Motobiking Vietnam – Honda Win kaufen

In Vietnam, Kambodscha und Thailand ist das Motobike eines der beliebtesten Fortbewegungsmittel unter Backpackern. Vor allem ältere Modelle mit manueller Fußschaltung sind dort sehr günstig zu bekommen. In diesem Beitrag findest du eine Bewertung des Bikes, das mich dreieinhalb Wochen und über 2.600 Kilometer durch Vietnam begleitet hat: Ein unlizensierter, chinesischer Nachbau einer Honda Win. Außerdem erkläre ich dir, auf was du achten solltest, wenn du dir eine Honda Win kaufen möchtest.

Die wichtigsten Daten meiner Honda Win im Überblick:

  • Höchstgeschwindigkeit: >70 km/h
  • Gewicht: ca. 120 kg
  • Hubraum: 110 ccm
  • Zylinder: 1
  • Leistung: ca. 10-15 PS
  • Stauraum: 1 Gepäckträger (erweiterbar durch Stahlrahmen)
  • Anzahl Sitze: max. 2
  • Preis: 300 USD

Vor- und Nachteile gegenüber anderen Fahrzeugen:

Die nachgebauten Honda Wins waren und sind noch unheimlich populär in Südostasien. Zudem sind sie ein sehr simpler, zusammengeschraubter Haufen Technik. Heißt in Summe, dass vermutlich jeder Mechaniker in jedem Bergdorf die Dinger mit verbundenen Augen auseinander- und wieder zusammenbauen kann und eine Menge passender Ersatzteile herumliegen hat. Bei moderneren Rollern mit Automatikgetriebe und einer höheren Anzahl an elektronischen Komponenten sieht das wahrscheinlich anders aus.

Ein Getriebe mit manueller Schaltung ist prinzipiell eine simplere Konstruktion als eine Automatik. Geht mal was zu Bruch, würde ich sagen, dass du bei Ersterem bessere Chancen hast, dir selbst helfen zu können oder bei der Reparatur günstig weg zu kommen. Ich kann allerdings nicht mit Referenzwerten dienen, da mein Bike glücklicherweise gehalten hat.

Wo du deine Honda Win kaufen und verkaufen kannst:

Wenn du von einem anderen Backpacker kaufen möchtest, halte Ausschau nach „For Sale“-Schildern an Bikes vor Hostels in den Städten. Alternativ kannst du auch in dem vietnamesischen Expat-Forum oder der vietnamesischen Craigslist suchen. Beim Verkauf solltest du genauso vorgehen. Ich habe mein Bike in Saigon über Craigslist verkauft.

Wenn du dich für den Kauf bei einem Händler entscheidest, hilft dir eine halbe Stunde Internet-Recherche. Lies Rezensionen auf Google und suche nach einem seriösen Anbieter. Ich habe meine Win in Hanoi gekauft und kann den Händler Phung Motorbike uneingeschränkt empfehlen – fairer Preis, große Auswahl, 24h-Notfall-Nummer und die Möglichkeit, Ersatzteile sofort einbauen zu lassen. Für die Begutachtung deines Bikes bist du natürlich selbst zuständig.

Beim Verkauf an einen Händler wirst du definitiv einen schlechteren Preis erzielen, als beim Verkauf an einen Backpacker. Dafür kommst du nicht in Zeitnot und bist es im Zweifelsfall schnell los.

Was du bei der Begutachtung vor dem Kauf beachten solltest:

Motor und Getriebe: Hier muss man zwischen dem Kauf beim Händler und dem Kauf von einem anderen Backpacker unterscheiden. Kaufst du beim Händler – schaue dir den Motor sehr genau an. Besonders wenn er sehr sauber und frisch lackiert aussieht solltest du vorsichtig sein, denn marode Dichtungen und der daraus resultierende Ölaustritt wird gerne durch eine dicke Lackschicht kaschiert. Diese Lackierung hält zwar nur fünf Minuten bei laufendem Motor, reicht aber aus um schlecht informierte Käufer zu blenden. Kratze im Zweifelsfall mit einem Schlüssel über verdächtig aussehende Regionen, um darunter liegende Ölschmiere freizulegen. Auch frische Öltropfen auf dem Boden nach der Probefahrt sind ein Indikator für undichte Stellen. Kaufst du von einem Backpacker, ist der Motor in der Regel „ehrlicher“. Ein einfacher Blick genügt um zu erkennen, ob Öl austritt und falls ja in welchem Maße.

