Vietnam – Tag 12

Little Russia

Motorradreise durch Vietnam | 2016 | Tag 12
Skyline von Nha Trang in Vietnam an einem bewölkten Dezembernachmittag

Gegen 7:30 Uhr stehe ich auf, schaue ein bisschen Fernsehen (The Revenant läuft) und mache mich anschließend auf, um mich um 9 Uhr mit Didi am KFC zu treffen. Er hatte vor einigen Tagen einen Unfall. Ein anderes Motobike kam aus einer Seitenstraße und hat ihm die Vorfahrt genommen, er ist reingekracht und über den Lenker gegangen. Dafür sehen er und sein Motorrad noch ganz gut aus, nur an seinen Knien und dem Rahmen der Honda sieht man die Blessuren.

Erst tauschen wir ein paar Erfahrungen mit den Motorrädern aus und schauen gemeinsam nach, ob alles an seinem Bike funktioniert, dann frühstücken wir erst im KFC und im Anschluss bei einer Garküche um die Ecke – ganz schön dekadent. Abschließend lasse ich noch einen Ölwechsel machen und vorsichtshalber für 60.000 VND eine neue Zündkerze einbauen – in den letzten Tagen ist meine Win öfter schlecht angesprungen, vor allem nach den langen Regenfahrten.

Dann verabschieden wir uns voneinander, wollen aber weiter in Kontakt bleiben. Auf der Fahrt aus der Stadt heraus halte ich nochmal kurz an einem Coffeeshop (hehe) und kaufe für 143.000 VND 200 Gramm vakuumverpackte Weasel-Coffee Bohnen für meine Eltern. Buôn Ma Thuột gilt als die Landeshauptstadt in Sachen Kaffee und der vietnamesische Wiesel-Kaffee als einer der besten weltweit: Die Wiesel sind darauf trainiert nur die besten und reifsten Kaffeebeeren zu fressen. Nachdem sie diese verdaut haben, scheiden sie die Bohnen der perfekten Früchte aus. Diese werden im Anschluss gereinigt, sortiert und als Spezialität deutlich teurer als normale Kaffeebohnen angeboten.

Honda Win an einer einsamen Überlandstraße nach Nha Trang in Vietnam

Auf dem Weg nach Nha Trang habe ich endlich mal Glück mit dem Wetter. Links und rechts von mir stehen dunkle Regenwolken am Himmel, doch genau über mir scheint die Sonne. Mit kurzer Hose, hochgekrempeltem Pulli und ohne Mülltüten über den Socken zockle ich gut gelaunt in Richtung Meer. Hatte fast vergessen wie schön das Motorradfahren in Vietnam sein kann.

Nachmittags komme ich in Nha Trang an. Der Verkehr ist hier relativ dicht, auffallend viele Reisebusse sind unterwegs. Bei der Fahrt an der Standpromenade entlang sehe ich Hotels und Hochhäuser, die so gar nicht in das Vietnam passen, das ich bisher kennengelernt habe. Später zeigt sich, dass Nha Trang ein beliebtes Reiseziel für russische Pauschalurlauber zu sein scheint. Ich werde überall mit Russisch angesprochen. Vietnamesische Kultur und Sprache wurde hier erfolgreich von Väterchen Frost verdrängt. Beim Anblick der vielen Touristen mit dickem Bauch, goldbehangener Brust und hummerroter Haut muss ich unweigerlich an Bierkönig und Ballermann 6 denken.

Hier gefällts mir nicht, daher ziehe ich mich nach einem mittelmäßigen Abendessen schnell auf mein kleines Zimmer im Truong Giang Hotel zurück und plane die weitere Route. Die Gegend um Mũi Né, die ich als nächstes bereisen möchte, ist scheinbar berüchtigt für Polizisten, die es gezielt auf die Portemonnaies von Backpackern auf Motobikes abgesehen haben. Es wird empfohlen, nur abends oder früh morgens zu fahren, um die Gefahr eines saftigen Bestechungsgeldes zu minimieren. Gut zu wissen.

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