, kennen. Ich möchte zwei spezielle Endschalldämpfer für meinen amerikanischen Oldtimer kaufen, die die Beiden jedoch leider nicht auf Lager haben. Während Brittany recherchiert und verschiedene Zulieferer anruft, unterhalten wir uns eine Dreiviertelstunde mit Bayo über Autos, Deutschland, Florida und Tattoos. Nachdem Brittany mir verspricht, dass die Objekte meiner Begierde spätestens nächsten Mittwoch abgeholt werden können, verabschieden wir uns herzlich und verlassen den Laden.

Einer Empfehlung von Bayo folgend frühstücken wir anschließend eine Riesenportion Eier, Speck, Pommes und Brot im Coral Café direkt um die Ecke. Bevor wir gehen unterhalten wir uns noch ein paar Minuten mit dem sehr freundlichen, kubanischen Kellner und bekommen einen süßen, kubanischen Espresso als Wegzehrung geschenkt.

Gegen 11 Uhr machen wir uns schließlich auf zu unserem heutigen Tagesziel: Key West. Wir halten noch kurz an einem großen Whole Foods um uns mit Wasser und Snacks für die Fahrt einzudecken, danach fahren wir fünf Stunden lang über den Overseas Highway. Unterwegs stoppen wir immer wieder mal um die Aussicht über den strahlend blauen Ozean und die Inseln, die von dem Highway miteinander verkettet werden, zu genießen.

Eine Mahlzeit im Burger King (Wenn man in Rom ist…) und viele Kickdowns später kommen wir in der 6729 Shrimp Road an – wo wir uns über Airbnb in der Unterkunft eines gewissen Frankies eingemietet haben. Wie abgemacht rufen wir unseren Gastgeber an und kurz darauf schließt uns eine kleine, alte Dame die Tür zu unserem Apartment auf. Sie spricht sehr schlechtes Englisch, gibt uns aber mit Händen und Füßen zu verstehen, dass sie irgendwie mit Frankie verwandt ist.

Da die Shrimp Road einige Kilometer von Stadtzentrum entfernt liegt, beschließen wir die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Nach einer kurzen Recherche stellen wir jedoch fest, dass wir den letzten Bus vor wenigen Minuten verpasst haben, und so machen wir uns zu Fuß auf. Laut dem Navi meines Freundes soll die Strecke in einer Stunde zu bewältigen sein.

Als wir nach einer Stunde gut die Hälfte der Strecke geschafft haben, wird es uns zu blöd und wir halten ein Taxi an. Das Angebot der Taxifahrerin uns im Gay-District abzusetzen lehnen wir freundlich ab, und so kommen wir nach kurzer Zeit in der Duval Street an. Sie stellt das touristische Zentrum (der heterosexuellen Besucher) von Key West dar und beherbergt eine Fülle an Restaurants, Bars, Nachtclubs und Souvenirshops.

Den Abend verbringen wir damit, unser Geld erst im Senór Frogs und anschließend im Fat Tuesday zu verprassen. Irgendwann nach Mitternacht rufen wir uns ordentlich angetrunken ein Taxi und fahren zurück in die Shrimp Road. Der Taxifahrer bekommt sich nicht mehr ein als wir ihm erzählen, dass wir uns dort über Airbnb eingemietet haben – denn offenbar ist die Shrimp Road eine Sozialbausiedlung. Wir lachen lauthals mit obwohl wir nicht recht verstehen was so lustig ist und einfach nur ins Bett wollen.

Tag 3 – Sonne, Seafood und Schlangen

Ich werde um kurz nach 7 Uhr mit leicht dröhnendem Schädel wach. Mein Reisepartner ist scheinbar seit 4 Uhr wach, da ihm das Bett zu weich ist. Wir bleiben noch bis 9 Uhr liegen, nüchtern aus und gucken Mockingjay 1 im Fernsehen. Anschließend verabschieden wir uns von der netten Gastgeber-Oma und lenken den Mustang ins Zentrum von Key West. In dem tropisch eingerichteten Harpoon Harry’s Restaurant essen wir ein deftiges Katerfrühstück und fühlen uns danach gleich etwas besser.

