Vietnam – Tag 18

Apocalypse Now

Motorradreise durch Vietnam | 2016 | Tag 18
Buddha Statue in einer Tempelanlage inmitten des Mekong Deltas

Um 7 Uhr werde ich wach und gehe frühstücken. In der Lobby unterhalte ich mich mit einer älteren Dame, die in einer Vorstadt von London lebt und sich gerade auf einer sechswöchigen Rundreise durch Südostasien befindet. Sie hat gestern an einer Tagestour ins Mekong-Delta teilgenommen, die ich für heute gebucht habe, und kann sie mir uneingeschränkt empfehlen. Was älteren, britischen Damen gefällt, ist auch genau mein Ding – da bin ich mir sicher.

Gegen 8 Uhr werde ich von einem mittelgroßen Bus abgeholt und nehme neben einem Mittdreißiger mit komischer Frisur und Zipp-Off Hose platz, der mich sehr an Eugene aus Walking Dead erinnert. Während der Fahrt veranlassen mich das schrill quietschende Mikro und die kaum vorhandenen Englisch-Kenntnisse des Tour-Guides dazu die Kopfhörer einzustöpseln, mir meine Vietnam-Playlist anzuhören und aus dem Fenster zu sehen. Nach einer 25-minütigen Pause an einem überteuerten Shop für Touristen geht es weiter zu einer buddhistischen Tempelanlage mit eindrucksvollen Statuen und einem Hang zu Dekorationen mit Neonlicht.

Weiter geht es mit einem Motorkahn über den Mekong River zur Unicorn Island inmitten des Flusses. Dort werden Bienchen und der dazugehörige Honig präsentiert, den man natürlich auch kaufen kann. Während ich mir schnell, bevor sich die Bienen darüber hermachen können, meinen Nektar in den Mund löffle, komme ich mit einer Gruppe Malaysier ins Gespräch und setze mich nach einer freundlichen Aufforderung mit an ihren Tisch.

Es handelt sich um drei junge Männer in schwarzen Saigon-Tanktops, schätzungsweise etwas jünger als ich, und zwei ältere Frauen mit Kopftuch, eine ca. 35, die andere ca. 50. Später erfahre ich, dass es sich um Mutter und Tante eines Malaysiers handelt.

Nach einer kurzen Wanderung folgt eine holprige Fahrt mit einem Pferdekarren und der Besuch einer Coconut Candy Manufaktur direkt am Wasser. Dort wird uns gezeigt, wie man eine heiße, braune Masse erst auskühlen lässt, dann in kleine Quader schneidet und anschließend mit unglaublich flinken Bewegungen einzeln verpackt. Natürlich darf man auch probieren und kann sich, bei Gefallen, zu überteuerten Preisen eine Jahresration der klebrigen Bonbons kaufen.

Eine Touristenattraktion auf Unicorn-Island inmitten des Mekong Deltas in Vietnam

Eine zweite Fahrt mit dem Motorkahn bringt uns auf eine andere Insel, wo ich – aus Solidarität zu den muslimischen Malaysiern – ein vegetarisches Mittagessen bestelle. Als die Teller auf dem Tisch stehen werden mir zahlreiche malaysische Gewürze und Saucen aus der Handtasche der Mutter angeboten. Ich schaue mir die Dosierungen bei meinem Tischnachbar Shuqrie ab und esse schließlich eine fischig-scharfe Mischung aus Tofu, Reis und Gemüse. Bei der anschließenden Busfahrt zurück nach Saigon unterhalten wir uns angeregt über Donald Trump, unsere Jobs, die Preise von einem VW Passat in Malaysia und Deutschland sowie ein traditionelles Modelabel, das die Drei gerade aufziehen.

Nachmittags gegen 17 Uhr werden Airedhy, Zulfadli, Shuqrie und ich sowie der Rest der Gruppe am Bến Thành Market abgesetzt. Da wir uns gut verstehen, beschließen wir abends gemeinsam etwas zu unternehmen und verabreden uns für 19 Uhr am Hard Rock Café. Dort trinken wir einen sehr teuren Kaffee und schauen uns ab 21 Uhr eine wirklich gute Live-Band im Untergeschoss an, die verschiedene Songs von ABBA, AC/DC und Iron Maiden zum Besten gibt.

Gegen 23 Uhr kommen die drei Malaysier, die übrigens keinen Alkohol trinken und Tattoos super finden, obwohl sie ihnen ihre Religion verbietet, in Feierlaune. Also rufen wir ein Taxi und fahren einige hundert Meter bis zum Apocalypse Now – einem Club, den uns der Platzanweiser im Hard Rock Café empfohlen hat. Dort läuft zwar solide Elektro-Mukke, aber es ist wenig los, sehr teuer und Stimmung will nicht wirklich aufkommen. Ok, es ist Dienstag.

Jedenfalls machen wir uns gegen kurz vor Mitternacht wieder auf, laufen noch ein bisschen durch die nächtlichen Straßen Saigons, unterhalten uns und verabschieden uns schließlich am Bến Thành Market, wo ich von den Jungs noch ein schwarzes Saigon-Tanktop überreicht bekomme. Ich gehöre jetzt zum Team. Weil ich einen im Tee habe verlaufe ich mich auf dem Heimweg und komme gegen 2 Uhr sehr müde im Hostel an.

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