Vietnam – Tag 5

Mein neuer Facebook-Freund

Motorradreise durch Vietnam | 2016 | Tag 5
Gebirge in Nordvietnam am Rande des Ho-Chi-Minh-Highways

Um 4:30 Uhr werde ich wach, schaue mir noch ein bisschen vietnamesisches Fernsehen an und packe dann meine Sachen zusammen. Die ursprünglich verknotete Plastiktüte mit den fünf Reibekuchen liegt aufgerissen und verrutscht auf dem Beistelltisch – ich hatte also scheinbar einen nächtlichen Besucher. Da mir der Appetit auf Reibekuchen vergangen ist, gehe ich gegen kurz vor 7 Uhr nochmal zu einer anderen Garküche in der Nähe und kaufe einen Teller Reis mit stinky Tofu sowie ein kleines Baguette mit Hühnchen, Grünzeug und scharfer Soße für insgesamt 20.000 VND  – sehr lecker.

Gegen kurz vor 8 Uhr verstaue ich meinen Kram auf dem Bike und fahre weiter. Ich passiere erste merkliche Steigungen und Täler auf meiner Route, die Strecke wird zunehmend dünner besiedelt. Nach zwei Tankstopps entdecke ich durch Zufall ein größeres Denkmal (vermute ich zumindest) am oberen Ende einer riesigen Treppe und halte kurz um es mir anzusehen. Toller Ausblick von oben.

In einem kleinen Bergdorf in der Provinz Hà Tĩnh lasse ich den ersten Ölwechsel (Tipp: Intervalle von ca. 500 Kilometern einhalten, das Moped dankt es dir) machen. Der junge Mechaniker ist unglaublich freundlich, man verständigt sich mit Hand und Fuß: Er schreibt mit einem Stöckchen eine 22 in den Sand, sieht mich fragend an und gibt mir den Stock. Ich schreibe eine 26 daneben. Ich zahle ihm 90.000 VND und ziehe versehentlich noch eine Ein-Dollar-Note aus meinem Portemonnaie. Die findet er viel interessanter als die vietnamesischen Scheine. Ich gebe ihm zu verstehen, dass er sie behalten kann. Er lächelt, holt sein iPhone und gibt mir zu verstehen, dass er gern ein Foto machen würde. Von Stöckchen auf Smartphone in 30 Sekunden – what a time to be alive.

Eine kleine Traube von Schulkindern mit Fahrrädern hat sich inzwischen um die provisorische Werkstatt und den bleichgesichtigen Sonderling versammelt. Eines davon kommt auf uns zu um das Foto zu machen. Abschließend bekomme ich das Handy mit Duongs Facebook und offener Suchleiste in die Hand gedrückt. Ich suche mich, finde mich und füge mich als Freund hinzu. Nach einigen Verbeugungen und lauten „Byeee“ und „Hellooo“ Rufen zockle ich mit frischem Öl und guter Laune weiter.

Ausblick über den dichten Dschungel im Norden Vietnams

Die Landschaft wird zunehmend beeindruckender: Ich fahre über Berge und durch Täler, vorbei an vielen wellenförmigen Hügeln, weitläufigen Palmenwäldern und vereinzelten Siedlungen. Der Phong Nha-Kẻ Bàng Nationalpark kündigt sich an.

Am liebsten würde ich alle fünf Minuten anhalten um Fotos zu machen – von der Umgebung, aber auch von den riesigen Schmetterlingen, die mir glücklicherweise immer ausweichen, kurz bevor sie gegen das Visier klatschen würden. Nach einer letzten Serpentinenpassage erreiche ich eine breite Straße, die an eine überdimensionierte Landebahn erinnert.

Passage des Ho-Chi-Minh-Highways am Rande des Phong Nha Ke Bang Nationalparks in Vietnam

Auf einer Brücke über den Sông Son River treffe ich zum ersten Mal auf Didi: Ebenfalls ein deutscher Backpacker, ebenfalls alleine auf einer Honda Win von Phung Motorbike Richtung Saigon unterwegs. Nach einem kurzen Plausch trennen sich unsere Wege jedoch schnell wieder. Didi sucht nach der günstigsten Möglichkeit in der Nähe des Nationalparks zu pennen, ich suche nach dem Phong Nha Farmstay – einer von westlichen Auswanderern umgebauten Farm in einem kleinen Dschungeldorf. Mit dem westlichen Umbau gehen auch westliche Preise umher, daher definitiv nicht die günstigste Alternative.

Nach kurzem Suchen finde ich die Farm in Xã Cự Nẫm. Da nur noch das Familienzimmer mit acht (!) Betten frei ist, ich es aber auf den Einzelzimmerpreis heruntergehandelt bekomme, checke ich für schmerzhafte 910.000 VND ein. Die Hotelchefin verspricht mir, sich um meinen Reisepass zu kümmern und will diesen mit einem Postbus aus Hanoi zur Farm schicken lassen. Ich bin dankbar, aber auch ein wenig skeptisch. Wenn der Pass wegkommt, stehe ich bei der Abreise natürlich ziemlich blöd da. Naja wird schon werden. Das Familienzimmer besteht jedenfalls aus zwei Zimmern, einer kleinen Fernseh-Ecke sowie einem Indoor- und einem Outdoor-Bad. Dort angekommen ist erstmal Wäsche machen angesagt, Pulli und Hose haben es dringend nötig. An der Rezeption buche ich im Anschluss noch eine geführte Tagestour durch den Nationalpark für 1.350.000 VND.

Nach einem guten, aber ebenfalls teuren Thai Curry unterhalte ich mich auf der Veranda noch mit einem Franzosen, der nach Australien ausgewandert ist, über Gott, die Welt und das Reisen und gehe nach dem zweiten Bier ins Bett.

Wirklich empfehlen kann ich den Laden nur, falls du ebenfalls deinen Pass zugeschickt bekommen willst/musst, denn das hat hervorragend geklappt. Ansonsten gibt es haufenweise günstigere Alternativen. Das Personal ist zwar nett, aber die Preise sehr hoch im Vergleich mit dem Landesstandard und meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt: Die Lage ist nicht so spektakulär wie angegeben (eher „mitten im Dorf“ statt „mitten im Dschungel“), auf der Bordüre lagen Mäuseköttel und Fernseher und Föhn waren kaputt. Das hätte alles schon etwas exklusiver sein dürfen.

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