Es folgt ein langer Spaziergang durch Key West: Zuerst besuchen wir den Southernmost Point of the U.S. und machen die obligatorischen Fotos an der großen, bemalten Boje. Anschließend schlendern wir quer durch die Stadt und erreichen den Garten des Key West Garden Clubs, in dem wir uns eine Viertelstunde lang Bäume angucken. Nach einem kurzen Abstecher an den Strand führt uns die White Street wieder ins Stadtzentrum. Unterwegs kaufen wir uns immer mal wieder eisgekühltes Wasser, da die Sonne unglaublich brennt und kaum eine Wolke am Himmel zu sehen ist.

Kurz nach Mittag klappen wir das Verdeck am Mustang runter und verlassen Key West. In Marathon, ca. eine Stunde von Key West entfernt, stoßen wir auf eine Straßensperre und ein ungewöhnlich hohes Verkehrsaufkommen – hier findet heute das alljährliche Marathon Seafood Festival statt. Spontan parken wir den Mustang vor einem Baumarkt in der nächsten Nebenstraße und machen uns – gut eingecremt – auf zum Gelände. Für 5 USD Eintritt bekommen wir jede Menge Essensstände mit lokalem Seafood, eine kleine Bühne mit Live-Musik und eine Souvenirmeile geboten. Wir entscheiden uns für je einen Conch-Salad mit Crackern und mein Freund nutzt die Gelegenheit der Stunde, um sich einen gerahmten Schriftzug der Green Bay Packers zu kaufen. Wir realisieren leider erst nach dem Kauf, dass der Schriftzug recht lang ist – und unsere Koffer nicht.

Am späten Nachmittag halten wir nochmal kurz, weil ich einen gutaussehenden 1966er Ford Thunderbird am Straßenrand entdecke. Das gleiche Auto restauriere ich in Deutschland schon seit mehreren Jahren. Wir machen ein paar Fotos und fahren anschließend gut gelaunt weiter. Als es dämmert erreichen wir Miami und genießen es, mit offenem Verdeck und bei perfektem Wetter durch die Straßen der Großstadt zu fahren.

Der Verkehr in Miami Beach ist an diesem Samstagabend noch extremer als an unserem ersten Tag, und wir sind froh, dass wir den Ocean Drive nicht noch einmal abfahren müssen. Um nicht wieder 40 USD fürs Parken zahlen zu müssen, haben wir in Key West recherchiert und finden schnell das gesuchte Parkhaus, welches uns max. 20 USD pro Tag kostet.

Danach folgt in etwa der gleiche Ablauf wie zwei Tage zuvor: Einchecken, duschen, Shisha und Bier in der Hostelbar, dicke und leichtbekleidete Leute beobachten, häufiges Kopfschütteln und der abschließende Spaziergang. Heute fallen uns einige Leute auf, die echte Schlangen um den Hals tragen und diese angeberisch zur Schau stellen. Hin und wieder fallen die Schlangen dabei auf den Boden oder werden in der Menschenmenge unsanft hin und her gezogen – ganz klar Tierquälerei. Dieser zweite Abend bestätigt die Vermutung vom ersten Abend: Miami Beach ist absolut nicht unser Ding.

Tag 4 – Meet the Zwiebels

Um 6 Uhr stehen wir auf und stellen verwundert fest, dass es scheinbar eine Zeitumstellung gab. Wir checken erst im Hostel, dann im Parkhaus für faire 12 USD aus und starten mit dem Mustang Richtung Everglades – heute liegt ein anstrengender Tag und eine weite Reise vor uns.

