Vietnam – Tag 4

Auf dem Ho-Chi-Minh-Highway

Motorradreise durch Vietnam | 2016 | Tag 4
Eine voll bepackte Honda Win am Rande des Ho-Chi-Minh-Highways in Vietnam

Um 5:40 Uhr klingelt der Wecker, ich packe die vorbereiteten Sachen und checke unheimlich aufgeregt aus. Dabei bekomme ich, wie leider später erst bemerkt, meinen Reisepass (wird in Vietnam in jedem Hotel/Hostel als Pfand einbehalten, gesetzlich vorgeschrieben) nicht wieder. Draußen montiere ich provisorisch die GoPro am Lenker und dann Abfahrt.

Die Innenstadt ist noch komplett leer, daher komme ich gut durch. Wenig später, bei der Fahrt aus Hanoi raus, wird der Verkehr auch mal dichter, aber alles im Rahmen. Kleiner Tipp: LKWs und Busse lassen sich an Kreuzungen gut als „seitlichen Schutzschild“ benutzen, wenn man sich unsicher ist. Wenn du zusätzlich noch häufigen Gebrauch von der Hupe machst um dich anzukündigen, sollte eigentlich nichts passieren.

Die dichte, städtische Bebauung nimmt im Laufe der Fahrt langsam ab, hin und wieder komme ich an kleinen Feldern und brennenden kleinen Feuern direkt am Straßenrand vorbei. Vormittags fahre ich dann die erste wirkliche Überlandpassage, vorbei an kleinen Dörfern, den ersten Ochsenkarren und landwirtschaftlich genutzten Feldern.

Überlandpassage des Ho-Chi-Minh-Highways in Vietnam

Nach kurzer Zeit fahre ich auf den Ho-Chi-Minh-Highway auf. Der ist gut und gleichmäßig asphaltiert im Vergleich zu den Straßen bisher, es herrscht wenig Verkehr und es lässt sich sehr angenehm darauf fahren. Ich sehe die ersten wellenförmigen Berge und Hügel in der Landschaft, dazwischen entdecke ich immer wieder Fabriken und kleine Siedlungen. Gegen Nachmittag tanke ich das erste Mal für 25.000 VND und halte kurz darauf in Cam Thuy um endlich mal was zu essen. Leider finde ich dort aber nur einen kleinen Laden der Ca Phe anbietet, keine Speisen. Also bestelle ich mir einen vietnamesischen Kaffee auf Eis und mit gesüßtem Kondensmilchsirup – naja, meins isses nicht.

Dann verfahre ich mich noch zweimal, weiche einem kläffenden Hund am Straßenrand aus, überfahre eine kleine Schlange da ich sie zu spät sehe und zockle immer weiter Richtung Tân Kỳ, meinem Etappenziel für den ersten Tag. Unterwegs winken mir immer wieder kleine Kinder zu und laufen meinem Motobike lachend nach – Backpack, geschlossene Schuhe und Knieschoner kennzeichnen mich eindeutig als Touri. Einmal bekomme ich sogar Tränen in die Augen, weil mich die ehrliche Freude der Kleinen so rührt.

Kurz vor Tân Kỳ kann ich gerade noch einem Huhn ausweichen, das ein mir entgegenkommendes Auto erwischt und dessen Körper mir dadurch entgegen gewirbelt kommt. Es folgt noch ein Slalom durch eine Horde von Wasserbüffeln, die mehrere Bauern über den Highway treiben, bis ich am späten Nachmittag, nach guten 300 Kilometern die Stadt Tân Kỳ erreichte. Dort fällt beim Check In die Geschichte mit dem fehlenden Reisepass auf, doch der Hotellier des KmO Hotels gibt mir trotzdem ein Zimmer und behält statt dem Pass eine Kaution von 100.000 VND ein.

Blick über die kleine Stadt Tan Ky in Nordvietnam

Versuche, das Golden Charm Hostel in Hanoi über das Hoteltelefon zu kontaktieren bleiben leider erfolglos. Die auf der Webseite des Hostels hinterlegte Nummer funktioniert nicht, daher bitte ich den Hotellier darum, eine Auskunft zu befragen. Sein Englisch reicht aber leider nicht aus um die Problematik zu verstehen – oder ich erkläre zu kompliziert.

Jedenfalls muss ich mich vorläufig mit einer Mail (Urgent matter!) zufriedengeben und mache mich gegen 18 Uhr auf die Suche nach einem Frühstück. Ich finde eine kleine Garküche, an der eine Art Reibekuchen, wahrscheinlich auf Knollenbasis, für 5.000 VND das Stück angeboten wird. Weil der Erste ganz gut schmeckt, kaufe ich direkt nochmal fünf um am nächsten Tag genug Proviant dabei zu haben. Im Hotel wasche ich im Anschluss die verdreckten und verstaubten Klamotten im Waschbecken und verteile sie zum Trocknen im Zimmer. Gegen 21 Uhr schlafe ich nach wenigen Seiten „Im Westen nichts Neues“ sehr müde und glücklich ein.

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