Hinweis: Du wirst Kompromisse eingehen müssen, schließlich kaufst du hier keine fabrikneue Ducati, sondern ein Sammelsurium aus diversen unlizensierten Bauteilen. Vergleiche und entscheide dich für das geringste Übel – undicht ist nicht gleich undicht.

Schraube den Ölmessstab heraus und schaue dir das Öl im Motor an. Ist es schwarz und dickflüssig, lass für 3 bis 5 USD einen Ölwechsel beim Mechaniker um die Ecke machen. Befinden sich Fremdkörper, z.B. kleine Metallspäne in dem Öl, lass die Finger von dem Bike. Schalte bei der anschließenden Probefahrt in jedem Fall alle Gänge durch. Funktioniert alles reibungslos und ohne Knirschen und Knacken aus der Getriebegegend, solltest du dich auf der sicheren Seite befinden.

Reifen: Häufige Regenschauern, miserable Straßenverhältnisse und unbefestigter Untergrund erfordern ein gutes Profil. Gehe bei den Reifen keine Kompromisse ein und lasse abgefahrene oder rissige Pneus im Zweifelsfall austauschen. Kontrolliere sie zudem auf eingefahrene Nägel. Kostenpunkt pro Reifen: ca. 10 USD.

Rahmen: Durch die schlechten Straßenverhältnisse sind Rahmenbrüche an den alten Motobikes nichts besonderes. Kontrolliere alle Teile mit tragender Funktion – sofern sichtbar. Ein Knacks am Gepäckträger ist kein Ausschlusskriterium und kann im Zweifelsfall mit Panzertape geflickt werden. Risse an der Lenkgabel oder dem tragenden Fahrgestell sind hingegen lebensgefährlich.

Elektrik und Beleuchtung: Blinker haben in Südostasien eine untergeordnete Funktion. Funktionieren sie? Gut. Funktionieren sie nicht? Nicht so schlimm. Was wirklich zählt ist die Kombination aus ausgestreckten Beinen zur Richtungsanzeige und der allgegenwärtigen Hupe: Dieses Bauteil muss in jedem Fall funktionieren. Auch ein intakter Scheinwerfer und ein intaktes Rücklicht sind mehr als empfehlenswert, falls du mal in der Dämmerung fährst. Hinweis: Entscheidest du dich dazu, auch tagsüber mit eingeschaltetem Licht zu fahren, wirst du vermutlich öfter von verwirrten Locals darauf hingewiesen werden.

Sonstiges: Hat dein Backpack genug Platz auf dem Bock? Falls der serienmäßige Gepäckträger zu klein ist, bekommst du bei Händlern für kleines Geld geschweißte Rahmen, die sich mit Spannbändern am Bike befestigen lassen und die Auflagefläche vergrößern. Hat dein Bike mindestens einen intakten Spiegel? Du wirst ihn im chaotischen Verkehr zu schätzen lernen.

Was du während der Fahrt beachten solltest:

Motor und Getriebe: Lass in Intervallen von ca. 500 Kilometern das Öl wechseln. Es kostet nicht viel, dauert nicht lange und der Motor wird es dir danken.

Kette: Die Kette sollte gut gespannt sein, heißt ein Spiel von ein bis zwei Fingern Breite haben wenn du sie anhebst. Sitzt sie zu lose oder zu stramm kann sie bei der Fahrt abspringen oder schlimmer – reißen. Die Kette lässt sich über die Kettenspanner (kleine Schrauben oder Muttern an der Hinterachse) justieren. Achte darauf die Kette besonders nach Regenfahrten einzufetten. Ich kann dir dafür eine handelsübliche Dose Vaseline empfehlen – im Zweifelsfall tut es aber auch ein Kännchen, dass du dir nach einem Ölwechsel mit Altöl befüllen lässt und mit Draht am Lenker deines Bikes befestigst.

Wenn du diese Tipps beachtest, sollte hoffentlich nichts Gravierendes schiefgehen. Ein Restrisiko bleibt natürlich immer, trägt aber auch unheimlich zum Abenteuercharakter der Reise bei. Weitere Hinweise zum Motorradfahren in Vietnam oder Südostasien generell findest du in dem Blogbeitrag Vorbereitung oder dem umfassenden Reisebericht Motobiking Vietnam.


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