Wir halten nur kurz in den Suburbs für ein amerikanisches Frühstück und erreichen ohne weitere Stops Everglades City gegen 10:30 Uhr. Während der Fahrt hierher hat sich die Landschaft um uns herum merklich gewandelt: Palmen sind nach und nach den typischen Mangroven gewichen und es ist generell sehr viel ländlicher als auf den Keys oder rund um Miami. Das Klima ist erträglich – zwar immer noch heiß, aber nicht schwül, wie man es in den Everglades vielleicht erwartet hätte. Wie wir später von Robert erzählt bekommen, haben wir uns mit März die beste Zeit für einen Besuch dieser Region ausgesucht.

In der Kleinstadt mit 587 Einwohnern – wie ein Schild bei der Einfahrt verkündet – parken wir den Mustang vor Captain Jacks Airboat Tours und kaufen uns Kombi-Tickets für eine Fahrt mit dem Propellerboot, eine Fahrt mit einem Swampbuggy und dem Zutritt für ein nahegelegenes Tiergehege zu je 62 USD. Eine halbe Stunde später stehen wir frisch eingecremt an der Airboat Ablegestelle und bekommen dort die Möglichkeit, einen Baby-Alligator auf den Arm zu nehmen – eine tolle Erfahrung.

Wenig später rasen wir mit Captain Al und seinem Airboat durch die Mangrovenwälder. Gekonnt fängt er den Kahn jedesmal kurz vor den Wurzeln der Bäume ab, so dass der Nervenkitzel bei diesem Ritt nicht zu kurz kommt. Während einer langsamen Passage sehen wir sogar ein paar Waschbären, bevor der V8 des Airboats wieder für Vortrieb sorgt und uns um die nächste Kurve fliegen lässt. Als wir mit leicht wackligen Beinen aussteigen, werden wir von einem älteren Pärchen angesprochen, das ebenfalls auf unserem Boot saß. Die beiden haben mitbekommen, dass wir Deutsche sind, und stellen sich als Mr. und Mrs. Zwiebel – „Suieberl, German word for onion“ – vor. Sie haben deutsche Vorfahren und waren auch schon ein paarmal in Deutschland, außerdem fahren sie einen 2006er Mustang, so dass sich auf Anhieb passende Gesprächsthemen ergeben.

Nach einigen Minuten Smalltalk und der Aussage von Mr. Zwiebel, er und seine Frau würden immer von ihren Freunden gehänselt wenn es Zwiebelsuppe gäbe – „dey givin‘ us a hard time about onion soup“ – schaffen wir es gerade noch uns freundlich zu verabschieden und im Mustang zu verschwinden, bevor es aus uns herausbricht und wir uns unter Tränen immer wieder gegenseitig Mr. Zwiebel zitieren. Situationskomik, ich hoffe du verstehst.

Nach dieser freudigen Begegnung fahren wir ein paar Kilometer bis zu Wootan’s Airboat & Swampbuggy Tours und treffen dort unseren Guide Robert. Er fährt uns auf dem gut motorisierten Buggy, der einer überdimensionierten Hebebühne ähnelt, eine halbe Stunde lang über trockenes Sumpfgebiet und durch die angrenzenden Wälder. Während der Fahrt sehen wir einen jungen Schwarzbären, einige große Vogelnester und auf unsere bedenklich rot werdenden Arme. In dem Tiergehege, das als „Animal Sanctuary“ ausgelobt wird, halten wir uns nur kurz auf – der Zustand der desolaten Löwen und aufgekratzten Waschbären schlägt auf die Stimmung. Auch der obligatorischen Alligatorenshow wohnen wir nur kurz bei.

Als wir Wootan’s verlassen, wird die Kreditkarte meines Reisepartners plötzlich nicht mehr anerkannt. Wir schieben es auf den Automaten und beschließen, es an der nächsten Tankstelle mit ATM noch einmal zu versuchen. Als sie auch dort nicht funktioniert, telefoniert er hin und her und bekommt von der Sparkasse schließlich den Tipp, es mal am Geldautomat einer Bank zu versuchen, nicht an einem der unabhängigen ATMs. Als der Automat einer nahe gelegenen Wells Fargo Filiale schließlich die ersehnten Scheine ausspuckt, ist die Erleichterung groß. Tipp: Falls es dir im Ausland mal ähnlich ergehen sollte und deine Kreditkarte nicht mehr funktioniert, gehe genauso vor.

In der Abenddämmerung erreichen wir nach weiteren 350 Kilometern Tampa, unser heutiges Tagesziel. Wir parken in einem Wohngebiet, direkt vor unserer Bleibe für heute Nacht: Ein kleines Hostel mit Hippie-Charakter namens Gram’s Place.

Beim Einchecken werden wir Zeuge einer seltsamen Szene: Ein Polizist und eine Frau verladen einen Mann mit sanfter Gewalt in einen vor dem Hostel geparkten Rettungswagen. Von der Frau, die sich als Hostelmutter Ronda vorstellt, erfahren wir später, dass es sich bei dem handlungsunfähigen Mann um einen allseits bekannten Junkie handele – ah ja. Ansonsten kann das kleine Hostel aber glänzen: Das Grundstück ist liebevoll umgebaut, dekoriert und bemalt, so dass es eher an die Villa Kunterbunt als an ein Gasthaus erinnert. Im Supermarkt um die Ecke kaufen wir noch ein paar Bier und setzen uns damit auf die mit Lichterketten behangene Veranda im Gram’s. Anschließend beziehen wir Quartier im Train Room (Bettbezüge mit Thomas der Lokomotive, kein Scheiß) und legen uns schlafen.

Tag 5 – Tampa Bay Besucheers

Um 7 Uhr klingelt der Wecker und wir starten mit einer Pfanne voll Rührei und zwei Tassen wässrigem Kaffee in den Tag. Während unserem Frühstück werden wir von einem älteren, etwas verwahrlost aussehenden Schweden angesprochen und hören uns eine Viertelstunde lang seine Meinung über Mietwagen und die komplizierte Kommunikation mit Hertz an. Generell fällt uns auf, dass im Gram’s einige recht seltsam aussehende Gestalten umherwuseln. Auch das Durchschnittsalter der Hostelgäste ist deutlich höher als üblicherweise.

Nach dem Frühstück gibt uns unser Hostelvater noch einige Tipps und Empfehlungen zu Reisezielen in der Region. So empfiehlt er z.B. Disney Springs, eine Mischung aus Einkaufsmeile und Vergnügungspark, die aber im Gegensatz zu allen anderen Freizeitparks kostenlos besucht werden kann. Für Reisende, die keine 150 USD für ein Parkticket lösen möchten (wir), eine nette Alternative.

Anschließend holt der gute Mann noch seine Handkreissäge aus dem Schuppen und sägt grinsend den Packers-Schriftzug meines Freundes in zwei Teile. Die Story von dem nicht-in-den-Koffer-passenden Souvenir hat ihm wohl gut gefallen – oder er mag die Packers nicht.

Nachdem wir uns herzlich verabschieden packen wir unseren Kram und fahren zum Raymond James Stadium – dem Stadion des NFL-Teams Tampa Bay Buccaneers. Vor Ort erfahren wir von einem Wachmann, dass es heute eine Stadionführung gibt, die allerdings erst um 14:30 Uhr stattfinden wird. Wir bedanken uns für die Info und steuern nach kurzer Google-Recherche – „Things to do in Tampa“ – das Florida Aquarium in Hafengegend an. Für je 25 USD lösen wir zwei Tickets und verbringen anderthalb Stunden zwischen Fischen, Korallen und anderen Meeresbewohnern. Das Aquarium ist ganz nett, aber nichts besonderes: Wenn man bereits ein größeres Sea Life besucht hat, wird man wohl kaum ins Staunen geraten.

Nach einem Mittagessen im Hooters (Wenn man in Rom ist…) ist es dann auch schon 13:30 Uhr und wir parken zum zweiten Mal vor dem Stadion der Buccaneers. Tipp: Die Stadiumtour kostet nur 7 USD pro Person und ist mit diesem Schnäppchenpreis ein echter Geheimtipp, vor allem wenn du dich für Football interessierst. Von den „Katakomben“ geht es in den VIP-Bereich, wo wir eine der teuersten Privatlounges (Jahresmiete im sechsstelligen Bereich) begutachten und in den Ledersesseln probesitzen dürfen. Anschließend werden wir durch den Locker-Room, die stadioneigenen Gefängniszellen sowie zum Piratenschiff und natürlich auf den Rasen geführt.

Da wir den kommenden Tag in Daytona Beach verbringen wollen, starten wir nach der Stadiumtour Richtung Orlando. Am frühen Abend passieren wir die ersten Vergnügungsparks, die das schillernde „Tourist Capital of the U.S.“ ankündigen. Etwa 15 Meilen vor Orlando fahren wir vom Highway 4 ab und suchen uns eine Bleibe für die Nacht.

Wie wir in dem ersten, ausgebuchten Hotel erfahren, findet in Orlando gerade eine Messe statt – schlechte Karten für Kurzentschlossene. Allerdings haben wir schon bei unserem zweiten Versuch Glück und bekommen im Days Inn Orlando Convention Center das letzte freie Zimmer für 112 USD. Wir checken ein, schauen noch ein bisschen WWE im Fernsehen und gehen gegen kurz von 23 Uhr ins Bett.

Tag 6 – Das größte Motorradtreffen der Welt

Wir stehen gegen 8 Uhr auf und frühstücken ausgiebig im International House of Pancakes, das direkt an die Hotellobby angrenzt. Anschließend checken wir aus und starten mit dem Mustang Richtung Disney Springs, der Empfehlung unseres Hostelvaters aus Tampa folgend.

Dort angekommen parken wir in einem der unzähligen Parkhäuser und schlendern ein bisschen über das Gelände. Tatsächlich finden sich hier zahlreiche Kaufhäuser, Restaurants und Modeboutiquen, denen ein vergnügungsparkähnliches Gewand übergeworfen wurde. Wir besuchen unter anderem den LEGO-Store, das Rainforest Café und den größten Disney-Store der Welt. Weil wir heute noch ein bisschen was vorhaben, zieht es uns gegen 10:30 Uhr wieder zum Parkhaus und wir fahren weiter Richtung Daytona Beach, wo wir kurz nach Mittag ankommen.

Rund um den International Speedway werden wir von einem immensen Verkehrsaufkommen überrascht. Unzählige Motorräder tummeln sich auf den Straßen und kommentieren jede grün werdende Ampel mit einem Donnergrollen aus ihren verchromten Auspuffen. Wir parken hinter dem Speedway und sehen bei der Einfahrt, dass hier gerade die Bike Week – offenbar das größte Motorradtreffen der Welt – stattfindet.

Bevor wir durch die Händler- und Ausstellermeile spazieren, kaufen wir uns an der Kasse Karten für das heute stattfindende Event: Die ATV Fly Racing SX Series – eine Quadmeisterschaft. Über einige Umwege gelangen wir schließlich in den Innenbereich des Daytona Tri-Ovals und gehen eine gute Dreiviertelstunde bis zu der aufgeschütteten Offroad-Rennstrecke, auf der die ATV später fahren. Während uns alle anderen Besucher in ihren Pickups überholen wird uns bewusst, dass wir vielleicht die ersten Menschen sind, die diese Strecke zu Fuß zurücklegen. Wie so oft in den USA – dem Land der Drive-Thru-Bankautomaten – geht hier niemand, wenn man auch fahren kann.

Wir schauen uns ein paar Qualifikationsläufe und das Hauptrennen über 15 Runden an, werden Zeuge einiger spektakulärer Überschläge und bereuen es, die Sonnencreme im Auto gelassen zu haben. Nach dem Spektakel treten wir den Rückweg an und werden nach wenigen Metern von einem gutmütigen Samariter in einem Golfcart für Altersschwache aufgelesen und mitgenommen – das lasse ich mal unkommentiert.

Zurück auf dem Gelände der Bike Week schauen wir uns die vielen Motorräder an, bevor wir Daytona Beach am späten Nachmittag verlassen und Cape Canaveral ansteuern. Gegen 19 Uhr erreichen wir Cocoa Beach und versuchen unser Glück noch einmal im ortsansässigen Days Inn. Dort bekommen wir wieder eines der letzten freien Zimmer, diesmal jedoch eine Smokers Lounge. Naja, es gibt Schlimmeres. Wir checken ein, lüften erstmal ordentlich durch und essen anschließend im Pelican’s Bar & Grill auf dem Cocoa Beach Pier zu Abend.

Auf die Frage, wo man denn heute Abend noch was Trinken gehen könnte, empfiehlt uns ein Kellner die Sand Bar, etwa einen Kilometer die Straße runter. Dort angekommen genehmigen wir uns ein paar Drinks und kommen mit einigen Amis ins Gespräch, bevor wir irgendwann nachts betrunken in unsere Betten fallen.

Tag 7 – Raketenwissenschaft

Gegen 9:30 Uhr werden wir vom Hunger geweckt. Auf dem Weg zum Pelican’s Bar & Grill unterhalten wir uns über Gedächnislücken, bevor uns ein feines Katerfrühstück in Form zweier fettiger „Hangover-Burger“ serviert wird. Wir lassen uns Zeit und bleiben länger auf dem malerischen Pier sitzen, als wir eigentlich vorhatten.

Anschließend checken wir aus und fahren ins nahe gelegene Kennedy Space Center. Dort kommen wir gegen 11:30 Uhr an und parken unser Cabrio auf dem überteuerten, dazugehörigen Parkplatz. Anschließend kaufen wir uns für jeweils 50 USD Eintrittskarten für den Park. Weil wir die Abschussrampen und das riesige NASA-Gebäude sehen wollen, kaufen wir uns zusätzlich für jeweils 25 USD zwei Karten für eine „Special Interest Tour“ dorthin. Diesen Kauf sollten wir noch bereuen, doch dazu später mehr.

Zuerst schauen wir uns eine kleine Ausstellung über Flora und Fauna im Cape Canaveral Wildlive Reserve an. Wie vermutlich einige Besucher wussten auch wir nicht, dass sich das Raketenabschussgelände mitten in einem Naturschutzgebiet bzw. Wildtierreservat befindet. Kerosintriebwerke und Brutstätten passen meiner Meinung nach auch irgendwie nicht so recht zusammen, aber die Amis werden schon wissen was sie machen.

Der zweite Stop führt uns zu einer (noch) fiktiven Ausstellung über die Reise zum Mars, in der man sich am Simulator an einem Andockvorgang versuchen kann. Nachdem ich Kapsel und Raumstation erfolgreich in die Luft jage steht eine IMAX-Vorstellung der Doku „Beautiful Earth“ an. Eine Dreiviertelstunde und viele überwältigende Aufnahmen später machen wir uns auf zum Treffpunkt für unsere „Special Interest Tour“.

Am Treffpunkt stellen wir verwundert fest, dass es eine Schlange für die reguläre Tour zu den Abschussrampen und eine, sehr viel kürzere, Schlange für die „Special Interest Tour“ gibt. Wenig später klärt uns unser persönlicher Tourguide auf: Da wir nicht genug von Raketen bekommen können, haben wir uns für diese zweistündige (!) Tour durch das NASA-Gelände entschieden. Es warten jede Menge Hintergrundfakten zur Geschichte der Raumfahrt, zu unzähligen Raketentypen und zu den verschiedenen Abschussrampen auf uns. Im Nachhinein kann ich darüber lachen, aber damals war uns eher nach Weinen zumute. Tipp: Die reguläre, 20-minütige Tour ist übrigens im Eintrittspreis des Kennedy Space Centers enthalten.

Da wir noch immer ziemlich verkatert vom Vorabend sind, bleiben wir oft im Bus sitzen und dösen, während langhaarige Raketen-Nerds und genervte Väter mit ihren Junior-Astronauten draußen entlegene Abschussrampen betrachten. Zwei lange Stunden später werden wir wieder am Kennedy Space Center abgesetzt und machen uns sofort auf Richtung Ausgang – genug Raketenwissenschaft für heute.

Gegen 17:30 Uhr werfen wir den Mustang an und starten in die letzte, lange Etappe unseres Roadtrips: 350 Kilometer von Cape Canaveral zurück nach Miami. Unterwegs essen wir eine sehr salzige Portion amerikanisiertes, italienisches Essen in einem Olive Garden Restaurant und biegen einmal falsch ab, was einen Umweg von 60 Meilen zur Folge hat. Um 0:30 Uhr erreichen wir Miami Beach und parken in dem uns bereits bekannten Parkhaus. Wir versuchen den Trubel auf dem Ocean Drive so gut es geht zu ignorieren, checken ein letztes Mal in einem versifften Mehrbettzimmer im Ocean Blue Hostel ein, gehen duschen und anschließend sofort ins Bett.

Tag 8 – Auf den Spuren von Shepard Fairey

Wir stehen um 7 Uhr auf, packen unsere Sachen und fahren anschließend zum 4×4-Cartell – der Autowerkstatt, wo ich meine Endschalldämpfer bestellt habe. Dort angekommen teilen uns Bayo und Brittany mit, dass es Probleme mit dem Lieferanten gibt und die Teile leider nicht angekommen sind. Schön, großen Koffer umsonst mitgenommen.

Wir berichten noch kurz über den Verlauf unserer Reise, verabschieden uns und gehen anschließend ein zweites Mal im Coral Café frühstücken. Es folgt ein Besuch der Miami Downtown Bayside, einer Flaniermeile in Central Miami, wo wir uns eine gute Stunde aufhalten.

Danach fahren wir in ein Viertel namens Wynwood. Derek, den ich im Vorjahr am Flughafen von Saigon kennengelernt habe und der in Miami studiert, hat es mir als Geheimtipp empfohlen. Wir parken unser Cabrio auf einem Schotterplatz, klappen das Verdeck zu und machen einen kleinen Spaziergang. Wynwood ist ein sehr alternatives Künstler- und Studentenviertel, das vor allem für seine großflächigen Fassadenkunstwerke bekannt ist. Schon nach wenigen Metern entdecken wir die ersten Graffiti, die bald sämtliche Hauswände in der Umgebung verzieren. Die Stile der Künstler variieren stark, aber alle Werke zeugen von sprudelnder Kreativität und hohem handwerklichen Können – mit Schmierereien hat diese Straßenkunst nichts zu tun.

Schade, dass wir Wynwood erst an unserem letzten Tag für uns entdeckt haben – hier hätten wir vermutlich deutlich bessere Abende gehabt als an dem überlaufenen Ocean Drive. Eine gute Stunde später verlassen wir das Viertel wieder und legen einen letzten Stopp in der Dolphin Mall ein, die eine der größten Malls in Florida darstellt. Dort findet man nahezu alles was das Herz begehrt – unter Anderem eine schöne neue Kappe der Tampa Bay Buccaneers.

Die neue Kopfbedeckung kann allerdings nicht so recht über das folgende Abgeben unseres Mustangs hinwegtrösten: Nach acht Tagen und 2.000 Kilometern haben wir den weißen Sportwagen richtig lieb gewonnen. Schweren Herzens parken wir ihn im Hertz Terminal, begeben uns zum Flughafen und verlassen Miami, Florida und die Staaten um 21:30 Uhr mit unserer Eurowings-Maschine. Am folgenden Vormittag kommen wir wohlbehalten in Köln an.

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